Donnerstag, 4. Dezember 2008

Ferien mit Hund

Willkommen im Murtal !!

Die Südseite der Hohen Tauern begrüßt Sie als Urlaubsgast

Die "Sonnenseite" der Hohen Tauern ist stolz darauf, jedes Jahr mehr Gäste aus ganz Europa begrüßen zu dürfen.
Denn bei uns herrscht schon fast südländisches Klima vor. Zwei
Wochen "verregneten" Urlaub, wie auf der Nordseite der Alpen, müssen Sie bei uns nicht befürchten.
Hier können Sie bei strahlendem Sonnenschein ausgedehnte Wanderungen unternehmen und "Gipfelerfahrungen" sammeln.
Der Zirbitzk
ogel, unser Hausberg, mit seinen 2397 m Höhe lädt auch ungeübte Wanderer zu einer Besteigung förmlich ein. Ein normaler Wanderweg führt Sie in eine Höhe, von der aus Sie einen fantastischen Ausblick geniessen können.
Verköstigt we
rden Sie auf zahlreichen Almhütten mit steirischen Spezialitäten.
Der Gebirgszug, den Sie von der Höhe aus in südlicher Richtung sehen, sind die Karawanken - das Grenzgebirge zwischen Österreich und Slowenien.
Ein Tagesausflug dorthin ist fast ein muß, denn Sie können die einmalig schöne Landschaft dort gleich mit einem günstigen Einkauf in Slowenien kombinieren.
Auch der "Große Bösenstein" (2448 m) lädt Freizeitkletterer zu einer Begehung ein. Hoch über dem Scheibl-See in den Rottenmanner-Tauern gelegen, bietet er einen faszinierenden Rundblick über die ganzen Tauern bis hin zum Dachstein.
Vergessen S
ie aber bitte nicht, Fischfutter oder Weißbrot mitzubringen, denn ganze Schwärme von Forellen warten an den Ufern des Sees darauf, dass sie von den Urlaubsgästen gefüttert werden.
Unterhalb des Scheibl-Sees und hinter der malerischen Gemeinde "Hohe Tauern" findet sich noch ein weiterer Wanderweg für Naturliebhaber, die lieber auf ebenen Wegen die Vorzüge der Berge geniessen möchten, ein kleiner See mit Imbiss dort lädt zum Verweilen ein und Familien mit Kindern werden dort wohl oder übel verweilen müssen, denn der Nachwuchs will erst einmal nicht weiter gehen, sondern sich auf der 200 Meter langen Rutschbahn vergnügen.
Eltern freut euch, wenn euer Nachwuchs ein paar Mal den Weg zum Beginn der Rutsche hochgekraxelt ist, dann wird er so richtig schön müde und ihr könnt abends beruhigt alleine das südlän
dische Flair der Steiermark geniessen...
Im großen Freizeitpark Kobenz, ganz in der Nähe, gibt es dann gleich am nächsten T
ag neue Aktivitäten, um Ihrem Nachwuchs die notwendige Bettschwere zu vermittlen: Ein großer Freizeitpark mit Kinder-Eisenbahnen, Badesee und Bootfahren - ein Vergnügen für die kleinen und die Eltern haben alles locker von dem gemütlichen Terrassenrestaurant aus im Überblick und abends wieder ihre Ruhe für Unternehmungen zu zweit.
Pilzsammler baden hier in unserer Region fast in Pfifferlingen (Schwammerln) und köstlichen Steinpilzen, die nach dem feuchten Morgentau förmlich aus dem Boden schiessen.
Angler müssen sich anstrengen, um den örtlichen Profis Paroli zu bieten, denn unterhalb unserer Ferienwohnungen sind 4 Kilogramm schwere Forellen oder 1 Meter lange Huchen keine Seltenheit.
Dies waren leider nur wenige von den Tipps, die Sie bei Ihrem Aufenthalt bei uns erwarten dürfen. Sie dürfen als Feriengast jederzeit bei der Gastfamilie klingen und werden mit allem versorgt, was Sie an Information oder zusätzlichem Hausrat benötigen.
Selbstverständlich dürfen Sie auch gerne Ihre Haustiere mitbringen, seien es Goldhamster, Vögel, Katzen oder Hunde. Alle sind bei uns sehr willkommen und werden es Ihnen danken und Sie ersparen sich die Sorge und die Kosten für eine Unterbringung ihrer geliebten Tiere, denn sie sind dabei, erholen sich mit Ihnen - und kosten keinen Cent extra.
Kein Zwinger, kein Problem, freies Herumtollen auf dem ganzen Grundstück.
Sie möchten gerne mit mehr befreundeten Familien kommen? Kein Problem, wir haben noch ein paar Wohnungen mehr nebeneinander für Sie parat.

...übrigens, das Haus Murtalblick ist das zweite von oben rechts in der Gesamtübersicht auf der rechten Seite. Beste Aussicht und größte Ruhe sind dadurch garantiert.

Willkommen im Haus Murtalblick bei der Familie König

Vielleicht lassen sie sich ja auch noch von ein paar Impressionen in unserem Blog inspirieren...

Nicht jeder Urlauber findet in Hotels mit Massenabfertigung Erholung. In der Siedlung Murtalblick können Sie dagegen ganz ungestört und individuell Urlaub machen. Weitere Angebote für Privatunterkünfte finden Sie unter Ferienhaus Österreich von Privat.

Sollten sie Fragen haben, dann stehe ich ihnen gerne und immer unter der email-Adresse hking2@aon.at zur Verfügung.

Mittwoch, 3. Dezember 2008

Wintersaison

Winter in den Bergen

Freunde der warmen Sonne kommen bei uns gewiß nicht zu kurz. Das haben wir ja schon mit Bildern ausführlich bewiesen.
Doch wer seinen Urlaub lieber für die Ski-Saison aufspart und eher die weiße Pracht favorisiert, vielleicht sogar Weihnachten und/oder Sylvester in den Bergen verbringen möchte und dafür nur einen sparsamen Etat zur Verfügung hat, der ist bei uns genau richtig aufgehoben.
Unsere Feriensiedlung Murtalblick liegt auf einer Höhe von etwa 800m. Im Umkreis von 45 km liegen zahlreiche Skigebiete in doppelter Höhe.
Schneesicherheit ist ab Anfang Dezember bis zu Ostern dank zahlreicher Schneekanonen immer gewährleistet, auch wenn uns die Klimaveränderung wieder einmal einen Streich spielen will.
Das der Siedlung am nächsten gelegene Skigebiet ist das bekannte Lachtal in den Wölzer Tauern, gerade einmal 20 Kilometer von der Ferienwohnung entfernt. Es liegt auf einer Seehöhe zwischen 1.600 und 2.200 m. Zur Zeit (09.01.2009) liegen dort bis zu 2 Meter Schnee.
Im Lachtal, dem bekanntesten Wintersportort der Steiermark, gibt es zahlreiche Skilifte und für die Wintersport-Garantie sorgen bis Ostern etwa 30 Schneekanonen.
33 Kilometer blau-rot-schwarze Abfahrten, 15 Kilometer Langlaufstrecken und speziell für Kinder optimierte Strecken sorgen für den perfekten Winterspass. Anfänger in Sachen Skilaufen können sich in einer der Skischulen am Berg die ersten Schwünge zeigen lassen.
Für das leibliche Wohl der Winterurlauber wird dort in vielen guten Gaststätten ebenfalls gesorgt.
Zu beobachten ist, daß dieses Wintersportgebiet gerade bei ungarischen Urlaubern sehr beliebt ist, denn die Fahrtstrecke nach Ungarn hält sich in Grenzen und Ungarn hat im Augenblick wesentlich mehr unter den wirtschaftlichen Situationen zu leiden als alle anderen westlichen Länder.
Dort muß man noch mehr auf den Groschen bzw. Forynth schauen als bei uns. Für alle anderen, die ebenfalls ihr Geldstück zweimal umdrehen, bevor sie in den Winterurlaub fahren, ist dies allerdings die beste Preisgarantie. Viel Urlaub und Vergnügen zu wenig Geld.
Willkommen im Lachtal.
Weitere Informationen, Bilder und Preise rufen sie bitte direkt unter http://www.lachtal.at/index.php ab, da wir sie hier aus urheberrechtlichen Gründen nicht veröffentlichen dürfen.

Das nächste bekannte Skigebiet ist der Kreischberg bei Murau.
Dort finden sie 13 Seilbahnen und Lifte, 40 Kilometer Abfahrten für die ganze Familie und in den Skipässen sind zahlreiche Sondervergünstigungen für Kino, Busse, Bahnen und Restaurants enthalten.
Auf über 1700m Höhe wird hier während der ganzen Saison für den Winterspaß garantiert und daß es wirklich keinem Urlauber zu langweilig wird, das dokumentieren die zahlreichen Veranstaltungen und Events.
Schauen sie bitte auf die Seite http://www.kreischberg.at/. Dort finden sie auch Life-Bilder der augenblicklichen Schneesituation und zahlreiche weitere Angebote.

Von unserer Ferienwohnung Murtalblick bis in die besten Skigebiete haben sie also weniger als 40 Minuten Anfahrt und können sich am Abend dann "zu Hause" so richtig erholen. Möchten sie nicht selbst kochen, dann können wir ihnen zwei gute Gasthöfe in unserem Tal empfehlen: Gasthof Murtalblick in 100m Entfernung und den Gasthof Kaser in 800m Entfernung.
Anschließend können sie sich beim SAT-TV erholen und die neuesten Sportberichte aus ganz Deutschland anschauen.
Das ist nicht IHR Skigebiet? Dann kann ich Ihnen nur www.casamundo.de empfehlen, denn dort finden sie noch über 150.000 weitere Skigebiete in Europa und Nord-Amerika in allen Preiskategorien.

Hier gehts zum Ski-Spaß:
Skigebiete im Umkreis von 45 km:
Lachtal
Kreischberg

Sehr günstig für Wintersportler:

Pusterwald/Oberzeiring
Skiregion Gaal (Seckauer Alpen)
Hohe Tauern
Murauer Frauenalpe
Grebenzen
Weitere Skigebiete in unserer Region Pöls/Judenburg

Dienstag, 2. Dezember 2008

Events und Highlights 2009

Auf dieser Seite halten wir Sie über die aktuellen Ereignisse in unserer Region auf dem Laufenden.
Das erwartet Sie im Kalenderjahr 2009:

21.-25. Januar FIS Telemark-WM am Kreischberg
05.-06. Februar Damen FIS-Tage in Gaal
21. März Langlaufcup in Hohentauern
05.-06. Juni Judenburg Pölstal-Rallye
26.-27. Juni Airpower 09 in Zeltweg
01. August Holzstraßenlauf in St.Peter/Kammersbg.
08-09. August Zirbenfest in St. Wolfgang
29. August Pferdemarkt in Schöder

Preise für die Ferienwohnungen

Alle von mir vermitteltenden Wohnungen in der Feriensiedlung "Murtalblick" sind im Prinzip "baugleich".
Einige Hauseigentümer haben sich dagegen entschlossen auf Kosten der Aussenfläche ihre Ferienwohnungen innen auszubauen und damit komfortabler zu machen, andere Wohnungen entsprechen dem Baustil der Region.
Die Mietkosten der von mir vermittelten Wohnungen bleibt davon jedoch unbenommen.
Anfragen zu den einzelnen Ferienwohnungen beantworte ich gerne direkt per e-mail.

Die Kosten betragen für alle Ferienwohnungen:
35€/Nacht für bis zu 4 Personen inklusive Haustiere.
25€ je angefangener Woche an Energiekosten.
40€ einmalig pro Aufenthalt für die Endreinigung.

Spätestens bei der Schlüsselübergabe sind 100€ an Kaution zu hinterlegen (siehe AGBs).

Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB)

Mietbedingungen von Haus Murtalblick

1. Mietvertrag
1.1 Der Mietvertrag wird nach Maßgabe der Ausschreibung verbindlich, d.h. der Inhalt des Mietvertrages bestimmt sich nach den Angaben der gültigen Internetdarstellung und der schriftlichen Bestätigung. Dies gilt auch für telefonische Anmeldungen. Der Mietvertrag kommt mit Zugang der Buchung beim Vermieter/Vermittler und dessen Buchungsbestätigung, schriftlich, per Fax oder e-Mail zustande.
1.2 Nebenabreden, die dem Inhalt dieser Bedingungen oder Leistungsbeschreibungen nicht entsprechen, bedürfen einer ausdrücklichen Bestätigung durch den Vermieter/Vermittler.
1.3 Sollte die, auf der Internetseite dargestellte Ferienwohnung zu dem gewünschten Zeitraum nicht verfügbar sein, ist der Vermittler berechtigt, eine geeignete Ersatzwohnung in unmittelbarer Nähe des gewünschten Ferienobjekts vorzuschlagen, die der Ferienwohnung auf der Website vergleichbar ist.
Ist der Mieter mit diesen Vorschlägen nicht einverstanden, entstehen im keine weiteren Kosten – insbesondere Stornogebühren – und er kann ohne eigene Kosten von der Buchungsanfrage zurücktreten. Bei einem schriftlichen Einverständnis (email, Brief oder Fax) durch den Urlaubsgast bleiben alle Paragrafen der AGB weiterhin gültig.

2. Zahlung

2.1 Mit Erhalt der schriftlichen Vermietungsbestätigung werden Anzahlungen wie folgt fällig:
2.1.1 Die Anzahlung beträgt 25 % des Brutto-Preises je Wohneinheitbuchung (inkl. Nebenkosten). Die Anzahlung wird auf den Gesamt- Mietpreis angerechnet. Nach Eingang der Anzahlung gilt die gewünschte Ferienwohnung als „reserviert und gebucht“ und der Feriengast kann sich sicher sein, dass sie nicht „doppelt“ vermietet wurde. Bei widrigem Verhalten seitens des Vermieters/Vermittlers hat der Feriengast Anspruch auf 100% Rückerstattung seiner bereits gezahlten Kosten.
2.1.2 Geht der Anzahlungsbetrag nicht sofort oder innerhalb von 10 Tagen nach Datum der Buchungsbestätigung ein und wird auch nach Aufforderung unter Fristsetzung keine Zahlung geleistet, so ist der Vermieter/Vermittler berechtigt, den Vertrag fristlos zu kündigen und die Buchung zu stornieren. Hierfür darf der Vermieter eine Bearbeitungsgebühr verlangen.
Der Restbetrag ist spätestens bei der Schlüsselübergabe der Ferienwohnung zu begleichen. Bei kurzfristigen Buchungen wenn zwischen Buchungsdatum und Mietbeginn weniger als 42 Tage liegen ist der Mietpreis je Wohneinheit in voller Höhe sofort bei Eingang der Buchungsbestätigung zu bezahlen. Storno- und Umbuchungsgebühren sind sofort fällig.
2.2.2 Ohne vollständige Bezahlung besteht kein Anspruch auf Erbringung der Vermietungsleistung.

3. Mietbestätigung
Sollte die Mietbestätigung dem Anmelder, bzw. den anmietenden Personen nicht bis spätestens 7 Tage vor Beginn des Mietverhältnisses zugegangen sein, hat sich dieser unverzüglich mit dem Vermieter/Vermittler in Verbindung zu setzen.
Die Mietbestätigung ist dem Schlüsselhalter am Mietobjekt vorzulegen.

4. Änderungen
4.1 Werden vom Mieter Änderungen z.B. hinsichtlich des Mietbeginns oder der anzumietenden Wohneinheit vorgenommen, die der Vermieter erfüllen kann, ist der Mietpreis gültig, der für das geänderte Wohnobjekt und den Anmietungszeitraum entsprechend der jeweils gültigen Saisonpreise im Internet ausgeschrieben ist. Der Vermieter kann eine Umbuchungsgebühr erheben.
4.2 Von Leistungsänderungen wird der Vermieter den Mieter unverzüglich unterrichten und ihm mit einer Erklärungsfrist von 10 Tagen kostenlosen Rücktritt anbieten, sofern die Änderungen nicht lediglich geringfügig sind. Ein Kündigungsrecht des Mieters bleibt unberührt.
4.3 Preiserhöhungen nach Abschluss des Mietvertrages aus sachlich berechtigten und nicht vorhersehbaren Gründen (Erhöhung von Gebühren, Steuern, Abgaben oder ähnliches) sind in dem Umfange möglich, wie nachzuweisende Tatsachen dies rechtfertigen. Änderungen des Mietpreises sind unverzüglich zu klären. Bei Preiserhöhungen über 5% des Gesamt -Mietpreises kann der Mieter innerhalb von 10 Tagen kostenlos zurücktreten.
4.4 Bis zu Beginn des Mietverhältnisses kann der Mieter sich nach Mitteilung an den Vermieter durch eine andere geeignete Person ersetzen lassen. Eine Erhöhung der Personenzahl je Wohneinheit ist nur in dem Maße möglich wie es die Art und Ausstattung des Wohnobjektes zulässt. Dies bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Vermieters.

5. Rücktritt
5.1 Rücktritt seitens des Mieters - Dieser sollte im Interesse des Mieters unter Beifügung der Mietbestätigung schriftlich erfolgen. Maßgebend für den Rücktrittszeitpunkt und für die Höhe der Rücktrittskosten ist der Zugang der Rücktrittserklärung beim Vermieter.
In diesem Falle werden pauschalierte Rücktrittskosten erhoben:
- Beim Rücktritt bis 42 Tage vor Mietbeginn 30 % des Mietpreises.
- Bei Rücktritt 42 - 28 Tage vor Mietbeginn 60 % des Mietpreises
- Bei Rücktritt 28 - 1 Tag vor Mietbeginn 90% des Mietpreises
- Bei Rücktritt am Tage des Mietbeginns oder bei Nichterscheinen 100% des Mietpreises.
Die Rücktrittskosten werden auf Grundlage der reinen Übernachtungsgebühren berechnet. Die Nebenkosten für den gebuchten Zeitraum werden von den Stornogebühren ausgeschlossen.
5.2 Bei der Pauschalierung sind die gewöhnlich ersparten Aufwendungen und die mögliche anderweitige Verwendung des Mietobjektes berücksichtigt. Es bleibt dem Mieter unbenommen, den Nachweis zu führen, dass im Zusammenhang mit dem Rücktritt keine oder geringere Kosten entstanden sind.

6. Rücktritt des Vermieters
6.1 Wird die Vermietung des Mietobjektes infolge unvorhergesehener Unbewohnbarkeit, oder durch höhere Gewalt (z.B. Naturkatastrophen oder Epidemien) erheblich erschwert, gefährdet oder beeinträchtigt, so kann sowohl der Mieter als auch der Vermieter den Vertrag kündigen. Bei Kündigung erhält der Mieter den gezahlten Mietpreis unverzüglich zurück. Ein weitergehender Anspruch besteht nicht.
6.2 Ergeben sich diese Umstände nach Beginn des Mietverhältnisses, kann der Mietvertrag ebenfalls von beiden Seiten gekündigt werden.
Eine anteilige Rückvergütung des Mietpreises erfolgt direkt vor Ort.
6.3 Der Vermieter kann ohne Einhaltung einer Frist das Mietverhältnis kündigen, wenn der Mieter trotz Abmahnung die Mitmieter des Anwesens nachhaltig stört oder durch sein Verhalten andere gefährdet oder sich sonst vertragswidrig verhält. Kündigt der Vermieter den Mietvertrag nach 6.3), verfällt der Mietpreis.
6.4 Bei Vertragskündigung aus vorgenannten Gründen gehen Mehrkosten aus erhöhten Rückbeförderungskosten zu Lasten des Mieters.

7. Haftung des Vermieters
Der Vermieter haftet im Rahmen seiner Sorgfaltspflicht
7.1 für die sorgfältige Auswahl und Überwachung der Beauftragten für das Mietobjekt.
7.2 die Richtigkeit der Leistungsbeschreibung
7.3 die ordnungsmäßige Erbringung der vertraglich vereinbarten Vermietungsleistung.
Eine Haftung für gelegentliche Ausfälle bzw. Störungen in der Wasser- und/oder Stromversorgung wird ausgeschlossen.
7.4 Die Haftung des Vermieters für Schäden, die nicht Körperschäden sind, ist auf den anteiligen dreifachen Mietpreis der geschädigten Person beschränkt, soweit der Schaden des Mieters weder vorsätzlich noch grob fahrlässig herbeigeführt wurde oder soweit der Vermieter einem dem Mieter entstandenen Schaden alleine wegen eines Verschuldens eines Beauftragten des Vermieters verantwortlich ist.
7.5 Der Vermieter haftet nicht für Diebstahl oder Verlust, die während oder in Folge eines Aufenthaltes erlitten werden.
7.6. Der Vermieter haftet nicht für defekte oder außer Betrieb gestellte technische Geräte, soweit ihm diese nicht bekannt waren oder bekannt gemacht wurden. Er muss nach Bekanntwerden für schnellstmöglichen Ersatz sorgen.

8.0 Haftungsauschluss
Der Vermieter haftet nicht für Unbequemlichkeiten oder Belästigungen, die außerhalb seiner Verantwortlichkeit oder durch Dritte verursacht werden.

9. Mitwirkungspflicht, Gewährleistung, Ausschluss von Ansprüchen, Verjährung
9.1 Sie sind in Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen verpflichtet, bei eventuell auftretenden Leistungsstörungen alles Ihnen Zumutbare zu tun um zu einer Behebung der Störung beizutragen und eventuell entstehenden Schaden gering zu halten oder zu vermeiden.
9.2 Daraus ergibt sich insbesondere die Verpflichtung, Beanstandungen unverzüglich anzuzeigen. Kommen Sie schuldhaft dieser Verpflichtung nicht nach, so stehen Ihnen Ansprüche insoweit nicht zu. Ein schuldhaftes Unterlassen liegt z.B. nicht vor, wenn Mängelanzeige und Abhilfeverlangen unzumutbar sind, wenn ein Fall von Unmöglichkeit gegeben ist oder wenn Mängelanzeige bzw. Abhilfeverlangen schuldlos unterlassen werden. Wenden Sie sich für Abhilfeersuchen unverzüglich, per Telefax, e-mail oder telefonisch an den Vermieter oder den Ihnen von uns genannten Beauftragten vor Ort damit geeignete Maßnahmen ergriffen werden können, die Beanstandung zu überprüfen und gegebenenfalls die Leistungsstörung zu beseitigen oder Ersatz zu stellen.
9.3 Die Beauftragten/Schlüsselhalter haben keine Befugnis, Ansprüche anzuerkennen oder rechtsverbindliche Erklärungen abzugeben und/oder entgegen zu nehmen.
9.4 Ansprüche wegen vertraglich nicht erbrachter Vermietungsleistungen können sie innerhalb eines Monats nach Ablauf der vertraglich vereinbarten Mietzeit gegenüber dem Vermieter nur schriftlich geltend machen.


10. Pflichten des Mieters

Die Ferienwohnung darf nicht mit mehr Personen bewohnt werden, als angemeldet sind. Der Vermieter darf überzählige Personen abweisen. Die Mieter müssen die Ferienwohnung sowie deren Einrichtung sorgfältig behandeln und etwaige Schäden sofort dem Vermieter melden. Dieser kann Schadenersatz verlangen. Das gilt auch für nachträglich festgestellte, vom Mieter verursachte Schäden.
10.1. Die Kaution für die Ferienwohnung beträgt 100€ für die gesamte Mietdauer. Zahlbar ist diese Kaution spätestens bei der Schlüsselübergabe des Ferienobjekts durch den Schlüsselhalter/Vermieter.
Sollten nach Beendigung des Mietzeitraums keine Schäden an dem Wohnobjekt festgestellt worden sein, die durch den Mieter verursacht wurden, erhält dieser die Kautionssumme in vollem Umfang bei seiner Abreise zurück.
Bei aufgetretenen Schäden oder Verlusten an dem Mietobjekt verfällt die geleistete Kaution und eventuelle Mehrkosten zur Schadensbehebung werden dem Mieter separat in Rechnung gestellt.

11. Abtretungsverbot.
Eine Abtretung von Ansprüchen gegen den Vermieter an Dritte, auch Ehepartner und Verwandte ist ausgeschlossen. Ebenso ist eine gerichtliche Geltendmachung von Ansprüchen des Mieters durch Dritte in eigenem Namen unzulässig.

12. Salvatoresche Klausel

Die Unwirksamkeit einzelner Bestimmungen der Mietbedingungen hat nicht die Unwirksamkeit der gesamten Mietbedingungen zu Folge.

Montag, 3. November 2008

Die wahre Geschichte von Murtalblick

Charly H. Dim

Die wahre Geschiche von Murtalblick
Balkan direkt vor der Haustür

Inhaltsangabe:

Vorwort
Ein Betrüger mit blütenweißer Weste
Küß die Hand, Herr Direktor
Die Siedlung wächst
Ein Segelboot für den Herrn Hofrat?
Ein Konto in Liechtenstein
Nebelscheinwerfer gegen Grundbucheintrag
Wir harren der Prüfer
An der Himmelspforte
Beim Generaldirektor zum Cognac
Etwas außerhalb der Legalität
Liechtensteiner Polka
James Last in der Steiermark
Der Vergleich
Wenn man Freunde hat
Nachwort
Personen dieser Handlung


Vorwort
Gleich zu Anfang - alles hat sich so zugetragen, wie es hier beschrieben wird. Nichts ist hinzugefügt, aber manches ausgelassen worden.
Warum?
Das ist mir selbst oft nicht ganz klar geworden, aber es ist wahrscheinlich besser so, für die Betroffenen und den Verfasser.
Die Namen sind „leicht“ verfremdet, aber eben nur leicht, mit Ausnahme der Namen der handelnden oder nicht handelnden Politiker. Die müssen sich an ihren Taten messen lassen, dabei nicht nur an ihren weltgeschichtlich bedeutsamen, sondern vor allem an den kleinen, menschlichen. Und versagen sie an letzteren, erleiden sie auch an ersteren Schiffsbruch.
Und der Mantel des Vergessens...
Inzwischen sind viele Jahre vergangen. Trotzdem schwingt manchmal eine leise Bitterkeit mit. Das ließ sich nicht ganz vermeiden trotz aller aufgewandten Mühe. Ein wohlmeinender Lektor empfahl einen positiven Ausgang zu gestalten.
Heile Welt!
Aber so war sie nicht und so ist sie nicht, diese unsere einzige Welt.
Deshalb auch keinen Dank an Personen. Sie spielten die Rollen, die sie spielen wollten - oder sogar mußten, recht oder schlecht.
Und nun, ehe Sie mit dem Lesen beginnen, schließen Sie für einige Minuten die Augen und lassen Sie sich in ein Land führen, das Sie aus einer ganz anderen Perspektive zu kennen glauben.

Charly H. Dim
November 2008


Ein Betrüger mit blütenweißer Weste

„Vor uns steht ein Betrüger mit blütenweißer Weste!“ Eine wahrhaft gelungene Eröffnung der Urteilsbegründung durch den Vorsitzenden der Großen Strafkammer, die von seinen vier Beisitzern mit zustimmendem Kopfnicken unterstrichen wird.
Und doch wenig tröstend. Ich kenne das Urteil bereits seit einer Stunde. Wir haben es ausgekungelt. Mehrfach an diesem Vormittag hat mein Anwalt mit dem väterlich wirkenden Vorsitzenden ohne mein Beisein konferiert. Ich muss dem Ergebnis zustimmen. Mir bleibt keine andere Wahl. Als mein Anwalt, Dr. Libow, mit mir in mehreren Gesprächen meine Verteidigung vorbereitet, zeichnet er den Ausgang dieses Prozesses in leuchtenden Farben.„Einen Freispruch mit Pauken und Trompeten werden wir erreichen. Die Anklage steht auf sehr wackligen Füßen. Wenn ich mir die Buchhaltungsunterlagen betrachte, die wir neu erstellt haben, so werden die Herren Staatsanwälte keinen Fuß auf den Boden bekommen.“
Als er jedoch feststellt, dass meine Aussage stimmt, dass ich all mein Privatvermögen zur Rettung einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung in Österreich eingesetzt habe, bezieht er die Einschränkung „beschränkt“ vollständig, aber unausgesprochen auf mich. Sein Engagement wird schwächer, seine Siegeszuversicht verrauscht. Er wirkt von Termin zu Termin müder, seine Zeit wird kostbarer, je näher der Prozesstermin rückt.
„Andere Klienten in ähnlicher Lage deponieren vorher in meinem Tresor einen Betrag von mindestens 50.000 DM. Denn eine engagierte Verteidigung kostet eingestandenermaßen doch etwas mehr als das normale Honorar. Ohne Mus´ kein Jus’, heißt mein Motto. Lassen wir also den Verhandlungstermin herankommen. Es ist ja wohl auch alles Wichtige besprochen.“
Doch wenn die Schilderung meiner Person zuträfe, könnte ich auf meine kriminelle Intelligenz stolz sein. Dann hätte ich bestimmt den Bauerhof im Schwarzwald, wie einer der Zeugen vermutet und säße nicht vor den Schranken dieses Gerichts. Dann wüsste ich, wie ich meinen Rechtsanwalt bezahlen könnte. So habe ich wieder einmal die letzten Scheine für das Benzingeld zusammengesucht, um heute auf diesem harten Stuhl Platz zu nehmen.
Bei der Lektüre dieses Aktenordners sehe ich sie leibhaftig vor mir, die Freunde, Mitgesellschafter, anderen Geschäftsführer, Handwerker, Bauunternehmer, Beamte, Rechtsanwälte und Notare, Staatssekretäre und Minister, alle die, mit denen ich während unseres riesigen ‚Millionengeschäftes’ in Österreich zusammengetroffen bin.
Wenn die Aussagen stimmen, so bin ich ein Meister im Täuschen meiner Mitmenschen. Dann habe ich ohne fremde Hilfe, allein auf mich gestellt, gegen alle diese Zeugen, die mit dem Projekt „Murtalblick“ in irgendeiner Form befasst waren, eine Glanzleistung vollbracht. Ich habe sie alle hintergangen.
Eine wirklich hervorragende Leistung, wenn man es von meiner Seite sieht. Einziger Schönheitsfehler - der heutige Tag.
Links von mir, abgesetzt von der Anklagebank, blättert der Staatsanwalt in seinen Akten. Er hat den Fall von einem Kollegen übernommen und die Unterlagen nur oberflächlich bearbeitet. Unsicher stellt er fest: „Der Angeklagte steht heute vor Gericht wegen Konkursvergehens und schweren Betrugs in zwei Fällen.“
Vom Eingang, oder hier besser vom Ausgang her verfolgt ein Wachtmeister aufmerksam und in korrekter Haltung die Verhandlung. Und neben mir gähnt ein müder Anwalt, fortwährend seine Uhr kontrollierend, von Zeit zu Zeit das Honorar durch den Zeitaufwand teilend und so seinen Stundenlohn errechnend. Er wirkt übernächtigt, hat tiefe dunkle Ringe um die Augen - Autoreifen. Dennoch fällt es mir schwer zu glauben, er habe meinetwegen die vergangene Nacht schlecht oder gar nicht geschlafen.
Aber da schreibt noch die Gerichtsreporterin der wohl größten überregionalen Tageszeitung der Bundesrepublik auf den Rängen.
„Dahinter steckt bestimmt ein kluger Kopf“ wirbt dieses Blatt. Wenigstens ein Zweispalter wird sich mit mir beschäftigen.
Es sollte ein Dreispalter werden, noch dazu ganz oben als Aufmacher - wenn auch nur auf der dritten Seite.
Auf der Regionalseite „Zwischen Rhein und Main“ werden Hunderttausende meine Story lesen und sich ihre Meinung bilden. Fürwahr ein rechter Trost!
Aber noch ist es nicht soweit. Und was die Kollegin schreibt, legt Sie vorläufig nur in einigen kurzen Notizen nieder.
Zum ersten Mal sitze ich als Angeklagter zu Füßen eines Gerichts, dazu gleich wegen Konkursvergehens und schweren Betrugs.
Ich habe Gelegenheit, die deutsche Strafprozessordnung und die untrennbar mit ihr verbundene Sitzordnung zu bewundern, diesen Anachronismus längst vergangen geglaubter Zeiten, dieses Relikt des Obrigkeitsstaates, dessen sich neunzehntel unserer Bevölkerung nie im Leben bewusst wird. Warum führen sie nicht Schulklassen in solch einen Gerichtssaal? Warum kümmern sich unsere Demokraten nicht um diese aus einer fernen Zeit überkommene Prozedur?
Oder sind diese Zeiten gar nicht so fern? Unten der Angeklagte, noch nicht überführt, aber ganz klein und winzig, gezwungen, den Blick nach oben zu richten, empor zu seinen Richtern, die in schwarzen Roben gleichsam unheildrohend über ihm thronen. In ihrer Kleidung von ehegestern, nur die Perücken fehlen und das Puder. Die Schrift eines Spruchbandes aus der Studentenbewegung der sechziger Jahre steigt in mir auf: „Unter den Talaren - Muff von tausend Jahren.“
Die erste Beschuldigung wird sofort fallengelassen, wegen Geringfügigkeit. Die Begründung rauscht an mir vorüber.
Desto schwerer wiegt der zweite Teil der Anklage. Der Vorsitzende, nachdem er mit mir ein letztes persönliches Gespräch unter vier Augen geführt hat, stellt fest, ich habe mit einem anderen Geschäftsführer zwei Wechsel über fünf Millionen Schillinge unterzeichnet, die zum Fälligkeitsdatum nicht eingelöst werden konnten und deshalb geplatzt seien. Das sei Betrug.
Auf meine Entgegnung, dass dann alle Gefängnisse der Bundesrepublik allein für diese Verfehlung reserviert werden müssten, hält er mir die dafür geschaffenen Paragrafen vor. Meine Vorhaltung, dass uns unsere Kunden ja noch mehr als die zehnfache Summe schulden, und dass wohl niemand einen Wechsel unterschreibe, wenn er das Geld bar in der Schublade habe, beantwortet er in schwer verständlichem Juristendeutsch.
Quintessenz: Wenn die Kunden gezahlt hätten, wäre es zu keiner Anklage gekommen. Sie haben aber nicht!
Unfassbar für Nichtjuristen, aber wohl eine Konsequenz geltender Gesetze.
Der Staatsanwalt liest die wenigen Seiten der Anklageschrift herunter. Eine Pflichtübung, weiter nichts. Mir kann dies gar nicht recht sein. Ich darf mehr als volle zweieinhalb Stunden darüber berichten, wie sich unser Projekt „Murtalblick“ entwickelte. Als Alleinunterhalter, höchstens unterbrochen vom Vorsitzenden, der manchmal nachfragt und, wie ich bald bemerke, mir dabei keinesfalls übel will. Im Gegenteil, er gibt mir Chancen, meine Worte besser zu wählen und dabei vorsichtiger und exakter als beim ersten Mal zu formulieren.
Überhaupt wird spürbar, dass sich das Klima langsam zu meinen Gunsten verändert. Die Blicke der Richter werden freundlicher. Ihre Fragen manchmal sogar hilfreich. Auf Anraten meiner Frau habe ich Fotos unserer Feriensiedlung zu den Akten genommen. Als diese beim Blättern in meinen Papieren wie zufällig auf den Tisch fallen, kommt die Frage des Vorsitzenden: „Haben Sie Fotos dabei?
Ein Beisitzer hakt nach: „Ja, stehen denn überhaupt einige dieser Ferienhäuser?“
Alle fünf Richter und der Staatsanwalt studieren die bunten Bilder und Prospekte. Zustimmung wird laut. Ich fühle die ersten freundlichen Blicke.
Meine Frau hatte den richtigen Riecher. Alle waren bis zu diesem Augenblick der Meinung, wir hätten lediglich Gelder kassiert, dafür aber keine Leistungen erbracht.
Mein Anwalt hüllt sich in Schweigen. Allein sein Kopfnicken scheint mir zu bestätigen, dass er der Verhandlung noch folgt. Es könnte sich aber hier auch um eine durch jahrzehntelange anwaltliche Tätigkeit erworbene Eigenschaft handeln. Sicher hat er ausgerechnet, dass er für die Hälfte seines Honorars genug getan habe und hebt sich den Rest seiner veranschlagten Anstrengungen für sein Schlussplädoyer auf. Ich kann nicht sagen, dass ich dies bedauere. Wenn ich den Prozess voll durchziehen will, werden mir Kosten von über 100.000 DM entstehen, da die meisten Zeugen aus Österreich anreisen müssen. Die Kosten für Übernachtungen und Verdienstausfall könnten diesen Betrag aber auch noch weit übersteigen. Der Vorsitzende verhehlt mir aber nicht, dass er ganz gern einmal einen leibhaften österreichischen Minister auf der Zeugenbank hätte. Ich vergesse, ihn zu fragen, ob er dies aus Imagepflege tue oder wegen der von Jahr zu Jahr ansteigenden Kosten für seinen Winterurlaub.
Wenn ich das Urteil aber annehme, würde es glimpflich ausfallen und auf Bewährung ausgesetzt. Wir könnten damit heute noch zu einem Ende kommen. So der Vorsitzende. Für die Verhandlung seien ansonsten circa vierzig Tage angesetzt.
Wieder wird die Sitzung für eine Stunde unterbrochen. In einem Cafe in unmittelbarer Nähe des Gerichtsgebäudes rät mir mein lustloser Anwalt, auf den Vorschlag des Gerichts einzugehen:
Die Chancen stehen fifty-fifty.“
Es geht bereits stark auf Mittag zu. Sein Magen knurrt. Er beruhigt ihn mit einem Stückchen Schwarzwälder Kirschtorte. Nicht gerade phantasierreich!
Die Entscheidung fällt mir nicht schwer. Wie sollte ich die Kosten jemals zurückzahlen? Die Belastungen für die kommenden Jahre kann ich meiner Familie nicht auch noch aufbürden.
Ich spüre verstärktes Wohlwollen. Aber unter das bereits festgesetzte Strafmaß könne man nicht gehen, meint nun auch der Staatsanwalt. Eineinhalb Jahre Gefängnis, ausgesetzt auf drei Jahre Bewährung, zuzüglich einer Geldstrafe von 10.000 DM, zahlbar an den Hermann-Gmeiner-Fond. Das sei das äußerste, was er anbieten könne.
Anbieten, hat er gesagt.
Mein Vertrauen an das wirtschaftliche Denken der Juristen hat bereits einen starken Knacks in den vergangenen vier Jahren erhalten. Dies hier kann mir nichts Neues bieten. Ich werde nicht den Versuch unternehmen, einem Staatsanwalt und dem Gericht einen Sachverhalt darzustellen, wie er sich täglich unzählige Male im praktischen Leben ereignet. Urteil - und nichts wie raus!
Gebunden an antiquierte Gesetze, gefangen durch oft jahrzehntelangen Dienst und eingetaucht in oft wirklichkeitsfremdes Denken, wer kann da noch aus fest geformten Klischees ausbrechen? Wenn Justitia mit verbundenen Augen über die Rechtssprechung wacht, warum soll dann ein beamteter, unkündbarer, nicht an Weisungen gebundener Vertreter der dritten Gewalt die Augen offen halten?
Unter ganz anderen Voraussetzungen hatte alles seinen Anfang genommen, damals, im Februar 1970.
Es war eine Schnapsidee, wie man so sagt. Nein, es war sogar Schnaps im Spiel, viel Schnaps und noch mehr Äthylalkohol in allen gängigen Formen.
Wir weihen eine Kläranlage ein, die von mehreren Gemeinden gemeinsam geplant, gebaut, und nun am heutigen Nachmittag ihrer Bestimmung übergeben werden soll. Und da sie als Gemeinschaftsobjekt einmalig dasteht, sogar eine Kommune eines anderen Bundeslandes hat sich angeschlossen und dazu wurden die Kanalrohre unter dem Mainbett verlegt, wird ein leibhaftiger Staatssekretär mit seiner Anwesenheit die Feierlichkeit verschönern.
Am frühen Morgen stellen die Klärwärter jedoch fest, dass eine Färberei ihr Abwasser eingelassen hat. Tiefrosa, im geklärten Zustand. Nein, Das darf nicht sein. Politiker sind erfinderisch, auch Kommunalpolitiker. Die Ventile werden geöffnet, die rote Brühe fließt in den Main. Das Klärbecken aber wird mit reinstem Leitungswasser gefüllt.

Der Herr Staatssekretär kann kommen.

Und er kommt. Eilfertig reißt der Herr Bürgermeister die Tür des Nobelautos auf. Beschwingt eilen beide zum Ort der weihevollen Handlung. Es ist Freitagnachmittag. Auf beide Leuchten warten, wie sie sagen, weitere wichtige Termine und Verpflichtungen, wahrscheinlich aber die Familie.
Nun, dafür haben wir Verständnis. Ich bin als Stadtverordneter in diese Abwasserversammlung delegiert. Und während wir das Lachen kaum unterdrücken können, wir, die wenigen Eingeweihten, lobt der Herr Staatssekretär die Oualität des gereinigten Abwassers.
Vorsichtig trinkend probieren die Architekten. Der Herr Staatssekretär: „Hervorragende Trinkwasserqualitätl! Diese Neuentwicklung ist eine Bereicherung und ein ungeheurer Fortschritt der Abwassertechnik.“ Seine Lippen schmatzen, sein weißer Backenbart unterstreicht hüpfend die Seriosität seiner Aussage.
Kunststück!
Der Unterschied zwischen der Kostprobe aus diesem Klärbecken und dem Teewasser in irgendeinem Glas bei irgendeinem Einwohner der vier angeschlossenen Gemeinden besteht lediglich im Gefäß.
Alle Eingeladenen begeben sich anschließend ins Bürgerhaus, wo der Vorsitzende der Verbandsversammlung das kalte Buffet zur Vernichtung freigibt. Eine Herde Schweine hätte die Tische nicht anders verlassen können. Beobachter sind versucht, an eine bevorstehende Hungersnot zu glauben.
Aber nach drei Stunden verlaufen sich die Gäste. Das anbrechende Wochenende fordert seinen Tribut.
Übrig bleibt wie immer der harte Kern. Einige Unentwegte, die bei Bier, Wein und viel Schnaps in gelöster Atmosphäre gemütlich beisammensitzen, quer durch alle Parteien. Dazu einige trinkfeste Bürgermeister. Einer davon hat seine Liebe zu Österreich entdeckt. Er erzählt von einem beabsichtigten Besuch in der Steiermark. Vor einer Verschwisterungsfeier wollen seine Gemeindevertreter der künftigen Partnergemeinde einen Besuch abstatten und die letzten Modalitäten besprechen. Zu Ostern sei es soweit. „Fahrt doch mit. Es sind nur 740 Kilometer.“
Bert hat den steirischen Bürgermeister während des vergangenen Europäischen Gemeindetags in London kennen gelernt, als er sich beim Empfang in der Prince-Albert-Hall am langen Tresen festhielt. Otmar Hahn hatte sich an diesem für viele Mitmenschen schönsten Platz ebenfalls standhaft behauptet. Eine Art Seelenverwandtschaft wollen beide festgestellt haben. Da wurde die Partnerschaft sofort beschlossen und begossen, Entschuldigung, besiegelt. Und deshalb nun heute diese Einladung.
Einige Wochen später überqueren bei schönstem Wetter vierzehn Personenwagen die Alpenpässe ins grüne Herz Österreichs, vorbei an Salzburg, an den Ufern des Mondsees und Wolfgangsees entlang, über den Pötschen- und den Hohentauern-Paß. Ein langer Tag schenkt immer neue Eindrücke.
Nach neun Stunden Fahrzeit wird die Delegation auf dem Hauptplatz empfangen. Blasmusik spielt. Mir fällt zum ersten Mal auf, dass die Österreicher einen Marsch gleichsam in Straußscher Manier wie einen Walzer darbieten. Durch stetige Veränderung des Tempos verliert jeder Marsch das militärisch Preußische. Der Melodienreigen verführt zum Tanzen. Nichts da von hartem, exaktem Takt und unüberhörbarem Marschtritt der Knobelbecher. Es klingt nach Kamerad Schnürschuh, wie die Österreicher von den ehemaligen deutschen Soldaten des Zweiten Weltkrieges etwas abschätzig genannt wurden. Getreu ihrem Wahlspruch: „Tapfer sam mer net, aber fesch sam mer.“
Mädchen im Bauerndirndl schenken unsere Gläser immer wieder randvoll und lassen keine Entschuldigung gelten. Unsere Gastgeber halten tapfer mit.
Zirbengeist, Bauerschnaps, Bier und Wein.
Die Industriegemeinde liegt etwas abseits der heutigen Touristenströme, wird vom Fremdenverkehr vergessen und links liegengelassen.
Aber bereits vor zweitausend Jahren haben die Römer an der alten Salzsstraße hier ein Kastell erbaut, von dem Reste noch erhalten sind. Die Ruinen dreier Burgen grüssen von den Bergen und betonen, wie wichtig diese alte Handelsstraße einst für die Versorgung mit dem lebensnotwendigen Salz und für den Transport von Erzen aus den umliegenden Kupferbergwerken war.
Alle bemühen sich rührend um die neuen Freunde. Nur drei Gasthöfe zählt der Ort. Aber es scheint keine Schwierigkeiten zu bereiten, Privatquartiere in ausreichender Zahl zur Verfügung zu stellen. In der schmucken Uniform der österreichischen Gendarmerie dirigiert der Postenkommandant das Geschehen und in kurzer Zeit sind alle Hessen untergebracht.
Otto Müller kommt sein ausgezeichnetes Organisationstalent zugute, das wir später noch öfters bewundern sollten. Ehrenamtlich steht er auch dem Fremdenverkehrsverein vor.
Er küsst den Damen die Hand, die trotz eines milden Lächelns deutlich zu erkennen geben, dass sie diesen alten höfischen Brauch seit Jahrzehnten im nüchternen Alltag „draußen“ in Deutschland vermisst haben.
Emanzipation her oder hin!
Otto kennt alle Fremdenzimmer und weist seine Gäste durch kurze Erläuterungen auf kleinere Mängel hin. Er erklärt immer von neuem, dass man erst auf dem Wege zur Fremdenverkehrsgemeinde sei und bald auch die letzten Unzulänglichkeiten beseitigt habe.
„Bei Eurem nächsten Besuch wird hier manches anders aussehen.“
Sein „Küss die Hand“ und „Meine Gnädigste“ helfen so über manche Enttäuschung hinweg und schaffen vom ersten Augenblick an eine herzliche, vertraute Atmosphäre.
Ihm steht der Bürgermeister in nichts nach.
Ein Charmeur!
Gleichmäßig verteilt er seine Komplimente an alle weiblichen Mitglieder der Delegation. Jeder der Damen vermittelt er so den Eindruck, sich um sie in besonderem Maße zu kümmern.
Mir wird bald klar, dass sich in London zwei wesensgleiche, verwandte Seelen, zwar nicht gesucht, aber gefunden haben. Otmar, der Österreicher, und Bert, der Deutsche. Der eine sieht endlich eine Möglichkeit, Urlauber in seine Gemeinde zu locken und der andere wittert Berge, frische Luft und Abenteuer.
Beide scheinen ihr Ziel erreicht zu haben.
In den wenigen Tagen unseres Besuches ist aber kein Platz für Erholung. Vorträge, Konzerte, Heimatabende und Besichtigungen wechseln in schneller Folge. Die Termine jagen sich. Auch die geselligen Zusammenkünfte stressen die Besucher. Aber die liebliche Landschaft der Steiermark mit ihrem satten Grün, den weiten Wäldern, den unendlichen Wanderwegen und den anheimelnden Bergen, die keine Furcht erregen, sondern zum Besteigung einladen, zieht alle in ihren Bann.
Die ersten Freundschaften bahnen sich an. Urlaubstermine werden abgestimmt, Zimmer bestellt. Einladungen zu Jagdausflügen ergehen. Kleinere Gruppen machen sich unter Führung Ortskundiger selbstständig und erkunden nahe und fernere Gefilde.
Im abendlichen Gespräch mit Bürgermeister und Gemeindevertretern träumen einige bereits davon, sich ein Häuschen in dieser Gegend zu bauen.
„Hier möchte ich leben, wenn ich Rentner bin“, meint Karl.
„Warum erst dann?“ fragt Otmar Hahn, „baut Euch doch schon heute ein Ferienhaus. „“Das bringt unsere Gemeinden schnell näher. Und beim Kauf von Baugrund helfen wir Euch.“ Der Ort selbst verführt keineswegs dazu, sich hier niederzulassen, denn was den Einheimischen Brot und Arbeit gibt, stößt Urlauber ab - eine Papierfabrik. Fast jeder zweite ist hier beschäftigt. Die gewaltigen Holzberge und Fabrikgebäude passen nicht in das weite Tal. Und die Methode der Papiergewinnung lässt jeden Gast die Nase rümpfen.
Wenn der Bürgermeister auch erklärt, dass dieser Geruch nur bei ungünstigem Wind den Ort einhüllt, steht doch bereits in der Bibel, dass der Wind weht, wo er will. Warum sollte er das nicht auch hier tun?
Aber in den zahlreichen Nebentälern finden sich kleinere Siedlungen und einsame Bauergehöfte. Hier lädt die Umgebung geradezu ein, sich niederzulassen. Otmar wacht eifersüchtig darüber, dass unsere Sehnsucht sich innerhalb seiner Gemeindegrenzen hält.
Fremdgehen ist nicht.

Als Mann der Tat serviert er uns schon am Ostermontag einen Landwirt, der bereit ist, Baugrund abzugeben - gegen harte DM. Und am gleichen Abend erscheint er wieder mit einem älteren, würdig wirkenden Herrn, der eine Vorliebe für Campari mit Soda und Fernet Branca zeigt.
„Unser Notar Dr. Karl Boden.“ stellt er ihn vor. Er sucht eben das Eisen zu schmieden, solange es warm ist, der Herr Bürgermeister.
Dieser Notar hat in der großdeutschen Wehrmacht gedient, fährt es mir durch den Sinn. Er schlägt die Hacken zusammen, drückt das Kreuz durch, sieht mir mit hartem, durchdringenden Blick fest in die Augen, presst meine Finger zusammen wie in einem Schraubstock und verteilt Handküsse an die Damen. Seine Stirn wird von einer tiefen Narbe verunstaltet, die von einer Verwundung herrühren könnte.
Kopfschuss?
Einige Zeit später erfahren wir, dass er, wie so mancher Österreicher gleich nach der Machtergreifung seines Landsmannes Schickelgruber alias Hitler zu Anfang des Jahres 1933 ins Reich gezogen, um Volk, Führer und der großdeutschen Idee zu dienen und erst nach Kriegsende in seine Heimat zurückgekehrt ist. Ein rechter Deutscher, vor allem, so scheint es, ein rechter.
Otmar preist ihn als ausgefuchsten Notar, der auch für die Gemeinde arbeite und überhaupt für diese Region zuständig sei. Wir erkundigen uns nach den rechtlichen Voraussetzungen für den Grunderwerb in Österreich und werden belehrt, dass es hier in der Steiermark im Gegensatz zu den Bundesländern Salzburg, Kärnten, Tirol und Vorarlberg keine Beschränkungen für Ausländer gebe, dass aber mit einer Änderung der Bestimmungen gerechnet werde. Zwischen den beiden Staaten Deutschland und Österreich seien die dafür erlassenen Gesetze fast gleich, da sie noch aus der guten alten Zeit stammten.
„Also, bald zugreifen müssts“, drängt der Notar.
Zwei Tage später verabschieden wir uns mit dem Versprechen, bald wiederzukommen von unseren aufmerksamen Gastgebern.
Wir haben Informationen gesammelt. Unsere Partnergemeinde liegt ungefähr auf 800 Meter Seehöhe und kann im Jahr ebenso viele Sonnenstunden wie das schweizerische Davos vorweisen. Das Wetter wird von der Adria her beeinflusst und die nördliche Alpenkette hält kalte, nördliche Winde ab. Bereits vor über 2000 Jahren haben hier die Römer gesiedelt. Erze und Kohle machten den Reichtum der Steiermark aus. Die „Grüne Mark“ war die Heimat Peter Roseggers und, nicht zu vergessen, Erzherzog Johanns, des bei der Bevölkerung Unvergessenen.
Das steirische Industrierevier beginnt erst etwa fünfzig Kilometer weiter in der Gegend um Leoben.
Die frische, unverbrauchte Luft, angereichert durch den Sauerstoff der grenzenlosen Wälder hat uns tief durchatmen lassen.
Kein Wunder, dass alle von der grünen Steiermark schwärmen, von der Ursprünglichkeit der Natur und der Gastfreundschaft ihrer Menschen.
Schon wenige Wochen später beschließen wir mit einigen Freunden, unseren Urlaub dort zu verbringen. Im August 1971 sehen wir das Land wieder, an das wir unser Herz verloren haben. Wir haben viel Zeit mitgebracht und werden wie alte Freunde empfangen.
Ein kleines Tal hat es mir angetan, die Greith. Entdeckt haben es meine Frau Rosemarie und meine Mutter an einem Sonnabendmorgen. Zwei Kilometer von der Ortsmitte entfernt, abseits der Hauptstraßen, mit einem weiten Blick ins Murtal, hinunter auf die Bundesstraße 17, die Wien mit Klagenfurt verbindet, haben sich schon vor einigen hundert Jahren einige wenige Bauerhöfe in den Hang gekrallt. Sieben oder acht Häuser gesellten sich in den vergangenen dreißig Jahren hinzu.
Die schmale Zufahrt endet an einem Südhang neben einem uralten Gebäude aus grauen und roten Bruchsteinen, das zur einen Hälfte als Wohnhaus, zur anderen als Stall genutzt wird, der Hof von Toni Rieder, bucklig, mit krummen Mauern, halb in der Erde versteckt, das Holzwerk schwarz verwittert.
Drunten in der Niederung wallen weiß-graue Nebelschwaden wie ein weites, wogendes Meer. Über uns wölbt sich ein tiefblauer Himmel, den zarte Federwölkchen wie kleine Segelboote durchqueren. Ringsum Berghügel, bewaldet, durchsetzt mit saftigen, giftgrünen Matten.
Und auf der Wiese davor drei kleine bunte Bergkühe.
Einige Bauminseln und einzelne Fichten, gezaust von den Winterstürmen, oft mehr als zwanzig Meter in den Himmel weisend, schwarzgrün im seltsamen Kontrast zum Weideland.
Das ist es, was wir suchen. Abseits vom Verkehr und dennoch durch Blickkontakt mit der Welt verbunden. Die Autos erscheinen uns wie winzige Insekten, die in beide Richtungen flitzen, wie geschäftige Ameisen. Und hier oben eine Ruhe, die fast schmerzt.
Tonis Hof umfasst sechs Hektar Acker und Weide. Daran grenzen sieben Hektar Wald, Bauernwald, die sein Eigentum sind. Zum Leben zu wenig - zum Sterben zuviel. Er muss in der Papierfabrik als Holzkontrolleur arbeiten, während Resi, seine Frau, die Landwirtschaft besorgt.
Verkaufen wolle er, natürlich. Er denke an 21 Schillinge pro Quadratmeter. Das sei doch wohl nicht zuviel?
Drei ganze Deutsche Mark, das hört sich gut an und dazu Bauland in Hülle und Fülle. Wenn ich da an unsere Preise im Rhein-Main-Gebiet denke! Man müsste einige Freunde begeistern, dann könnte hier eine kleine Siedlung entstehen. Moderne Erschliessungsmaßnahmen würden dann erschwinglich und die Baukosten niedriger.
Ein kleines, braunes Holzhaus mit weiß verputztem Steinsockel duckt sich am Anfang des Hangs.
„Das hat ein Kriminalbeamter aus Tecklenburg gebaut, dessen Frau aus der Gegend stammt“, entgegnet Toni auf unsere Frage,
„Er will sich hier zur Ruhe setzen, wenn er pensioniert wird.“
Lange liegen wir dort, wo der Wind und der Regen den flachen Humus abgespült haben und lassen uns von den Sonnenstrahlen streicheln. Ich schließe die Augen und sehe die Häuschen vor mir, mit viel Holz, tiefroten Geranien auf den Balkonen, umgeben von Bäumen und Hecken, ohne Zäune, weit wie die Landschaft.
Am nächsten Morgen bitte ich den Bürgermeister, mich zu Toni zu begleiten. Wir setzen einen Vorvertrag auf, der mir eine Option auf ein Teilgrundstück von zwei Hektar für die Zeit von drei Monaten sichert. In dieser Zeit muss ich mich entscheiden.
Die restlichen Tage unseres Urlaubs vergehen wie im Flug. Wir zeichnen Pläne und vermessen das Grundstück, unser Grundstück, wie wir es bereits nennen.
Morgen müssen wir Abschied nehmen, aber die Trennung wird nur von kurzer Dauer sein. Noch einen Blick über den Hang hinunter zum Fluss, zur Mur. Heute zeigt sich kein Nebelfetzchen. Das Bächlein, das durch unser Grundstück fließt, murmelt und plätschert. Auf einem verwitterten Holzschild habe ich vor Jahren in Tirol einen Spruch gelesen, der mir hier wieder in den Sinn kommt: „Herr, wen Du lieb hast, las fallen in dieses Land.“
Ganghofer? Kitsch? Wen kümmert es in dieser Gemütslage.

Küß die Hand, Herr Direktor
Zuhause nimmt die Idee bald feste Formen an. Die Klimabelastung in unserem Raum erleichtert uns unsere Entscheidung. Die Chemiegiganten an Rhein und Main füllen den Kessel zwischen Spessart, Odenwald, Taunus und Vogelsberg mit ihren giftigen Abgasen und gefährden Gesundheit und Wohlergehen der Einwohner. Die von der unmittelbaren Nähe des Mains herrührende Feuchtigkeit erschwert häufig das Atmen.
Manchen Morgen überziehen Milliarden feinster Nebeltröpfchen den Lack der Pkws mit einer dünnen Schmutzschicht. Wir lernen das Wort „Smog“ lesen und schreiben, mit ihm leben aber wollen wir nicht - erscheint uns widerlich. Nicht nur wir beginnen über den Zusammenhang zwischen unserem Lebensstandard und dem dafür zu zahlenden Preis nachzudenken.
Wir erinnern uns der frischen Luft und der Sternenpracht des nächtlichen steirischen Himmels und suchen zu Hause vergeblich seine Vielfalt und Klarheit am Firmament.
Rosemarie, herzkrank, hat die Urlaubstage in den Bergen völlig beschwerdefrei verbracht. Ein Gespräch mit einem Spezialisten ergibt, dass eine Seehöhe von ca. 8oo Metern sich auf ihr Leiden sehr günstig auswirken kann. Einige Bekannte möchten gern mitbauen. Ein Nachbar, Zweigstellenleiter der größten deutschen Bank, interessiert sich stark für unser Projekt.
Rudi Pink, Maurerpolier mit Händen groß wie Schaufeln und gebürtiger Ostpreuße, der den Ausflug zu Ostern noch gut in Erinnerung trägt: „Dann bauen wir eben drei Häuser. Und die Ausführung und Bauaufsicht übernehme ich. Darum braucht ihr euch nicht zu kümmern.“
Er hat für uns schon mehrere Häuser gebaut. Auf ihn ist Verlaß.
Immer neue Baupläne entstehen. Dann legen wir uns fest. Ein Wohnzimmer von zwanzig , zwei Schlafzimmer von je dreizehn und eine Küche von sechs Quadratmetern Größe, dazu Bad und Flur. Und unterkellert soll das Ganze werden, um dieses Geschoß später vielleicht als zweite Wohnung ausbauen und nutzen zu können.
„Baugenehmigungen erteilt bei uns der Bürgermeister“, belehrte uns Otmar bei unserem letzten Besuch, „und wenn der will, kannst du auf dem Gipfel des höchsten Berges bauen. Wenn er sich aber dagegenstellt, hast du keine Chance, unmittelbar neben deinem Nachbarn zu bauenl“ Ganz so wird es wohl nicht sein, aber wir haben die volle Unterstützung der Gemeinde, denn Otmar will. Eine Statik wird nicht verlangt: „Erst wenn das Gebäude mehr als drei Stockwerke misst.“
Am Abend, an dem wir die Baupläne fertig gestellt haben, beschließen wir, uns zu belohnen. In einer gemütliche Kneipe bestellen wir Hähnchen vom Grill. „Dazu vier kühle Pils“, bestimmt Rudi, „das haben wir uns redlich verdient.“
Es bleibt nicht aus, dass wir den Wirt und seine Frau in unser Vorhaben einweihen. Herbert und Irma liebäugeln schon lange mit dem Gedanken, sich ein Ferienhaus in Österreich zu kaufen. Aber woher die Zeit nehmen!
„Unser Freund Helmut Kaiser kommt morgen zu uns. „Der baut bestimmt auch mit. „
Helmut, ein quirliger Vertreter aus der Holzbranche, den wir am nächsten Abend kennen lernen, bereist für eine Furnierfirma den hessischen und bayerischen Raum. „Wenn ihr mir Prozente zusichert, verkauf ich euere Häuser an meine Kunden. Der Preis ist günstig. Wir liegen gut im Markt. Ich weiß das, weil ich mich schon längere Zeit mit den Angeboten befasse.“ Auch die Baubeschreibung findet seine Zustimmung.
Zwei Tage später: „Drei Häuser sind so gut wie verkauft. Ich habe den Preis auf DM 65.000 festgesetzt. Allerdings müssen wir an einem der nächsten Wochenende nach Österreich fahren und das Grundstück besichtigen.“
Helmut hat den Kaufpreis eigenmächtig um DM 5.000 erhöht.
Uns kann das nur recht sein. Und ihn beflügelt unsere Großzügigkeit. Er erhält fünf Prozent des Verkaufspreises.
Wir verabreden, erst in zwei Wochen zu fahren. Das zahlt sich aus. Helmut meldet vier weitere Interessenten.
Auch Petrus freut sich über unser Vorhaben. Als wir nach zügiger Nachtfahrt am Sonnabendmorgen vor Tonis Klitsche zum Stehen kommen, erleben wir und unsere Mitfahrer einen seltenen Sonnenaufgang. Über dem Ranningerkogel blitzt und glitzert es und Minuten später streichelt die Sonne alles Lebendige mit ihren sanften, goldenen Strahlen. Tautropfen gleißen wie Brillanten und Smaragden.
Wir setzen uns auf die Bänke aus roh gehobelten Brettern vor das alte Gemäuer und lassen uns wärmen.
Resi und Toni bringen Geselchtes, Bauernwürste, Kren und selbstgebackenes Brot auf den Tisch, dazu Kaffee und Vogelbeerschnaps.
„Nach solch einer langen Fahrt hilft nur eine gute Jausen“, stellt Toni fest und füllt die Gläser. Bald ist die Müdigkeit wie weggeblasen. Über uns ein strahlendblauer Himmel, wenige Schritte neben uns der dunkle Wald. Stille ringsum, jetzt ab und zu unterbrochen von zahlreichen Vogelstimmen, die unser bald munteres Gespräch fröhlich untermalen.
Helmut kennt seine Kunden. ihre Verhältnisse und finanzielle Stärken. Er trifft eine Vorauswahl, wie er uns verrät. Alle sieben Interessenten unterschreiben einen Kaufvertrag, den uns der Notar zur Verfügung gestellt hat. In Österreich müsse nur die Unterschrift des Verkäufers beurkundet werden, so seine Auskunft.
In unserem Aufteilungsplan können sich die Kunden ihr Grundstück aussuchen. Sie erhalten Kopien und die Aufforderung, 20 Prozent des Kaufpreises auf das Treuhandkonto des Notars einzuzahlen.
Otmar, der Bürgermeister, freut sich aufrichtig über unseren Erfolg. Er spricht bereits von einer Feriensiedlung und ich muss versuchen, seine Euphorie zu stoppen. Aber Helmut sieht keine Schwierigkeiten: „Baut ihr nur, verkaufen werde ich.“ Er hat schon Untervertreter angeheuert. Wenn ich ganz ehrlich bin, der Gedanke an eine ganze Siedlung ist mir nicht unangenehm.
Wir beauftragen einen Geometer mit der Aufteilung des Gesamtgeländes in einzelne Bauplätze nach unserer Vorgabe und mit der Planung der Straßen. Ein Freund Otmars wird die Kanal- und Wasserleitungen verlegen. In drei Wochen will er die Angebote nach Deutschland bringen.
In der Zwischenzeit soll nach einer Quelle gesucht und ein Brunnen gefasst werden, denn für eine Siedlung schüttet Tonis Wasserader zu wenig. Wasser im Gebirge zu finden, ist nicht so einfach, wie wir feststellen müssen. Erstmalig kann ich Rutengänger bei ihrer Arbeit beobachten. Der Erfolg bleibt aus. Die aufgespürten Adern geben ihr für uns so notwendiges Nass nur tropfenweise ab. So haben wir zwar sieben Häuser verkauft, aber die Grundlage, die Vorraussetzung für deren Bau, das lebensnotwendige Trinkwasser, fehlt.
Ende Oktober kommt die ersehnte Nachricht: „Wasser auf Tonis Restgrundstück!“
Er tritt uns vertraglich die Wasserrechte ab. Wir garantieren ihm dafür kostenlosen Bezug für seine Familie.
So lauten auch die Absprachen für die Errichtung einer mechanischen und späteren biologischen Kläranlage, die ebenfalls auf seinem Grundstück entstehen sollen.
In dieser Zeit verspüren wir zum ersten Mal eine Art Gegnerschaft aus der Bevölkerung. Der Bruder eines ÖVP - Gemeindevertreters hatte uns ebenfalls ein Baugrundstück angeboten. Die ungünstige Lage, die Papierfabrik direkt vor Augen, veranlasste uns aber, sein Angebot abzulehnen. Außerdem lag seine Preisvorstellung weit über der unseres jetzigen Verkäufers, des Tonis. Trotzdem er sich uns gegenüber nichts anmerken lässt, stammen aus dieser Ecke die ersten abfälligen Bemerkungen über die „deitsche Siedlung“. Erste Kritik an einer Zersiedelung der Landschaft wird laut.
Neugierde treibt den zuständigen Bezirkshauptmann zu uns, der in der Bundesrepublik einem Landrat vergleichbar ist. Dr. Retzko, ein Grandseigneur der alten Schule, stets im dunklen Einreiher, immer mit Chauffeur, den er aber auch bei strengster Kälte vor der jeweiligen Gaststätte seinen Dienstwagen bewachen lässt. Alle meine häufigen Versuche, den Lenker des Pkws wenigstens ins Haus zu bitten, erregen den Unwillen seines Chefs, denn Abstand muss sein!

Man ist ja wer!

Der alte österreichische Ständestaat funktioniert noch tadellos. Eine für mich ganz neue Lebenserfahrung. Hier hat das Ende des Zweiten Weltkrieges, das Zusammenrücken der Menschen verschiedenster sozialer Schichten keine alten, in Jahrhunderten gewachsenen Strukturen aufzubrechen vermocht. Das gemeinsame Erleben des Flüchtlingselendes, der Verlust von Hab und Gut durch Vertreibung und Bombenterror bei Arm und Reich ist an den Österreichern vorbeigegangen. Hier hat sich Überkommenes sogar stabilisieren können. Eine Zäsur, wie es sie in der Bundesrepublik nach 1945 gab, die einem Volk zu einem neuen Zusammengehörigkeitsgefühl verhalf, ging an den „Befreiten“ vorüber.
Das „Warum“ interessierte mich.
Ehemalige Soldaten der deutschen Wehrmacht erzählten mir, dass die im Zweiten Weltkrieg auf deutscher Seite dienenden Österreicher nach 1945 von den Siegermächten viel früher als ihre deutschen Kameraden aus der Gefangenschaft entlassen wurden. Denn Österreich war von den Armeen Hitlers besetzt worden, war als Ostmark ins deutsche Reich „heimgeholt“ worden, war nach damaligem Verständnis der Siegermächte von ihrem eigenen Landsmann „überfallen“ worden.
Kaum zu glauben, wenn man sich des ungeheuren Jubels erinnert, den die Bevölkerung dieser Republik den deutschen „Besatzern“ in Wien bereitet hat. Alte Originalfilmaufnahmen können die Fernsehzuschauer fast alle Jahre wieder bewundern. Schwer verständlich, dass es sich bei den vielen Tausenden vor der Wiener Hofburg um herbeigekarrte Claqueure gehandelt haben soll.
Heute ist in Österreich keine Rede mehr davon, dass es ein geborener Österreicher war, der eine Welt in einen Krieg stürzte, der Abermillionen Menschen das Leben kostete. Deutsch-Österreichische Gemeinsamkeiten aus dieser Vergangenheit reichen bis weit in unsere Zeit, bis zu den Filbingers, Eichmanns und Waldheims.
In die ersten Wochen unserer Anwesenheit in unserer Partnergemeinde fällt auch ein eigenartiges Erlebnis. Durch die mannigfachen und oft ausgedehnten Verhandlungen kommen wir spät zum Abendessen in eine Gaststätte. Ich glaube, meinen Ohren nicht trauen zu können, als Einheimische, die uns mit Hallo begrüßt haben, das Horst-Wessel-Lied anstimmen. Der Text ist ihnen wohlbekannt, auch noch nach so vielen Jahren. Wir können Ihnen schwer begreiflich machen, dass sich für uns damit eine schreckliche Zeit verbindet, und dass wir auch in vorgerückter Stunde und angeheiterter Stimmung solche Reminiszenzen ablehnen.

Die Siedlung wächst
Nur mit Mühe können wir am Hubertustag, wenn gegen Abend die Jäger von der Jagd zurückkommen und sich auf dem Hauptplatz versammeln, ein Grinsen unterdrücken. Behängt mit allen Orden und Ehrenzeichen, mit und ohne Hakenkreuz, die lange Flinte geschultert, im grünen Rock, doch oftmals nur mit einem stinkenden Fuchs als Beute eines ganzen Tages, ziehen sie in Kompaniestärke vor das Rathaus.
Zuschauer finden sich genügend. Fackeln tauchen die alten Häuser, den Kirchturm und den Karner, eine uralte Begräbnisstätte, in gespenstiges Licht.
Bei einer Mobilmachung könnte die Republik Österreich auf eine Ausgabe von Waffen verzichten. Kaum einer, der nicht mindestens ein Gewehr im Schrank stehen hat, meistens deren mehrere. Ich erinnere mich an einen alten Rentner, der trotz seiner 77 Jahre und einer schweren Beinverletzung aus dem vergangenen Krieg bei keinem Jagdausflug fehlen durfte. Der alte Ofner, von so kleiner Statur, dass ihm der Flintenkolben bei jedem Schritt kräftig gegen die Kniekehlen schlug, so dass er durch die Wucht dieser Schläge regelmäßig einknickte, zwang die Jüngeren zu unzähligen Aufenthalten. Ging es bergauf, so wackelte er bald hundert Meter hinter den anderen her, die immer wieder auf ihn warten mussten, damit er den Anschluss nicht verlor. Aber die Leidenschaft packte ihn, sobald zur Jagd geblasen wurde. In seinem Schrank befanden sich sieben Gewehre, wie seine Söhne berichteten. „Aber nur für den eigenen Gebrauch!“ Bedauerten sie.
Unsere deutschen Gäste kaufen in den Waffengeschäften der weiteren Umgebung Gewehre, Pistolen und Munition, um sie in die Bundesrepublik auszuführen, vorbei an Zoll und Grenzpolizei.
Außerdem entwickelt sich mit der Zeit ein schwunghafter Privathandel. Für ein- bis zweitausend Mark erstehen sie ein Gewehr oder eine Pistole. Dabei werden auch ausgefallene Sonderwünsche berücksichtigt. Eine Flinte mit ziseliertem Lauf gefällig? Hier liegt der Preis höher. Eine doppelläufige Schrotflinte? DM 1 800. Revolver und Pistolen sind bereits ab sechshundert Mark zu haben.
Helmut Kaiser ist im Auffinden von „Sonderangeboten der Republik Österreich“ besonders findig.
Waffenscheine werden auch für deutsche Staatsbürger kurzfristig ausgestellt.
Wo? Fragt nur Helmut! Auf der Bezirkshauptmannschaft! Dort kennt Helmut bald jeden Beamten. Und jeder Beamte kennt den spendablen Herrn Kaiser.
Allerdings muss sich solch ein Kandidat dazu in Österreich mit seinem zweitem Wohnsitz polizeilich anmelden. Nicht wenige unserer Käufer nutzen diese Möglichkeit, nicht nur, um sich einen Waffenschein zu ergattern, den sie in ihrer Republik nie bekommen würden, sondern auch, um eine Daueraufenthaltsgenehmigung in ihren Pass stempeln zu lassen, die ihnen zu Hause, bei Freunden und Bekannten, erheblichen Prestigegewinn verspricht.
Auch hier werden die Deutschen wieder in zwei Kategorien eingeteilt, in solche, deren Genehmigung alle zwei Jahre erneut ausgesprochen wird und in solche, die stolz eine „Unbefristete“ vorzeigen können. Nach welchen Kriterien dabei ausgewählt und unterschieden wird, bleibt unerfindlich und Geheimnis der ausgebenden Beamten. Eine Aufenthaltsgenehmigung in einem neutralen Land! Da sollen die Russen doch kommen!
In Scharen ziehen unsere Neubürger, von Helmut genauestens instruiert, zur Gemeinde. Anlaufstelle ist natürlich der Bürgermeister, der seine deutschen Gäste bereitwillig an die maßgebende Stelle weitervermittelt, nicht, ohne mit jedem vorher einen Obstler oder ein Glas Wein getrunken und sie in den Fremdenverkehrsverein aufgenommen zu haben, der daraufhin einen enormen Aufschwung erfährt und in dessen Kasse es fortwährend klingelt.
Bald hat Helmut eine neue Lücke entdeckt. Auch Führerscheine sind in Austria äußerst schnell und preiswert zu bekommen. Sofort setzt ein Run auf die Zulassungsstelle ein. Ein oder mehrere Giro- und Sparkonten leistet sich sowieso jeder, eben ein Auslandskonto, als Non plus ultra oft sogar ein Nummernkonto!
Es beginnt die Zeit der Jäger und Sammler.
Mittlerweile haben wir Ausschreibungsunterlagen erarbeitet und an acht Baufirmen versandt. Adalbert Fleischer, ein Bau- und Betonbauermeister aus dem Rhein-Main-Gebiet, tritt als Gesellschafter und Geschäftsführer in die Gesellschaft ein. Adalbert ist ein Fachmann, wie wir meinen. Wenige Tage später reichen die angeschriebenen Firmen die Angebote zurück.
Baupreise, wie in Frankfurt auf der Zeil!
Und wir dachten, in dieser an Arbeitsmöglichkeiten nicht gerade reich gesegneten Gegend günstig bauen zu können! Es kommt zu harten Verhandlungen mit den einzelnen Unternehmern.
Die Deitschen san hart“, wird zum geflügelten Wort. Wir haben mit Bauarbeitern gesprochen, mit Maurern und Hilfsarbeitern. Ihr Verdienst liegt bei 21 bis 26 Schillingen pro Stunde! Das sind umgerechnet zwischen drei Mark und 3,80 DM.
Uns aber versuchen ihre Brötchengeber bis zu 280 und 320 Schillinge Stundenlohn, also das Zwölf- bis Vierzehnfache zu verrechnen. Wir sind nicht bereit, diesen Wucher zu akzeptieren. Die Verhandlungen ziehen sich einige Wochen hin. Endlich rückt Toni mit einem Geheimtipp an. Er hat sich inzwischen entschlossen, sein altes Wohnhaus abzureißen und eine kleine Pension mit Gasthaus an dessen Stelle zu setzen. Die zu erwartenden Einnahmen aus der Vermietung an Gäste und unsere Zahlungen harter DM beflügeln ihn. Sein Baumeister bietet sich an, auch unsere Häuser zu einem angemessenen Preis zu errichten.
Sofort wird mit dem Bau der obersten Reihe begonnen. Sechs Kellergeschosse wachsen empor, zwar langsam, aber stetig.
Zu dieser Zeit besuchen wir zu Dritt jedes Wochenende unsere Baustelle, verhandeln dort am Sonnabend und Sonntag mit den Handwerkern und kehren in der Nacht zum Montag in unseren Wohnort bei Frankfurt zurück. Jedes Mal 1500 bis 1600 Kilometer im PKW.
An einem Freitag, im Mai 1972, gebaut wird bereits seit einem Monat, frühstücken unsere Maurer länger als die Wochen vorher. Nach einer Stunde erkundige ich mich beim Polier, wann sie bereit wären, wieder Steine zu vermauern und ob überhaupt. Uns war der Gedanke gekommen, Österreichs Maurer könnten streiken - einfach nur wegen des schönen Wetters.
Wir wolln halt schon, aber der Herr Baumeister hat noch keinen Zement bracht!
Der Zement fehlt auch noch beim Mittagsläuten. Es bleibt mir nichts anderes übrig, als fünf Säcke mit meinem PKW zu befördern. Nun können unsere Maurer wieder mauern, aber nicht lange, dann gibt es keine Hohlblocksteine mehr auf dieser Baustelle.
Den Herrn Baumeister können wir nicht stören. Er spielt Skat mit seinesgleichen in einer Tankstelle.
Er hat uns im vergangenen Monat versprochen, auch seine anderen Kolonnen auf unserer Baustelle einzusetzen. Auf meine Frage, wann denn die übrigen Maurer kämen, verzieht sich das Gesicht seines Poliers zu einem breiten Grinsen: „Welche anderen Maurer? Es gibt keine anderen Maurer. Wir sind die einzigen.“
Wenn das stimmt, können wir hier noch acht Jahre bauen. Dann ist kein Ende abzusehen.
Wir schreiben erneut zehn Baufirmen an. Neue Angebote schneien herein, werden geprüft und schließlich zwei Baufirmen verpflichtet, die uns zusagen, als Arbeitsgemeinschaft zu arbeiten, die Arge Schreiner & Hüter.
Als Gesamtbauzeit sind zwei bis drei Jahre vorgesehen. Ein weitausladender Kran kann gleichzeitig für vier unserer Häuser die Materialien anliefern. Außerdem werden die Holzaufbauten in einem Zulieferbetrieb vorgefertigt und enorme Zeiteinsparungen möglich.

Küss die Hand, Herr Direktor!

Von Stund` an habe ich auch einen Titel, der Herr Direktor. Der Polier der neuen Arge erweist sich als ein höflicher Mensch. Er zieht den Hut, jedes Mal, wenn ich vorbeikomme und grüßt untertänigst: „Küss die Hand, Herr Direktor.“
Das hat mir gerade noch gefehlt. Ich versuche, ihn von dieser Anrede abzubringen, aber alle Hinweise fruchten nichts. Ich bin und bleibe der „Herr Direktor“. Für meine Familie ein immer neuer Grund der Heiterkeit.
Helmut Kaiser ist unermüdlich. Die ersten Häuser stehen vor ihrer Vollendung. Helmut verkauft weiter. Er vergibt Unterprovisionen, wie sich herausstellt. Von uns will er nur einen Teil der Provision, den Rest investiert er in Ferienhäusern. Wenn das so weitergeht, ist es billiger, ihn in die Gesellschaft aufzunehmen. Fast jeden zweiten Sonnabend ist er unterwegs nach Österreich, um neuen Kunden die Siedlung vorzuführen. Uns gehen die Baugrundstücke aus! Wir müssen erneut mit Toni verhandeln. Auch die Restfläche erwerben wir. Natürlich liegt der Quadratmeterpreis etwas höher als beim ersten Mal. Toni hat Blut geleckt. Wir aber können die Steigerung leicht verkraften, da die Maßnahmen für die Infrastruktur ihren Niederschlag im ersten Bauabschnitt gefunden haben.
Brunnen, Straße und Kläranlagen sind kostenmäßig bereits eingeplant.
Die Arbeiten gehen zügig voran.
Am 30. November erreicht mich der Anruf unseres Notars. Seine Stimme klingt äußerst erregt: „Ich benötige unbedingt alle noch ausstehenden Kaufverträge bis morgen früh. Den Grund kann ich Ihnen am Telefon nicht sagen. Es könnte sein, dass jemand mithört.“
Was konnte geschehen sein?
Auch eine sofort einberufene Krisensitzung der Gesellschafter und Geschäftsführer kann sich keinen Reim aus dem Anruf machen. Wir legen fest, dass Gerhard für die finanzielle Abwicklung, mein Bruder Dieter für Elektro-, Heizungs- und Sanitärinstallation, Adalbert Fleischer und Rudi Pionk für die allgemeine Bauausführung verantwortlich zeichnen sollen, während mir die Organisation und Koordination, sowie die Kontaktpflege zu Kunden und Baufirmen übertragen wird.
Keiner kann die kurzen Äußerungen des Notars deuten. Die Kaufverträge hat Dr. Boden ebenso formuliert wie die damit zusammenhängenden Treuhandverträge. Nach diesen Verträgen sollen die Käufer 40 Prozent bar auf ein Treuhandkonto des Notars einzahlen, der sich verpflichtet, einen Bausparvertrag über die Restsumme im Namen des Treugebers, also des Käufers abzuschließen. und aus dem Kaufpreis uns nach Baufortschritt auszuzahlen. Alles in allem eine korrekte Vorgangweise, die Käufern und Verkäufern den denkbar besten Schutz gewähren sollen.
So meinen wir.
Wir haben eine österreichische Gesellschaft mit beschränkter Haftung gegründet, eine GesmbH, wie das in schönsten Altösterreichisch so heißt. Das Haftungskapital sollten wir nicht so hoch ansetzen. meinte unser KuK - Notar. Da wir eine solch lupenreine Finanzierung hätten, sei dies vollkommen ausreichend.
Im Übrigen werde er sich streng an seinen Treuhandauftrag halten. Alle Finanzierungen seien gesichert und er werde nur nach Baufortschritt auszahlen.
Auch der Abschluss der einzelnen Bausparverträge sei gewährleistet.
Dies geschehe über seine Volksbank, die auch zwischenfinanziere.
Bestätigt werden diese höchstnotariellen Ausführungen durch ein eifriges Kopfnicken des Volksbankdirektors. Dr. Boden domiziliere ja ein Stockwerk über ihm. Damit sei eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit gewährleistet.
Wir waren schon vorher davon unterrichtet worden, dass der Herr Notar in Österreich eine Amtsperson sei, die der Republik verpflichtet sei und im Gegensatz zu seinen Kollegen des Landes Hessen - aus diesem Bundesland wir stammten - keinerlei rechtsanwaltliche Vertretung wahrnehmen dürfe. Er habe also „höhere Weihen.“
So in unserem Vertrauen gestärkt, wähnen wir uns bei Dr. Karl Boden in den besten Händen: „Ein echter Deutscher, an welchem kein Falsch ist!“
Noch in der Nacht lenke ich meinen PKW gen Süden. 720 km sind auch bei mäßigem Verkehr eine lange Strecke. Am Mondsee liegen schwere Nebelschwaden über dem schon heraufdämmernden Morgen. Beim Durchqueren von Bad Ischl reißt die Wolkendecke auf und als ich den Hohentauernpaß quere, meint es die Morgensonne besonders gut mit mir.
Dr. Boden erwartet mich bereits in seinem Büro, schließt die Verbindungstür und teilt mir in dürren Worten mit, dass die Österreichische Nationalbank(ÖNB) am 28. November, also am vergangenen Sonnabend, eine neue Kundmachung erlassen habe, die den Verkauf von Grund und Boden an Ausländer und die dafür benötigte Deviseneinfuhr in die Alpenrepublik vollkommen neu regele. Danach bedürften Grundstückskäufe der Genehmigung der Nationalbank, ebenso wie die Einfuhr der dafür benötigten Devisen.
„Nun gut, dann werden wir mit dem Verkauf der restlichen Häuser eben warten bis diese Kundmachung wieder aufgehoben wird oder bis eine andere Möglichkeit der Verwertung gegeben sein wird„, entgegne ich. Aber anscheinend habe ich einiges übersehen.
Die Sorgenfalten in des Notars Gesicht glätten sich nicht.
Das ist noch nicht alles.“
Mir schwant Böses.
„Es dürfen auch keine Bausparverträge mehr mit Devisenausländern abgeschlossen werden!“
„Da wir sowieso lediglich die bis heute verkauften Häuser bauen können, sind die durch die bisher abgeschlossenen Bausparverträge gesicherten Beträge vollkommen ausreichend“, versuche ich ihn zu beruhigen.
Seine Dackelfalten vertiefen sich zusehends. Fahrig wischen seine gebräunten Hände über seine Augen, um erst auf dem vor ihm liegenden Stoß der Verträge zur Ruhe zu kommen.
„Durch verschiedene Umstände habe ich bis zum heutigen Tage keine Bausparverträge abgeschlossen. Die Verträge sind zwar ausgefüllt, aber noch nicht eingereicht. Und dies ist seit Sonnabend auch nicht mehr möglich!“
Stille.
Der Schreck ist mir in alle Glieder gefahren. Ich spüre förmlich einen plötzlichen Schmerz in der Nierengegend. Adrenalin!
Kann das wahr sein?
Da stehen inzwischen sechzehn Ferienhäuser in den verschiedensten Baustadien, sind fast achtundvierzig Ferienhäuser verkauft, alle Versorgungsleitungen mit Ausnahme der Elektrokabel in die Erde verlegt, höhere Abschlagszahlungen geleistet und jedes Grundstück vermessen und versorgt worden und nun erklärt mir dieser kaiserlich-königlich-republikanische Amtsträger von Bruno Kreiskys Gnaden, der angeblich mit allen möglichen und unmöglichen Verträgen vertraut ist und mit allen Salben gesalbt sein soll, dass er es versäumt habe, die Bausparverträge, also die Grundlage unserer Finanzierung, rechtzeitig abzugeben.
„Das kann doch nicht wahr sein!“ Ich werde ausfallend und heftiger als ich will: „Wovon haben Sie denn dann die bisher fälligen Zahlungen an die Baufirmen geleistet?“
„Von den bisher eingezahlten Summen.“, erwidert er.
„Nein, die hätten Sie doch für die Zwischenfinanzierung der Bausparverträge nehmen müssen“, mir ist ganz flau im Magen.
„Der Herr Direktor Prommer von der Volksbank hat den Eingang der Gelder bestätigt, also kann ich sie für die inzwischen notwendigen Ausgaben benutzen. Außerdem habe ich mit den Käufern einen Treuhandvertrag und nicht Ihre Firma“, lautet seine Antwort. Er allein trägt die Verantwortung für die Gelder der Käufer und nicht unsere Gesellschaft oder ich, als nur einer der vier Geschäftsführer. Er ist im Recht. Trotzdem will ein höchst ungutes Gefühl nicht von mir weichen. Und von welchem Geld will er die Restfinanzierung sicherstellen?
Zum Abschied gibt mir der Notar noch den guten Rat, einmal abzuwarten, bis ihm die Kundmachung im Wortlaut vorliege:
„Wissen’s, bei uns in Österreich wird nichts so heiß gegessen, wie’s gekocht wird. überlassen Sie die weitere Abwicklung mir.“
Als ich an der B 17 im Vorüberfahren kurz zu unserer Siedlung emporschaue und die Konturen der Häuser sich gegen den grünen Hang abzeichnen sehe, ist mir klar, was Dr. Boden gemeint hat. Dieses Projekt scheint nicht mehr aufzuhalten. Es ist auch nicht vergleichbar mit den Betonburgen in Mitterndorf oder anderwärts. Unsere winzigen Häuschen fügen sich in die Landschaft ein. Die durch die Straßen aufgerissenen Wunden im Gras werden sich bald schließen, die gefällten Bäume durch andere ersetzt und in wenigen Jahren wird diese Siedlung ein Teil der Landschaft sein. Weiße und braune Tupfen im steirischen Grün.
Keiner kann wollen, dass eine Siedlung als Ruine verkommt, die dem Gemeindesäckel Hunderttausende von Schilling an Fremdenverkehrsabgabe und den Gewerbetreibenden Millionen von Schillingen im Jahr einbringen wird. Jeder der annähernd vierhundert Feriengäste wird sich verpflegen müssen. Andenken, Postkarten, Getränke und Speisen in den Gaststätten und Cafes garantieren ein Aufblühen der Gemeinde Der ganze Bezirk profitiert von diesem Aufschwung durch die Gäste. Diese Entwicklung wird weiterhin staatliche und gemeindliche Investitionen nach sich ziehen, die der gesamten Bevölkerung zugute kommen.
Nein, um die Zukunft dieser Siedlung brauche ich mir keine Sorgen zu machen. Murtalblick wird in ein oder zwei Jahren von sich reden machen. Der Plan ist gut - das Konzept stimmt
Murtalblick“. Der Name stammt vom Postenkommandant, dem obersten Gendarmeriebeamten der Gemeinde, von Otto.
Otto Müller, gleichzeitig Fremdenverkehrsobmann, sieht die Siedlung als Chance für die Arbeitergemeinde. Otto kennt nicht nur die Steiermark. Er steht kurz vor seiner Pensionierung und hat sich in Österreich und den angrenzenden Ländern umge-sehen. Er weiß um die Möglichkeiten, die eine intakte Landschaft, die Berge und Matten ihren Bewohnern bieten können. Otto setzt sich für unsere Siedlung ein, wo er glaubt, Einfluss nehmen zu können. Er tut dies selbstlos, ohne nach einem Vorteil für sich zu suchen. Er glaubt, dass die „Weiße Industrie“ bei gleichzeitiger Pflege und möglichster Bewahrung der Landschaft vielen Menschen zu Arbeit und Brot verhelfen kann. Er kennt aber auch die Schwächen seiner Landsleute, ihren Hang zum Schlendrian, der den Feriengast verführt, seiner Neigung im Urlaub entgegenkommt, ihm zeigt, dass „es auch so geht“, der uns aber als Bauträger fast täglich vor neue Probleme stellt. Er sucht zu vermitteln, rät uns.
Mit der Unterstützung der Gemeinde können wir ebenso sicher rechnen. Der ‚Herr Nationalrat’ steht fest auf unserer Seite, Sepp Hauer, ein alter Parteisoldat der SPÖ, bereits einige Male in das Parlament nach Wien gewählt, zwar keiner aus der vordersten Reihe, aber verlässlich, einer von denen, die immer weniger werden. Seiner Unterstützung sind wir sicher.
Außerdem passt unser Vorhaben in die große Politik. Städtepartnerschaften, die seit einigen Jahren in Mode gekommen sind.
Kaum eine Stadt oder Gemeinde in der Bundesrepublik oder im europäischen Ausland, die nicht diesem Gedanken anhängt oder zumindest nachläuft. ‚Polittourismus’ in den meisten Fällen, da sich oft lediglich Kommunalpolitiker, meist noch auf Kosten der Gemeinden und Städte, neue Urlaubsresidenzen erschließen. Diese Art der Völkerverständigung findet oft nur auf der oberen Ebene statt. Näherer Kontakt zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen bleiben selten und sollen es wohl auch oft bleiben.
Unser Dorf muss eine Ausnahme werden, haben wir uns geschworen. Die Anfänge lassen hoffen. Bereits während des Baus, im ersten Jahr, kommt es zu engen Kontakten zwischen den Einheimischen und den Gästen. Ungezwungen mischen sich beide, Deutsche und Österreicher, bei den häufigen Tanzveranstaltungen, den Spaziergängen und Ausflügen, den Heimatabenden und den Sportveranstaltungen.
Eine Fußballmannschaft aus Frankfurt spielt an mehreren Wochenenden gegen verschiedene Auswahlen der Umgebung. Eisstockschiessen im Winter. Bald werden die Steirer in die Defensive gedrängt. Die deutschen Gäste gewinnen die Vergleichskämpfe in diesem Nationalsport der Einheimischen.
Also, wenn ich es mir recht überlege, bestimmt soll mit den restriktiven Maßnahmen der Nationalbank versucht werden, den Ausverkauf zu begrenzen und die Landschaft zu erhalten. Neue Projekte werden in Zukunft schwerer zu realisieren, die bestehenden oder im Bau befindlichen aber kaum gefährdet sein.
Das Wetter verschlechtert sich und als ich kurz nach Golling die Autobahn erreiche, gießt es in Strömen.
Spätabends laufe ich in den Heimathafen ein. Von der Raststätte Würzburg habe ich die Geschäftsführer zusammengerufen und erstatte Bericht. Trotz der Versäumnisse des Notars scheint die Lage übersichtlich. Direkter Schaden scheint nicht entstanden zu sein. Trotzdem muss die Situation sorgfältig im Auge behalten werden. Am kommenden Wochenende wollen wir gemeinsam die Baustelle besichtigen und mit den Vertretern der Baufirmen und dem Notar Dr. Boden sprechen.
Die Straßen zeigen sich noch schnee- und eisfrei. Trotzdem kühlt es nachts stark ab. Da wir meistens Freitagnacht fahren, um keinen Arbeitstag zu versäumen, denn alle sind wir noch berufstätig, ist der Straßenzustand für uns von großer Bedeutung.
Der kommende Sonnabend sieht uns bei schönstem strahlendem Sonnenschein auf unserer Baustelle. Die zwei großen Kräne drehen sich im Wind. In allen Bauphasen sind die Häuser zu besichtigen. Und es haben sich auch einige unserer Käufer eingefunden. Sie wollen selbst in Augenschein nehmen, wieweit „ihr“ Haus gediehen ist.
Bei Toni steht als erstes erst einmal ein herzhaftes Frühstück an. Er freut sich ehrlich und stiftet zur Jausen seinen berühmten Obstler. Speck, Gurken, Pfeffer und Salz und selbstgebackenes Bauernbrot. Bald stoßen auch der Bürgermeister Otmar Hahn und Otto Müller zu uns. Unser Kommen ist beobachtet worden. Otmar sieht, wie sein Freund Dr. Boden die Kundmachung der österreichischen Nationalbank als vorübergehende Maßnahme an und für uns ohne Auswirkungen.
Das beruhigt.
Die beiden Österreicher, mit den Gepflogenheiten ihres Landes aufgrund ihrer Berufe wohl bestens vertraut, haben verständlicherweise eine größere Kompetenz als jeder von uns. Den Fortgang der Arbeiten kann keiner mehr aufhalten, ohne das Gesamtprojekt zu gefährden. Allein acht Häuser werden gleichzeitig mit Hilfe der Kräne hochgemauert. Weitere zwanzig befinden sich in allen möglichen Ausbaustufen. Hier wird die Elektroinstallation verlegt, dort nagelt man die gewachste Holzschalung an die Innenwände, da schließt man das Dach mit Dachplatten, in einigen anderen lädt bereits der Teppichboden zum Einräumen der Möbel ein.
Selbstverständlich berät auch Walter Kinder wie an jedem Wochenende seit neun Uhr unsere Käufer. Walter ist ein Verkaufsgenie. Ich habe ihn eingestellt. Er hat gerade seine vorige Arbeitsstelle bei einem großen Möbelkonzern verloren. Walter hatte gemeinsam mit seinem Kaufhausleiter einen ganzen Waggon jugoslawischer Möbel privat verkauft. Sein Arbeitgeber sah darin unliebsame Konkurrenz und kündigte ihm prompt.
Ich zog mir den Fisch an Land. Walter erhielt neben einem guten Gehalt einige Prozente Provision auf die verkauften Möbel, Teppiche und Einrichtungsgegenstände.
Ich habe einen guten Griff getan. Die Umsätze steigen sprunghaft an. Ich kann mich auf Walter in jeder Lage verlassen, wie sich später noch herausstellen soll.
Seine guten Kontakte zu den verschiedenen Möbelfabriken bescheren uns ungeahnte Einkaufskonditionen. Sein Gespür beim Käufer, vor allem bei den Käuferinnen, sein typisch österreichischer Charme und sein Eingehen auf die Wünsche seiner Kunden bringt ihm und uns gute Einnahmen. Er vergisst nie, dass ich ihn aus einer für ihn schier ausweglosen Lage herausgeholfen habe. Ihm hätte wohl in der ganzen Umgebung, von Murau bis Leoben kein Möbelhändler mehr eine Chance gegeben. Ob an den Weihnachtsfeiertagen, ob an Ostern, Pfingsten, an einem Werktag, Sonn- oder Feiertag, Walters zweite Heimat ist unsere, seine Siedlung.
Bald hat er sich unentbehrlich gemacht. Er wird der Büroleiter,auf den ich mich während meiner Abwesenheit unbedingt verlassen kann. Ihm entgeht selten etwas. Walter ist um die dreißig. Seine Haare werden bereits lichter, vor allem am Hinterkopf. Umso länger lässt er sie wachsen und scheitelt sie schräg nach vorn. Eine leichte Hakennase, darüber eine immer höher werdende Stirn. Walter ist verheiratet, aber keinesfalls streng, und der Liebling aller Verkäuferinnen in der nahe gelegenen Bezirksstadt.

Die Siedlung wächst

In der Steiermark scheint so alles nach unserer Zufriedenheit zu laufen. Dr. Bodens Treuhandkonten lassen wir durch einen Zwischenkredit von über 3.500.000 Schillingen auffüllen und garantieren damit den Handwerkern die Begleichung ihrer Rechnungen.
Und wie uns der Notar bald mitteilt, werden auch die Bausparkassen nun die Verträge anerkennen und die Gelder an ihn überweisen. Diese Kunde erreicht uns kurz vor Weihnachten. Die Bauarbeiten sind wegen der kalten Witterung eingestellt worden und die nächsten Zahlungen wohl erst im Frühjahr fällig. Das alte Jahr beschließen die Gesellschafter und Geschäftsführer im Bewusstsein, eine gute Strecke auf dem Weg zur Verwirklichung ihrer Idee zurückgelegt zu haben.
Sobald Schnee und Eis geschmolzen sind, sobald es der Nachtfrost zulässt, werden unsere Häuschen weiter wachsen, jeden Tag ein Stückchen höher und mit Beginn des Jahres 1974 werden sie auch während der Ferienzeiten an Reisebüros vermietet werden können. Die Gesellschaft wird dabei im Namen der Besitzer handeln, die sich ebenfalls eine gute Rendite ausrechnen können, immerhin eine Rendite von 9 Prozent.
Auch die Verwaltungsgesellschaft kann gut leben. In einem eigenen Verwaltungsgebäude werden Post, Telefon, ein Waschsalon und das Büro untergebracht sein. Auf der gegenüberliegenden Talseite ist ein Grillplatz im Entstehen. Ein Gebäude für einen kleinen Kindergarten soll ebenfalls dort erstellt werden, um vor allem den Müttern ein Teil der täglichen Arbeit abzunehmen und ihnen Ausflüge ohne die Kinder zu ermöglichen.
Jede der Wohnungen ist an eine Gemeinschaftsantenne angeschlossen. Über eine Videoanlage wollen wir Vorschläge zur Urlaubsgestaltung auf die Mattscheibe bringen und nachmittags bei schlechtem Wetter Kinderfilme zeigen.
Norbert, der Bäcker, sorgt bereits bei den wenigen der anwesenden Käufer jeden Morgen für frische Brötchen. So signalisiert ein an der Haustürklinke hängender Leinensack mit inliegendem Bestellzettel den Wunsch nach duftenden Brötchen. Gezahlt wird am Tage vor der Heimfahrt. Ein Service, auf den viele zuhause bereits seit vielen Jahren verzichten müssen.
Die Tage werden länger und kurz nach Ostern nimmt die Arge Schreiner & Hüter die Arbeiten wieder auf. Dieser Zusammenschluss zweier potenter Baufirmen hat sich in den letzten Wochen des vergangenen Jahres als sehr hilfreich erwiesen. Für den Innenausbau werden wir andere Handwerker verpflichten, um den ortsansässigen Firmen Aufträge zu bringen.
Ein junger Elektromeister werkelt mit seinen beiden Lehrlingen still vor sich hin. Hans Platz, der Sanitär-Installationsmeister, lässt seine Arbeiter das Geld verdienen, von dem er einen nicht unbedeutenden Teil in den Kneipen und Cafes der engeren und weiteren Umgebung verbraucht. Aber das ist seine Art zu leben.
Überhaupt scheint sich indischer Kastengeist breit gemacht zu haben. Eine alltägliche und allseits tief verwurzelte Anschauung, wie wir bald einsehen müssen. Der „Chef“ hat seine Arbeiter zu beaufsichtigen, ob hundert oder nur zwei. Ihm steht es zu, den Feierabend in den Gaststätten zu erwarten, mit anderen Meistern und Bossen. Nur schade, dass er von dieser angenehmen Beschäftigung ab und zu lassen muss, um die Arbeitsleistung seiner Lohnabhängigen einer kurzen Prüfung zu unterziehen und den Fortgang der Arbeit zu überwachen. Wer versteht nicht seinen Unmut, dem er dann räsonierend Luft machen muss, um einem drohenden Infarkt zu begegnen. Freundlichkeit gegenüber Untergebenen untergräbt die Moral und seine Autorität, nicht nur in der Firma.
Hans Apfelstingl, ein Bauingenieur, leitet die Arge Schreiner & Hüter. Er führt sie nach streng konservativen Wertbegriffen. Bei ihm ist oben, sonst unten. Seine Arbeiter kennen das nicht anders. Absoluter Gehorsam ist die Grundlage einer effektiven Unternehmensführung - bei Apfelstingl.
Aalglatt, mit stets korrekt gezogenem Scheitel, glatt anliegenden schwarzglänzenden Haaren, blankgeputzten Schuhen und einer scharfen Bügelfalte, so besichtigt der ‚Herr Ingenieur’, Respekt von allen Bauarbeitern heisschend, die Baustelle. Und aalglatt sind auch seine Aussagen. Das sollen wir aber erst Monate später erfahren. Sein Argepartner, der Hans Schreiner, wird dagegen mit „Herr Baumeister“ angesprochen - oder, wenn man ihn gut kennt, einfach Hansi gerufen.
Unseren Mitgeschäftsführer Adalbert Fleischer haben die beiden flugs ebenfalls zum Baumeister ernannt, was Adalbert nicht wenig schmeichelt. Baumeister, dieser Titel berechtigt zu allen planerischen und vor allem bautechnischen Arbeiten, die Adalbert als Betonbauermeister nicht ausführen darf.
Er ist in den erlauchten Rat der Baumeister aufgenommen. Lutherisch, will sagen, „ohne all sein Verdienst und Würdigkeit.“
Die beiden Schlitzohren, Apfelstingl und Schreiner, haben Adalbert richtig eingeschätzt. Sie erfragen seinen Rat, ohne seiner zu bedürfen. Er spürt nicht, dass dies nur geschieht, um ihm zu schmeicheln, ihm zu suggerieren, daß es ohne ihn schwerlich vorwärts ginge und allein seine Entscheidungen befolgt würden.
Er trifft sich des Öfteren mit ihnen und ihren Frauen, wie wir erst nach Monaten erfahren. Dabei gibt er wohl so manche Information weiter, die nicht für deren Ohren bestimmt sind.
Adalbert ist für den technischen Ablauf verantwortlich. Das kommt uns teuer zu stehen, wie sich bald zeigen soll.
Adalbert merkt nicht, warum seine neuen Freunde ihn zu Ausflügen mitnehmen und auch mit familiären Einladungen nicht geizen. Wir fürchten um seine Unabhängigkeit, deren Verlust uns viele Schillinge kosten kann. Vorsichtige mahnende Gespräche unter vier Augen können ihn nicht davon abhalten, immer engeren Kontakt mit den beiden zu pflegen. Zusätzliche Leistungen der Arge nehmen von Monat zu Monat zu. Alle Maßnahmen waren unvorhersehbar und mussten unter allen Umständen durchgeführt werden. Adalbert und sein Umgang wird mir immer weniger lieb, aber immer teurer. Die wahren Ausmaße erkennen wir erst zwei Jahre später.
Adalbert stammt aus Novosad in Jugoslawien und kam erst vor einigen Jahren mit seiner Mutter als Spätaussiedler in die Bundesrepublik. Er trifft die Mentalität der Steirer am schnellsten und besten von uns allen, obwohl ihn diese als „Tschusch“ ablehnen, wenn sie es sich gesellschaftlich leisten können und ihn dies auch spüren lassen, solange sie keine wirtschaftlichen Nachteile aus diesem Verhalten befürchten müssen.
„Tschusch“ ist das Schimpfwort für Jugoslawen.
Überhaupt hat sich dieser Vielvölkerstaat Österreich einen Hass zwischen den einzelnen Völkergruppen bewahrt, der für uns weitgehend unverständlich ist. Gibt man sich nach außen hin weltoffen und tolerant, führt sich als Fremdenverkehrsnation Nummer eins in Europa auf, präsentiert einen Bundeskanzler Bruno Kreisky als Weltbürger, zieht für die UNO, der gleichzeitig ein Österreicher, nämlich Waldheim als Generalsekretär vorsteht, einen riesigen Gebäudekomplex in Wien hoch, so ist der Streit bereits vorprogrammiert, wenn nur Tiroler und Wiener in einem Gasthof an einen Tisch zu sitzen kommen.
Und ein Wiener, der das Pech hat, wie auch sein Vater Pospischil zu heißen, und der noch dazu so verwegen denkt, sein Brot in einem anderen Bundesland zu verdienen, kann seine niedrigen Umsätze wohl darauf zurückführen, dass dieser Name auf tschechische Vorfahren hinweist, die vor Jahrhunderten vielleicht einem Ruf ihrer Kaiserin und Königin in die Metropole der österreichisch-ungarischen Monarchie Folge leisteten.
So lebt eigentlich jeder Österreicher in der Fremde, wenn er sein Geburtsland verlässt, besser, die Grenzen seines Bundeslandes überschreitet. Für den Steirer gehört ein Wiener zu den „Gescheerten“. Umgedreht denkt der Wiener genauso und bedenkt auch die Einwohner einer anderen Provinz mit diesem Kosewort.
Freund-Feind-Denken auch zwischen den politischen Parteien.
Der oft gegeißelte Proporz beim Besetzen von Pfründen steht dieser Auffassung nur scheinbar entgegen. Und der Hang zur Großen Koalitionen, den wir in dieser Republik zu Hause wähnen, dient wohl nur dazu, bestehende Besitztümer zu bewahren, und sei dies auch nur teilweise möglich.
Mir wird dies in vielen Gesprächen deutlich, die ich mit Politikern verschiedener Couleur später führe. Immer wieder bricht aus ihnen der Hass auf den Andersdenkenden hervor, der auch, und nicht zu wenig, auf die Zeit der österreichischen, hausgemachten Diktatur in den dreißiger Jahren zurückgeführt werden kann, wobei die Vielfalt der Völker, ein Erbe der Monarchie, sicher einen guten Nährboden abgab, wie sicherlich auch für den späteren „Anschluß“ der „Ostmark“. Noch heute wird der politische Gegner verachtet, mit Mitteln bekämpft, die in einem demokratischen Staat keinen Platz haben dürften. Ressentiments aus der Bürgerkriegszeit spielen in allen Bereichen noch eine bedeutende Rolle.
Politische Mehrheiten werden zementiert, mit allen Mitteln, vor allem mit öffentlichen. Und ob man eine Baugenehmigung oder einen Arbeitsplatz erhält, hängt nicht selten vom jeweiligen politischen Wohlverhalten des Bewerbers ab.
In der Sache hebt sich die Bundesrepublik Deutschland keinesfalls so deutlich von der Republik Österreich ab. Gerade die bekannt gewordenen Vorfälle der vergangenen Jahre berechtigen zu einem solchen Hochmut nicht. Aber in der Alpenrepublik ist alles ein wenig provinzieller und auch oft kleinkarierter, dadurch überschaubarer und um vieles deutlicher sichtbar. Außerdem haben sich seine Bewohner seit geraumer Zeit an diese Zustände gewöhnt. Der Österreicher nimmt sie als Alltäglichkeiten hin, beklagenswert aber nicht ungewöhnlich, und vor allem nicht reparabel.
Er lebt mit diesen Imponderabilien seines Lebens und arrangiert sich.

Ein Segelboot für den Herrn Hofrat?
Bald nach der „Kommissionierung“ unserer Siedlung, einem Kolloquium, an dem Vertreter der beteiligten Ämter teilnehmen und an dessen Ende die Baugenehmigung steht, erhalte ich hohen Besuch. Der Herr Hofrat und Bezirkshauptmann Dr. Retzko, der wegen seines Urlaubs dieser Sitzung fernbleiben musste. Eine Übereinstimmung war auch ohne ihn erzielt worden, so dass wir mit weiteren Schwierigkeiten nicht rechneten.
Aber der Bezirkshauptmann hat ein Hobby, das ihn, den Bürgermeister und mich einen ganzen Nachmittag beschäftigen soll. Er ist stolzer Besitzer eines Segelbootes am Kärntner Wörther See.
„Aber es handelt sich nur um ein kleines Boot!“ meint er traurig. „Und jede freie Minute verbringe ich dort. Es macht nur wenig Spaß mit so einem Winzling. Meine vielen Freunde haben darin keinen Platz.“
Traurig!
Er würde sich gern ein größeres kaufen, aber das schmale Gehalt lässt es nicht zu.
Noch trauriger!
Aber deshalb bin ich nicht gekommen. Wir müssen nochmals über die Kommissionierung eurer Siedlung sprechen. Also, gegen die Häuser hab ich gar nichts. Das ist bereits mit dem Bürgermeister abgeklärt. Ich unterstütze auch das Gesamtkonzept. Sie haben auf die Landschaft viel Rücksicht genommen. Es passt.“
Ich bedanke mich zu früh für seine Freundlichkeiten, wie ich bald merken soll.
„Aber über die Kläranlage müssen wir nochmals gesondert reden, denn beim Reden kommen die Leut’ zusammen. Es muss sofort ein biologischer Teil angehängt werden.“
Die wahrscheinlich erste biologische Kläranlage der Steiermark? Das wirft unser finanzielles Konzept über den Haufen. Natürlich haben wir einen biologischen Teil eingeplant, der aber erst kurz vor Fertigstellung der Gesamtanlage errichtet werden soll. Zum jetzigen Zeitpunkt bringt uns das in große finanzielle Schwierigkeiten.
Der höchste Beamte des Bezirks schüttelt sein weises Haupt: „Ich sehe auf meinen Segeltörns auf dem Wörther See, wohin es führt, wenn nicht sofort biologische Anlagen gebaut werden. Ich kann von meinem kleinen Segelboot bereits an der Wasserfarbe erkennen, wo Abwässer eingeleitet werden. Und dabei habe ich nur ein kleines Boot, aber mein Gehalt ist eben nur schmal. Da kann ich mir kein größeres Boot leisten.“
Den Gedanken, der in mir aufsteigt, weise ich sofort zutiefst erschrocken zurück. Nur nicht an so etwas denken. Nur keine Unterstellungen, nicht einmal in Gedanken. Das ist Zufall! Der Bezirkshauptmann hat gewiss nur seine Erfahrungen mit einbringen wollen, gleichsam als Beispiel.
Ich erkläre ihm, dass die Baugenehmigung bereits einen biologischen Teil für die Kläranlage vorsehe, dass wir aber aus finanziellen Erwägungen heraus diesen Teil erst in zwei Jahren errichten können und dass alle an der Kommissionierung beteiligten Ämter dem zugestimmt haben.
„Aber i net „, ist die Antwort und sein Stellvertreter sei nicht so versiert wie er. Der könne die Genehmigung auch nicht unterschreiben. Das sei allein ihm vorbehalten, denn er allein habe dafür die notwendigen Fachkenntnisse. Die letzte Prüfung und Begutachtung samt Unterschrift falle in seine Kompetenz und liege in seinen Händen.
„Deshalb habt ihr auch noch keine schriftliche Ausfertigung der Baugenehmigung!“
Und weiter: „Erst vor acht Tagen segelte ich mit meinem kleinen Boot wieder auf dem Wörther See. Als ich schwimmen wollte und von der Nuss-Schale in Wasser sprang, bin ich direkt in solch einer Dreckbrühe gelandet, hab aber gemacht, dass ich wieder in mein kleines Boot kam.

Eine Sauerei!

Mit einem größeren und schnellleren Boot könnte ich auch schneller an das andere Ufer kommen. Dort gibt es nur wenige Häuser. Und Abwässer gibt’s überhaupt nicht. Aber ein größeres Boot ist teuer und für unsereinen nicht erschwinglich.“
Diesmal lassen sich meine üblen Gedanken nicht mehr zurückdrängen. Sie bohren immer tiefer in meine Gehirnrinde, bis sie ganz festsitzen und tiefe Wurzeln ziehen. Der Herr Bezirkshauptmann will ein großes Segelboot- und das von mir! Er ist bestechlich! Was meint der Otmar dazu, der Bürgermeister. Der aber gibt mir auf meinen fragenden Blick keine Antwort, schlürft seinen Wein wie sonst, mit ruhiger Hand. Vielleicht können wir den biologische Kläranlagenteil ganz sparen, wenn ich hier eine Zusage mache.

Mich reitet der Teufel.

„Segeln ist ein schönes Hobby, vielleicht das schönste, das ich kenne“. Ich kenne es überhaupt nicht. Außer Back- und Steuerbord, Luv und Lee, keine Ahnung. Und dabei muss ich noch höllisch Acht geben, dass keine Verwechselungen vorkommen. Steuerbord ist rechts, Backbord links, Luv ist die Windseite, Lee die dem Wind abgekehrte oder umgekehrt?
Aber der Herr Bezirkshauptmann will zu meinem Glück keineswegs mit mir fachsimpeln. Ihn interessiert ein Boot, und zwar ein größeres Boot.
Wenn ich es mir genau überlege, wäre ein Segelboot auch für uns vorteilhaft. Wir könnten Geschäftsfreunde und Politiker einladen. Solch ein Boot wäre wie Vitamin B und für unsere Aktivitäten in Österreich besonders wertvoll.
Als ob er meine Gedanken erraten hätte, sinniert der ältere Herr halblaut vor sich hin: „So ein Schiff ist auch für die Anbahnung geschäftlicher Kontakte nicht zu verachten. Und die Frauen werden geradezu magisch angezogen, wie die Falter vom Licht.“
Er spricht bereits von einem Schiff. Hier wird wohl eine größere Investition notwendig. Und dazu das ewig erste Thema der Steirer, die Frauen.
Ich nehme mir fest vor, ihm das Maul sauber zu halten. Mit diesem Schlitzohr würde ich schon fertig. Auf Zeit spielen, darauf kommt es an.
„Schade, Herr Hofrat, „ ich spreche ihn mit seinem Titel an, „Ich bedauere aufrichtig, dass wir bereits spät im Jahr sind und unsere Finanzen diese Ausgabe nicht mehr zulassen, Wenn wir ein Schiff kaufen, dann ein richtiges, so mit allen Schikanen. Wir sollten gemeinsam im nächsten Jahr eine Bootsausstellung besuchen. Leider verstehe ich von Schiffen nicht viel, sehe aber, dass ich in Ihnen einen Fachmann gefunden habe.“
Das habe keine Eile, kommt er mir entgegen. Auch über den biologischen Teil der Kläranlage brauchten wir erst im nächsten oder übernächsten Jahr zu reden. Denn, man könne ja auch erst einmal abwarten, wie groß die Belastung des Bächleins werde, wenn Murtalblick voll belegt sei. Und wenn er erst einmal pensioniert sei, so kümmere ihn überhaupt keine Kläranlage mehr, dann werde er bei jedem Wetter auf dem Wörthersee segeln, allein oder mit einigen netten „Katzen“.
„Oho, Herr Hofrat!“

„Hofrat bin i zwar, aber bis zur Pensionierung muss ich noch Wirklicher Hofrat werden, das macht ungefähr 260 DM mehr an Pension“
Was war denn das schon wieder? Hofrat ist nicht gleich Hofrat?
Ich nehme mir vor, meinen Freund Sepp Hauer, den Nationalrat, darüber bald zu befragen. Zuviel Unkenntnis darf ich hier nicht zeigen.
Warum haben die Regierungen der Bundesrepublik nicht diese oder ähnliche Titel erfunden oder wieder gefunden. So etwas gilt mit Sicherheit mehr als ein Bundesverdienstkreuz, egal welcher Klasse, ob mit oder ohne Band! Hofrat, Kommerzialrat, Professor, Doktor. Konsul Weiher wäre arbeitslos, jeder Mittelschullehrer aber ein Professor und manche Lohnrunde gegenstandlos. Mein Nachbar, ein Malermeister, ein Kommerzialrat, alle meine Lehrer Professoren. Ich könnte mich an den Gedanken gewöhnen. Letztere würden zwar noch, wie mein Vater stets von seinen alten Lehrern erzählte, nach Lehrern riechen, er meinte, nach Armut duften, aber die Einstellung von Lehrkräften in jeder Menge wäre für die Bundesländer wieder finanzierbar. Zehn Schüler auf einen Professor, man muss sich das einmal vorstellen!
Nun, der höfrätliche Angriff auf die Finanzen der Gesellschaft ist erfolgreich abgewehrt, wenigstens vorläufig. Der Herr Bezirkshauptmann wird noch ein oder zwei Jahre mit seinem alten Boot vor Klagenfurt herumschippern, was nicht bedeutet, dass neue Attacken nicht erfolgen können, sobald die Siedlung ihrer Vollendung entgegengeht. Kommt Zeit - kommt Rat, Herr Hofrat.
Mit dem Fortgang der Arbeiten erwarten die Baufirmen weitere Abschlagszahlungen. Wir bedrängen unsere Käufer, ihre Eigenmittel endlich beim Notar einzuzahlen. Wir erleben die ersten Enttäuschungen.
Wir haben zwischenzeitlich angeregt, dass die einzelnen Eigentümer eine Gemeinschaft gründen. Wir erhoffen uns dadurch weniger Aufwand, da wir vorhaben, uns über allgemeine, jeden betreffende Dinge, nur noch mit deren Vertretern zu unterhalten und abzusprechen.
Bald jedoch stellt sich heraus, wir haben ein Eigentor geschossen. Wie bei den meisten anderen Vereinen wählen die Eigentümer nun wirkliche Köpfe. Drei Personen teilen sich in den Vorsitz, ein Geschäftsführer einer Bauträgergesellschaft, ein Lohnsteuerprüfer eines Finanzamtes und ein Steuergehilfe.
Der Geschäftsführer ist gleichzeitig einziger Gesellschafter seiner Firma und lebt prächtig vom Boom in der Rhein-Main-Region, in der zu dieser Zeit alles, in jeder Lage, jeder Bauausführung und zu jedem Preis verkauft werden kann. Schwarzgelder gehören zum Wohnungskauf.
Der Finanzbeamte will in dieser Zeit natürlich auch nicht auf ein Stückchen Kuchen vom Wirtschaftswunder verzichten. Er besorgt sich eine Rechnung über ungefähr 25.000 DM von einem Dach-deckerunternehmen, das er gerade prüft, nimmt von einer Sparkasse eine Hypothek über den gleichen Betrag auf und lässt seinen obersten Dienstherren, den Bundesfinanzminister, die entstandenen Belastungen mittragen. Für seine schwachen Schultern sind diese Lasten zu schwer. Außerdem habe er in seinen 27 Dienstjahren bei seinen Außenprüfungen soviel Einblick in die Praxis mitbekommen, dass dies auch seinen Charakter verdorben habe.
Auf diese Weise konnte er sein Ferienhaus anzahlen. Die Abschreibung für das Ferienhaus und das nicht vorgenommene Dachdecken geschieht in der Bundesrepublik Deutschland.
Bleibt eigentlich nur hinzuzufügen, dass seine liebste Fernsehsendung ‚Schweinchen Dick’ dafür verantwortlich ist, dass er wenigstens montags bereits gegen 14 Uhr vor dem Fernsehgerät sitzt.
Den Steuergehilfen können wir kurz abhandeln. Sein Vater hat ein mittleres Steuerberatungsbüro aufgebaut, das beide recht und gut ernährt.
Die anfangs auf ein Jahr befristeten Deviseneinfuhrbeschränkungen der Österreichischen Nationalbank werden um ein weiteres Jahr verlängert, teilt uns unser Notar kommentarlos mit. Er selbst muss wohl vor Arbeitsüberlastung zusammengebrochen sein, denn wir erreichen ihn immer seltener am Telefon. Treffen wir ihn zufällig, so scheint er jedes Mal direkt aus der Karibik oder anderen südlichen Gefilden heimzukehren. Gebräunter Teint, straffe Figur, drahtiges Auftreten. Nur zu unseren Problemen weiß er wenig zu sagen. Die Bausparverträge sind immer noch nicht abgeschlossen. Die verfügbaren Mittel werden immer knapper. Ich verkaufe ein Haus in der Bundesrepublik und stelle DM 200.000 der Gesellschaft als Darlehen zur Verfügung. Das gibt für einige Wochen Luft.
Anfang 1973 überrascht uns Dr. Boden mit der Mitteilung, dass mit der Aufhebung der Kundmachung durch die Nationalbank in den nächsten Monaten gerechnet werden könne. Ein früherer Kriegskamerad aus Graz, der ein Realitäten- und Finanzierungsbüro betreibe, habe ihm für die Gesellschaft einen kurzfristigen Kredit besorgt, der uns über diese Zeit hinweghelfe.
Ebenso würden die Bausparverträge für unsere Käufer nunmehr umgehend angenommen. Er habe sich bei dem zuständigen Vertreter erkundigt. Dann werde alles seinen vorgesehenen Gang nehmen. Dazu habe er sich in seinem Treuhandvertrag verpflichtet. Es sei eben nur eine Frage der Zeit und in Österreich sei die Bürokratie übermächtig. Deshalb benötige er wohl mehr Zeit als in Deutschland.
„Zusätzlich habe ich mit meinem Versicherungsvertreter vereinbart, dass die Sachversicherungen für die einzelnen Ferienhäuser über ihn laufen sollen. Die Versicherung gewähre der Gesellschaft hierfür einen Kredit über 500.000 öS. Der steiermärkische Direktor, Herr Krauser, übrigens früher Sekretär der Jungen ÖVP, ist sehr an unserem Vorhaben interessiert und kommt die nächsten Tage zu einem Besuch.“
Geld ist knapp, sehr knapp. Unsere Käufer haben nämlich in der Zwischenzeit entdeckt, dass die angeforderten Zahlungen auf dem eigenen Konto Zinsen bringen, dass die Kundmachung der Nationalbank einen für sie erfreulichen Nebeneffekt zeitigt und zu einer von dieser nicht beabsichtigten Vermehrung der Geldmenge auf ihren d.h. der Käufer Konten in der Bundesrepublik führt. Sie weigern sich, Gelder auf das Notaranderkonto einzuzahlen. Sie wollen das Risiko, wegen Devisenschmuggels belangt zu werden, nicht eingehen.
Aber auch hier weiß der Notar Rat. Er stellt uns eine Vollmacht aus, aufgrund der wir bei den Käufern in seinem Namen kassieren dürfen. Quittungen sind schnell vorbereitet und unterschrieben.
Das bringt wieder Luft. Unser Banker Gerhard hat vollauf zu tun und ich spiele den Geldboten. mit 120.000 DM im Koffer, feingebündelt und geordnet. Mit leichtem Herzflattern an der Grenze, aber frohen Mutes erreiche ich die Kanzlei des Notars. Ihm ist die Erleichterung deutlich anzumerken. Er öffnet eine Flasche Gumboldskirchner und bestellt seinen Bankdirektor. Der holt uns auf den Boden der Tatsachen zurück. Das Geld sei nun zwar in Osterreich, aber wie soll er es verbuchen?
Nach einer weiteren Flasche findet er die Lösung. Direktor Prommer stellt höchst eigenhändig 60 Quittungen über Beträge um die 2.000 DM aus. Dies würde nicht auffallen, da bei Wechselgeschäften mit Touristen deren Name nicht eingetragen werde. Außerdem werde er diese Buchungen über drei Tage verteilen.
Die dringendsten Rechnungen können beglichen werden. Doch inzwischen hat sich herumgesprochen, dass die Österreichische Nationalbank dem ‚Ausverkauf der teuren Heimat’ einen Riegel vorgeschoben hat. Auch uns wird immer deutlicher, dass es sich bei der Kundmachung von Ende November 1972 nicht nur um eine devisenrechtliche Maßnahme handelte. Immer öfter erscheinen Artikel in allen Tageszeitungen, in denen gegen den Verkauf von Grund und Häusern an Ausländer Stimmung erzeugt wird. Mit Ausländern sind natürlich nur die Deutschen gemeint. Seltsamerweise bestehen mit mehr als zwanzig Nationen Verträge auf Gegenseitigkeit, die den Erwerb für solche Ausländer regeln, ebenso wie die Einfuhr der zur Zahlung des Kaufpreises notwendigen Devisen. Liechtensteiner, Schweizer, US¬-Amerikaner oder Kanadier dürfen ebenso kaufen wie Japaner.
Deutsche nichts
Einem unverzeihlichen Irrtum erliegt auch der bundesrepublikanische Tourist, der annimmt, er könne es auf seine Nationalität oder die gleiche, nein, fast gleiche Sprache zurückführen, dass er in der Alpenrepublik als gern gesehener Gast willkommen ist. Verbittert stellen einige unserer Käufer fest, dass es den Österreichern am liebsten wäre, die „Deitschen“ schickten ihr Geld für den Urlaub, blieben aber zuvorkommender Weise zu Hause. Sicher eine aus der Enttäuschung geborene Feststellung, aber auch aus der Erfahrung, dass österreichische Freundlichkeit ihren Preis hat und das Interesse am Tourismus aufhört, wo neben alltäglicher Leistung wie Frühstück, Bettenaufschütteln und Wäschewechseln auch einmal Hilfe vom ‚armen Vettern’ erwartet wird.
Denn der Österreicher fühlt sich als „armer Cousin“. Sein Wirtschaftswunder hat sich erst mit Verspätung eingestellt. Immer waren ihm die Bundesrepublikaner nicht nur Schritte voraus. Ein wenig vergessen von der Weltpolitik, abseits des Geschehens, findet dieses Land nur Erwähnung, wenn von landschaftlichen Schönheiten, geschichtlicher Vergangenheit, etwa der großen Vergangenheit, die Rede ist, von der Zeit, als die Habsburger noch ein Reich regierten, in dem, wie zu Zeiten Karls des V, ‚die Sonne nicht unterging.’ Oder wir erinnern uns an den Wiener Kongress, als sich die Potentaten Europas in Wien zu rauschenden Festen und Bällen versammelten, um die Erbschaft Napoleons unter sich aufzuteilen, und damit das Fell des Bären verteilten, ehe sie ihn endgültig erlegt hatten.
Bald richten sich Pressekampagnen auch gegen die deutschen Erbauer der Siedlung Murtalblick, hässliche Angriffe, von geringem Wahrheitsgehalt. Kaum einer der Journalisten nimmt sich die Mühe, an Ort und Stelle zu recherchieren. Von sauberer journalistischer Arbeit kann keine Rede sein. Aber alles stimmt sich ab auf das gesunde Volksempfinden unter der Devise: „ Kein Verkauf an Ausländer!“
Und der Neid, ein hervorstechendes Charaktermerkmal dieses Bergvolkes, verhindert häufig einen Zusammenschluß mehrerer Gemeinden zum Zwecke des Fremdenverkehrs. Kommt aber dennoch ein Verein zustande und bleibt er arbeitsfähig, so wird misstrauisch über die Verteilung der anreisenden Fremden gewacht.
Dieser Argwohn überträgt sich bald auch auf unser Vorhaben, auf Murtalblick, obwohl gerade durch die Bautätigkeit viele Urlauber, die von der Bundesstraße 17 aus die Häuschen bemerken, neugierig die Baustelle besichtigen und nicht selten, angetan von der Landschaft einige Tage in den Gasthöfen und Privatzimmern übernachten und sich verpflegen.
Wir haben 10.000 Prospekte drucken lassen, die sich unter der Überschrift „Im grünen Herzen Österreichs - in der sonnigen Steiermark, zwischen Rebenhügeln und Dachsteingletschern“ wohltuend abheben vom Einheitsbrei professioneller Prospektemacher. Große bunte Bilder, mit wenig Text. Aussagekräftig. Tatsachen. Der Betrachter soll nicht den Worten glauben, sondern den Bildern, die weniger manipulierbar sind.
Im Laufe des Sommers 1973 flattern uns viele Anfragen von Reiseunternehmern ins Büro. Viel zu früh, denn wir müssen den Bau wieder drosseln. Immer noch keine Aufhebung der Kundmachung durch die ÖNB.
Wir müssen erneut einen Zwischenkredit von privater Hand aufnehmen. Ein Dr. Mennige, Gutsbesitzer in Graz, hat soeben Gelände an die Republik Österreich verkauft, die vorhat, eine Autobahn zu bauen. Dr. Stahlberger, Grazer Rechtsanwalt, sucht für den Erlös eine Anlage. 5,5 Millionen Schillinge werden uns über die nächsten Monate helfen. Keiner rechnet damit, dass die Nationalbank ihre restriktive Politik länger aufrechterhalten kann. Es machen sich überall wirtschaftliche Schwierigkeiten, auch in der übrigen Industrie bemerkbar Eine Eindämmung der Inflation ist kaum zu spüren.
Beim Unterfertigen der Schuldurkunde stellen wir fest, der Notar hat 48 unserer Käufer bereits ins Grundbuch gebracht- lastenfrei
Auf unsere Vorhaltungen, dass auf die Kaufverträge in der Regel höchstens vierzig Prozent eingegangen seien, während sich ein Großteil dieser Häuser in bewohnbarem Zustand befände, wird uns die Antwort: „Diese Maßnahme habe ich vornehmen müssen, um der Kundmachung der ÖNB zu begegnen. Ich habe einen Treuhandauftrag gegenüber den Käufern übernommen und diesen auszuführen.“
Um diese Zeit besucht uns einer der Vorsitzenden der Eigentümergemeinschaft, Günter Leder, und stellt uns einen alten Geschäftsfreund vor. Herr Gruber, so seine Aussage, habe ihm aus finanziellen Schwierigkeiten geholfen. Er vertrete eine Liechtensteiner Firma, die Großprojekte in ganz Europa finanziere und gerade in dieser Zeit stark in Österreich engagiert sei. Leder habe von Gruber eine Schweizer Aktiengesellschaft erworben, die wiederum ein Appartementhaus im Lachtal, einem steierischen Skigebiet, gekauft habe.
Grubers Gesellschaft habe das Kapital beschafft, schnell und günstig. Er kenne Gruber seit mehreren Jahren. Mit seiner Hilfe könnten auch Kredite für unsere Gesellschaft, ebenso wie für die einzelnen Eigentümer besorgt werden.
All Not hat nun ein Ende.
Mag die Nationalbank noch so lange zögern, ihre Restriktionen zurückzunehmen, wir können weiterbauen und im nächsten Jahr vielleicht schon unser Dorf vermieten. Mit den dann zu erwartenden Einnahmen sind wir leicht in der Lage, die Kredite zu bedienen und zurückzuzahlen.
Umfangreiche Vorarbeiten sind vonnöten. Die Käufer müssen ihren Kreditbedarf genau angeben. Wir wollen kein Risiko eingehen und führen mit jedem Einzelnen persönliche Gespräche. Gruber ist immer dabei. Ausführliche Protokolle werden angefertigt. Unterlagen, wie Einkommensnachweise und Auskünfte müssen angefordert und mit jedem Käufer bei einem Frankfurter Notar eine Abtretung über seine Restschuld und seinen beantragten Kredit an unsere Gesellschaft beglaubigt werden.
Die Kosten hierfür trägt die Gesellschaft, sollen aber später auf die Käufer umgewälzt werden. Gruber erhält sein Honorar ebenfalls vorläufig von uns.
Zwei Wochen braucht diese Tortur. Abschlussbesprechung in Schaan, einem kleinen Ort bei Vaduz. Hier lernen wir die beiden Treuräte von Grubers Firma kennen, Maechler und Fehr. Gruber hat seine Gesellschaft, die WIFINA, die Wirtschafts- und Finanzierungs-Aktiengesellschaft, von diesen beiden erworben. Kaufpreis 6.000 Schweizer Franken. Er erscheint nach außen als der Generalbevollmächtigte. Jede Korrespondenz wird direkt von Liechtenstein aus erledigt. Auch die Bezahlung der Rechnungen erfolgt ausschließlich über Schaan. Damit werden Gewinne an den jeweiligen Finanzbehörden vorbeigeschleust und steuerfrei an die eigentlichen Besitzer der Firmen weitergegeben, die meist ebenso wie Gruber nur als ihre eigenen Generalbevollmächtigten auftreten.
Auf den Namen der Firma hat Gruber im Liechtensteinischen Schaan eine Wohnung im Kaufhaus KAUFIN gemietet, die ihm als Büro dient. Eigentlich sind es zwei Wohnungen, das sollten wir aber erst Monate später erfahren.
„Mit einer großen Schweizer Bank habe ich die Transaktion bereits abgesprochen. Das Darlehen ist genehmigt. Sie warten nur noch auf ihre Unterlagen. Das alles haben Sie dem Herrn Architekten Leder zu verdanken, der sich für Sie eingesetzt hat.“ so die Auskunft Grubers.
Leder und Architekt? Das ist nicht nur mir neu. Schwachstromelektriker ist der!
Gruber weiter: „Sie müssen allerdings mit den Unterlagen nach Liechtenstein kommen, damit wir diese dort den Banken nachreichen können.“
Ein Konto in Liechtenstein
Wir haben uns Liechtenstein ausgiebigst betrachtet, das Schloss, die verschiedenen Gemeinden, die wenigen Banken. Natürlich können wir der Versuchung nicht widerstehen, ein Liechtensteiner Bankkonto zu eröffnen. Bei der Warenverkehrs- und Kreditbank in Vaduz zahlt jeder 100 Schweizer Franken ein. In den wenigen Minuten, die wir zur Kontoeröffnung brauchen, betreten zwei Herren den Schalterraum, nennen ein Codewort am Schalter und werden durch eine kleine Tür eingelassen. Die schweren Aktenkoffer berechtigen zu allerhand Vermutungen.
Wir sind im Hotel Engel abgestiegen, wo uns die Empfangsdame diskret darauf aufmerksam macht, unseren PKW doch in einer der hoteleigenen Garagen zu parken.
„Sie kommen aus der Bundesrepublik. Da müssen Sie auf Spitzel Ihres Finanzamtes achten, die hier bei uns eingesetzt sind und vor allem deutsche Zulassungsnummern notieren und weitermelden. Wir haben sichere Informationen von einigen unserer Gäste.“
Abends in der Bar des Hotels. Die Barmaid aus Düsseldorf vermittelt uns die Bekanntschaft einiger ihrer Stammgäste. Sie hat wohl erkannt, hier sitzen von keiner Kenntnis getrübte Greenhorns. Neben mir hat sich der Direktor der größten deutschen Bank, Niederlassung Luxemburg, auf einem Hocker niedergelassen und neben ihm schlürft der Manager von Wells Fargo genüsslich seinen Whisky.
Ein anderer Gast, mir schräg gegenüber, mustert mich bereits seit zwei Stunden. Sein Gesicht kommt mir bekannt vor. Nach Mitternacht spreche ich ihn an und erfahre, dass er vor mehr als fünf Jahren ganz in unserer Nähe, in Hessen, ein Bürgerhaus gepachtet hatte, wo wir mehrmals eingekehrt waren. Er habe gute Geschäfte gemacht, damals, aber dann habe er drei Ponyhöfe gekauft, einen bei Lübeck, den anderen in Nordhessen und den dritten im Bayerischen Wald.
Nun aber habe er eine Liechtensteiner Gesellschaft erworben, denn nur Dumme oder Lohnabhängige würden für den allergrößten Teil des Steueraufkommens der Bundesrepublik gerade-stehen.
Es bildete sich eine Expertenrunde bei Whisky und Soda. Wir erfuhren, dass es mindestens 20.000 solcher Firmen in diesem Fürstentum gäbe, die meistens als Briefkastenfirmen geführt würden. Sie dienten nur einem Zweck, nämlich Gewinne abzuschöpfen. Bereits ab 6.000 Schweizer Franken könne man eine solche Gesellschaft bei jedem der ansässigen Rechtsanwälte kaufen. Jede Konstruktion sei zu haben, gegründet auf Vorrat, je älter, je teurer. Es bereite überhaupt keine Schwierigkeiten, eine Gesellschaft zu erwerben, die bereits zehn oder zwanzig Jahre alt sei, völlig sauber, mit ausgezeichneter Auskunft. Für den Aufwand der Treugeber müsse man pro Jahr zwischen eintausend und zehntausend Franken rechnen.
Meine Gesprächspartner müssen innerlich über unsere Unwissenheit die Köpfe geschüttelt haben. Sie haben sich sicher gewundert, was wir an einem der Hauptfinanzplätze der Welt suchten.
„Sie erhalten eine Gründungsurkunde, die Sie am besten im Tresor einer hiesigen Bank deponieren, außerdem händigt Ihnen Ihr Treugeber eine Vollmacht aus, die sie als Generalbevollmächtigten legitimiert. Wichtig ist nur, dass Sie alle Korrespondenz über Liechtenstein laufen lassen, damit Ihr Finanzamt keinen Verdacht schöpft. Hier sehen Sie einen meiner Treugeber“, flüstert der Ponyhofbetreiber und deutet auf eine junge Dame, die seit einer Stunde über dem Bartresen hängt und selig schlummert. „Sie ist gelernte Friseuse, hat aber schnell erkannt, dass mit dem täglichen Leeren von ungefähr 40 Briefkästen ungleich mehr zu verdienen ist als mit Locken wickeln und Haare waschen. Ich zahle ihr 180 Franken im Monat. Sie ist Anfängerin, aber ihr Büro mit allem ausgestattet, was heute verlangt wird, sogar mit einem Fernschreiber.“
Unsere Experten müssen herzlich über unsere etwas ungläubigen Gesichter lachen, wie auch über unsere Einzahlungen und Kontoeröffnungen. Sicher gehen sie mit anderen Summen um und amüsieren sich köstlich über die ‚Geschäftsleute’ aus der Provinz.
„Ich weiß, dass alle Ihre politischen Parteien, deren Institute und Stiftungen, wie auch die Interessenvertretungen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern, hier Firmen unterhalten, über die Millionen DM gewaschen werden. Ich könnte sie Ihnen beim Namen nennen.“ Zustimmung von den Insidern für diesen Satz des Dr. Freund, eines Direktors eines amerikanische Großkonzerns.
„Wie korrupt muss ein Staat sein, in dem die staatstragenden Organisationen und Parteien, also die, die zu Hütern unseres Grundgesetzes bestellt und in der parlamentarischen Demokratie das Wohl ihrer Bürger bewahren sollen, sich auf diese Weise und dermaßen verantwortungslos verhalten und damit das eigene Staatswesen schädigen.“
Erst viele Jahre später, als ich bereits wieder in der Bundesrepublik lebe, kommt das ganze Ausmaß oder vielleicht auch nur sichtbarer Teil eines Eisbergs solcher Verfehlungen ans Tageslicht, im Zuge der Ermittlungen in der Parteispendenaffäre, aufgedeckt von einem kleinen Finanzbeamten.
Sollte ein Bundesverdienstkreuz wirklich für Verdienste verliehen werden, ihm sollte man es in der Villa Hammerschmidt umhängen. Doch es wird ihm bis heute verweigert, obwohl ihn einige Bürger vorgeschlagen haben.
Wie hohl müssen dem informierten Bürger da Eidesformeln von Ministern und Kanzlern klingen, noch dazu im Fernsehen übertragen, abgegeben im Frack oder Cut. Das Versprechen, „das Wohl des Deutschen Volkes zu mehren“, abgerundet womöglich noch mit einem „So wahr mir Gott helfe.“
Als ich Monate später mit einem kleinen Heizungsbauermeister auf das Fürstentum Liechtenstein zu sprechen komme und über meine Erfahrungen in Vaduz berichte, lächelt der: „Das ist mir nicht neu. Seit Jahren beziehe ich von einer Liechtensteiner Ölbrennerfirma Aggregate. Auf der Rechnung wird der Bruttopreis als mein Einkaufspreis ausgeworfen, den ich auch bezahle. Meine Rabatte aber sammeln sich auf einem Konto in Vaduz.“
Wie man sieht, wissen selbst kleine Handwerker den angebotenen Vorteil zu nutzen, nicht nur Großkonzerne.
Gruber überrascht uns am nächsten Tag: „ Die Kredite sind genehmigt. Ich habe die Unterlagen überreicht. Mit einer schriftlichen unwiderruflichen Zusage ist in den nächsten vierzehn Tagen zu rechnen.“
Wir atmen wieder einmal auf. Damit scheinen die letzten Hürden genommen zu sein. Gerhard, unser Banker, ist sicher: „ Es ist für eine Bank eine schöne Sache, wenn sie viele kleine Schuldner hat, besser, als einen großen. Risikostreuung nennen wir das.“
Einige Telefonanrufe beruhigen unseren Notar, die Vertreter der Eigentümer und die Chefs der Baufirmen. Wir feiern den Erfolg bei einer Flasche Champagner. Nun können wir bald die teuren Privatkredite zurückführen. Sobald wir wieder in der Steiermark ankommen, wollen wir unseren Steuerberater in Knittelfeld aufsuchen, um uns eine genaue Aufstellung der bisher angefallenen Zinsen abzuholen.
Ludwig Mussilak, ständig beeideter Gutachter für das Steuer- und Buchungswesen, gilt unter unseren steirischen Bekannten als Koryphäe. Adolf Navratil, bei dem die Sachversicherungen für die Ferienhäuser abgeschlossen sind und der mit einem Anteil von fünf Prozent in die Gesellschaft eingestiegen ist, singt Mussilaks Lob in allen Oktaven.
Mitte Sechzig, beleibt, schleppt sich auf zwei Krücken vorwärts. Selbstsicher hat er unsere Unterlagen gesichtet, einige Male bedenklich sein Haupt gewiegt, dann aber erklärt, dass es ihm ein Leichtes sei, eine ordnungsgemäße Buchführung zu erstellen. Seine Frau sei ebenfalls Steuerberaterin und seine Hilfskräfte bestens geschult. Die Gicht plage ihn so, dass er sich nur auf Krücken bewegen könne. Fleisch dürfe er schon lange nicht mehr essen. Der Arzt habe es ihm verboten.
Seine Kanzlei hätten wir fotografieren müssen. Drei große Räume im Erdgeschoß seines alten Hauses beherbergen diese Büroräume. Einen kleinen Gang verstopfen drei Kühltruhen, stets bis an den Rand gefüllt mit Schweinefleisch. Während Ludwig Mussilak jedem erzählt, daß er sehr wenig und nur einmal am Tage esse, „wie an Hund“, wissen Eingeweihte, dass seine Vorratstruhen stets wohl gefüllt und seine Mittagsessen zu wahren Orgien ausarten. Einen Teller Frittattensuppe, danach zwei Brathendl und zum Abschluss Salzburger Nockerln, sorgen für ein gutes Gefühl im Magen. Dazu drei bis vier Gläser Wein und zwei Krügerl Mineralwasser, eventuell noch ein großes Bier zum Abschluss. Nach spätestens zwei Stunden verlangt sein Körper Nachschub.
In seiner Kanzlei dienen seine Krücken nur der Fortbewegung, wenn er die Tür selbst öffnen muss. Ansonsten ist von einer Behinderung wenig zu spüren.
Wenn wir das Judenburger Finanzamt aufsuchen, so bringt der Oberamtsrat immer einen besonders bequemen Sessel für Ludwig. Dieser entschuldigt sich wegen seiner Gebrechlichkeit, jammert lautstark, weil er sich nicht mehr so schnell erheben könne und stößt auch während der Verhandlungen öfters Stoßseufzer wegen seiner anhaltenden Schmerzen aus.
„Sie; Herr Oberamtsrat, haben’s Geduld. I muss mich auf Ihrem Sessel erst einrichten. I hab die ganze Nacht vor Schmerzen nicht schlafen können und fühl mich vollkommen gerädert.“
Ein wahrer Schauspieler, nein, ein wirklicher, waschechter Burgschauspieler, dieser Mussilak! Ein Könner!
Der Oberamtsrat schmilzt dahin. Fristverlängerung wird erteilt.
Manchmal blitzt es anschließend triumphierend auf hinter Ludwigs dicken Brillengläsern, aber nur für Sekundenbruchteile. Dann erhebt er sich schwerfällig und ächzend, bedankt sich vielmals bei dem ‚Herrn Oberamtsrat’, lässt sich von diesem noch die Krücken reichen und humpelt langsam schlurfend über den Korridor. Seine fleckige alte Aktentasche darf ich tragen.
Hat er sich dann stöhnend ins Auto gezwängt, verspürt er sogleich Hunger und Durst. Er kennt alle Gasthäuser und Kneipen im Bezirk ebenso wie ihre Spezialitäten, Preise und vor allem die Größe der Portionen. Nur seine Geldbörse hat er stets vergessen. „Entschuldigen Sie meine Vergesslichkeit.I werd’eben alt.“
„Er hat so seine Mucken“, klärt uns unser Gesellschafter Navratil auf,“ aber in Steuerfragen ist er unschlagbar.“
So einen Mann können wir brauchen, auch wenn er uns die Haare vom Kopfe frisst. Die abgegebenen Bilanzen geben auch keinen Anlass zu irgendwelchen Beanstandungen. Wir erhalten erhebliche Vorsteuerbeträge zurück. In der Zwischenzeit hat nämlich die Republik Österreich die Mehrwertsteuer entdeckt.
Sechzehn Prozent, für Luxusgüter über dreißig Punkte
„Wenn schon, denn schon“, wie meine Großmutter zu sagen pflegte. Alle unsere Verträge sind aber ohne Mehrwertsteuer abgeschlossen. Was würde nun werden? Wenn wir diesen Aufschlag tragen müssen, sind wir heute schon pleite, denn wider alle Erwartungen haben die Produzenten oder Lieferanten die Nettopreise nur unerheblich gesenkt, sondern im Gegenteil die Gelegenheit beim Schopf erfasst und sich einen kräftigen Schluck aus der Verbraucherpulle einverleibt.
Aber Mussilak lässt ein Gutachten anfertigen, das uns berechtigt, auf unsere Hauspreise die Mehrwertsteuer aufzuschlagen. Wir beschließen, ihn weiterhin zu bewirten, solange es das Budget zulässt.
Unser Ludwig war auch mit den Liechtensteiner Praktiken wohl vertraut: „I hätte’ Ihnen das schon noch vorgeschlagen. Zuerst gründen’s a Firma in Vaduz. Dann werden wir einen Teil der Vermietungseinnahmen über diese Firma abschöpfen. Dös ist ganz einfach und wird hier oft durchgezogen.“
Wir nehmen uns vor, uns mit dieser Neugründung Zeit zu lassen bis die Siedlung den Reiseunternehmen angeboten werden kann. Die Arbeiten werden noch ein bis zwei Jahre in Anspruch nehmen.
Zwei unserer Hauskäufer, Willi Hart und Hans Pastor, haben mich angesprochen, ob sie nicht die Türen und Fenster für unsere Häuser liefern könnten. Ein Preisvergleich ergibt, dass die beiden über 30 Prozent niedriger liefern als ortsansässige Händler, und das inklusive Transport von Oberhessen bis in die Steiermark.
Heute soll der erste Lastzug kommen. Am Morgen erhalte ich einen Anruf von Willi Hart und erfahre, dass er auch seinen gesamten Teppichboden für seine zwei Häuser unter die Plane gepackt habe. Natürlich ohne Zolldeklaration. Mir wird flau im Magen. Gerade haben zwei Zollbeamte ihren Dienstwagen verlassen, um auf der Baustelle die Zollplomben zu entfernen und die Verzollung vorzunehmen. Das erste, was sie zu Gesicht bekommen werden, müssen 150 Quadratmeter Teppichboden sein.
Was tun?
Ich ziehe Walter ins Vertrauen. Der Lastzug ist noch nicht eingetroffen. Uns bleibt eine Gnadenfrist. „Da gehst halt mit den Beiden zum Toni in die Kneipe und trinkst einige Wein mit ihnen. Den Rest mach I.“ Es regnet in Strömen und die beiden Beamten folgen bereitwillig meiner Einladung. Hoffentlich lässt die Ankunft unserer Türen und Fenster noch einige Gläser Wein zu! Ich animiere zum Trinken wie eine Barfrau in einer Oben-ohne-Bar. Und so Stücker fünf oder sechs schlucken wir in den nächsten zwei Stunden.
Der Boden ist tief aufgeweicht und Walter, der öfter nach uns schaut, vergisst nie, das schlechte Wetter zu kommentieren.
Während wir noch eine Runde „Weißer Storch“ probieren, lotst Walter den Lastzug direkt in eine Riesenpfütze. Dann meldet er das Eintreffen des Zollgutes.
Als wir vor die Tür treten, gießt es noch in Strömen. Rings um den Lastzug breitet sich ein vier Meter breiter und mindestens zwanzig Zentimeter tiefer See aus. Die Zöllner frösteln. Walter bietet sich bereitwillig an, todesmutig und die Gefahr einer Erkältung verachtend, die Zollplomben zu lösen und den Inhalt von Zugwagen und Anhänger genauestens zu überprüfen, während die Herren doch noch einen Schluck nehmen könnten, natürlich mit dem Herrn Direktor. Das bin ich.
Und was ich keinen Moment für möglich gehalten habe, geschieht. Zwar stark angeheitert, aber der Gefahr entronnen, kann ich mich zwei Stunden später auf meiner Couch im Büro von den Strapazen erholen. Walter hat seine Landsleute richtig eingeschätzt.
Ein Ass ist er schon, der Walter. Dies beweist er in einem anderen Falle einige Wochen später. Holger Kurz hat auch ein Ferienhaus gekauft. Er erbt eine größere Summe und eines Tages kriecht er nach langer Fahrt mit Frau und zwei Kindern aus dem PKW und meldet sich im Büro.
„Ihr braucht doch bestimmt noch einen kräftigen Handwerker. Ich habe meine Wohnung aufgegeben und beschlossen, hier in meinem Haus, in frischer Luft und dieser herrlichen Umgebung zu leben. Dabei habe ich mir vorgestellt, dass ihr einen Mann benötigt, auf den ihr Euch verlassen könnt.“
Ich kenne Holger von verschiedenen Baustellen aus Deutschland und weiß, dass man ihn an alle Arbeiten stellen kann. Er mauert, zimmert und bedient alle Maschinen. Und auf ihn ist Verlass, was wir von unserem technischen Geschäftsführer Adalbert Fleischer nicht behaupten können, seitdem er seine Vorliebe für die willigen Steirerinnen ausgebaut hat.
Holger erhält den Vorarbeiterposten. Wir sollten es auch keinen Moment bereuen. Nur manchmal geht sein Temperament mit ihm durch. Und die Folgen sind schwer voraussehbar. Holger misst knapp 190 Zentimeter, entwickelt Kräfte wie ein Grissly und ist dann kaum zu stoppen.
Ich habe ihm am Abend eine Prämie ausgezahlt und Holger hat prompt seine Mitarbeiter in eine Gaststätte eingeladen. Die Prämie muss wohl zu hoch ausgefallen sein, denn nach Mitternacht vergreifen sich unsere Arbeiter an den Leuchten, die über den Tischen hängen. Auch die Proteste des Wirtes und seiner Frau fruchten nichts. Als der Wirt ihnen Lokalverbot erteilt, schwingen die Lampen noch heftiger hin und her. Die übrigen Gäste, vier an der Zahl und alles kräftige Bauernburschen, versuchen, dem Wirt beizustehen. Das hätten sie unterlassen sollen. Das Ergebnis ist eindeutig. Während sich Holgers Kollegen aus der Keilerei heraushalten, setzt Holger als ersten mit einem Schwinger den Wirt aus dem Gefecht. Auch die vier Gäste haben gegen ihn keine Chance. Was sie nicht wissen können, Holger wurde bei der Bundeswehr zum Ranger ausgebildet. Die zwei ersten Angreifer fegt er über und dann unter die Tische, worauf der Rest die Flucht ergreift. Da diese sich aber im engen Türausschnitt verkeilen, wirft er den dritten über das Brückengeländer in den vor dem Haus fließenden Bach und kann auch noch den vierten mit Erfolg an der Flucht hindern.
Seine Bereitwilligkeit, sich selbst der Gendarmerie zu stellen, wird schlecht gelohnt. Ihm wird eine Verfügung der Sicherheitsdirektion Wien zugestellt, nach der er innerhalb von drei Tagen die Republik verlassen soll.
Hier hilft unbürokratisch unser Nationalrat. Mit einem Telefonanruf erreicht Sepp Hauer, dass die Ausweisungsverfügung bis nach dem Gerichtstermin zurückgestellt wird. Auflage: Dieses Urteil darf keine Freiheitsstrafe beinhalten und eine eventuelle Geldstrafe sollte nicht höher als dreitausend Schillinge betragen.
Wieder ist guter Rat teuer. Und wieder spielt Walter den rettenden Engel. Walter sitzt im Vorstand der Gesellschaft, die jedes Jahr den Großen Preis von Österreich auf der Rennstrecke in Zeltweg veranstaltet. Sein Kollege, der Rennleiter, spricht beruflich Recht am Sitz eines kleinen Gerichtes, das für Holgers Fall zuständig ist und zum Glück nur aus einem Richter besteht, eben diesem Rennleiter.
„Der Josef Hanflinger is a Mensch, mit dem Du reden kannst. Ich bring ihn mit zum Toni. Aber iss etwas Fettes. Der Sepp hat immer an Riesendurst. Da werden wir wohl kaum vor dem Morgengrauen nach Hause kommen.“ Es wird noch schlimmer, nämlich vormittags.
Einige Wochen später ist Termin. Wir, Walter und ich, sitzen in der vierten Reihe, vorn zusammengesunken unser Holger, mit Armensündermiene. auf der Bank neben ihm seine Gegner.
Der Sepp eröffnet die Verhandlung.
Fotos werden ihm überreicht, als Beweismittel. Als erster wird der Wirt vernommen, danach seine Frau und drei der Gäste. Sieht gar nicht gut aus für Holger. Der einzige, der still vor sich hinlächelt, als ob er mehr wüsste, ist Walter. Ich sehe Holger bereits die Sachen packen und zurück in die Heimat fahren.
Da wird der Vierte befragt: „Welchen Beruf üben Sie aus?“
„I bin Präsenzdienerl“ Mit diesem Ausdruck werden die Rekruten der österreichischen Armee bezeichnet.
„Was, und da sind Sie geflüchtet? Was soll denn im Verteidigungsfall mit der Republik passieren, wenn Sie sich derart feige verhalten? Wenn unsere Soldaten bereits bei einer Wirtshausschlägerei die Hacken zeigen, wo sollen wir dann im Ernstfall hinkommen?“
Der Herr Landgerichtsrat hat einen neuen Angeklagten gefunden. Walter stößt mir in die Seite. Ich kann das Lachen nicht mehr unterdrücken und pruste los. Ein strafender Blick des Landgerichtsrats lässt mich verstummen.
„Bitte erheben Sie sich. Im Namen des Volkes ergeht folgendes Urteil. Der Angeklagte Holger Kurz wird wegen Sachbeschädigung und leichter Körperverletzung zu 1.500 Schillingen verurteilt, zahlbar an das Rote Kreuz.“
Ich habe die Strafe sofort für Holger bezahlt.
Sepp Hanflinger aber trifft nur zehn Minuten später als wir in Tonis Kneipe ein. Er habe noch das Urteil diktieren müssen, meint er. Die Rechnung bei Toni übersteigt Holgers Strafe bei weitem. Sepp verabschiedet sich gegen Morgen. Eine Verhandlung wie im Fernsehen.
Königlich - Bayerisches Amtsgericht! Bekanntlich sind die Steirer vor einigen Jahrhunderten aus Bayern eingewandert. Vor diesem historischen Hintergrund wird diese Verhandlung jedem verständlich.

Nebelscheinwerfer gegen Grundbucheintrag
Ein neuer Besuch bei unserem Notar. Karl legt mir wortlos eine Rechnung über 1.28o Schillinge vor. Da hat jemand zwei Nebelscheinwerfer gekauft.
Wer? Natürlich der Notar selbst.
„Ich habe dem Grundbuchführer einen Gefallen tun müssen. Er hat mir euer zweites Grundstück dafür eingetragen“, strahlt er.
„Welches zweite Grundstück?“
„Nun, auf dem die Gesellschaft bereits seit sechs Monaten den zweiten Bauabschnitt errichtet.“
Die 1.280 Schillinge hat er sich bereits von seinem Notaranderkonto abgebucht. So habe ich also, wenn auch ohne direkte Beteiligung mitgeholfen, einen Grundbuchführer zu bestechen. Wenn das so weitergeht, werden bald einige Jahre schweren Kerkers zusammenkommen, dazu zusammen mit einem leibhaftigen Notar der Republik, der mit allen erdenklichen Weihen dieser Republik versehen ist.
Ich habe vor wenigen Tagen erst in der Bezirkshauptstadt in einem Innenhof des Gerichtsgebäudes meine Beobachtungen machen können. Meine gute Laune ist dahin. Die dort einsitzenden Gefangenen müssen selbst Kohlen und Holz schleppen. Sicherlich werden die Zellen noch mit Öfen beheizt. Ich muss Karl Boden bei nächster Gelegenheit danach fragen. Ob sie auch Doppelzellen haben? Dann könnten der Notar und ich Kriegserlebnisse austauschen. Denn einige Jahre kämen da schon zusammen. So etwas summiert sich, hab ich gelesen.
Wir bauten also seit einem halben Jahr auf einem Grundstück, das noch nicht grundbuchamtlich übertragen war, das uns gar nicht gehörte.
„Hast Du noch mehr Überraschungen?“ Mein Gesichtsausdruck muss ihn zur Vorsicht mahnen. Etwas stockend berichtet er, dass es da noch eine kleine Schwierigkeit gebe. Der Toni, also der Verkäufer, habe beim Kauf vor 14 Jahren eine Leibrente für die etwas „depperte“ Tochter des Vorbesitzers eintragen lassen.
„Dös san nur 350 Schillinge monatlich“, tröstet er mich.
Hervorragend, kann ich nur denken. Da haben wir also laut Kaufvertrag ein unbelastetes Grundstück gekauft und übernommen. Im Vertrag steht wörtlich: „Der Notar hat das Grundbuch eingesehen und keine Belastung in den verschiedenen Abteilungen festgestellt.“ Nunmehr, nach sechs Monaten, nachdem wir die Fläche bereits parzelliert und als Baugrundstücke weiterveräußert haben, stellen wir fest, wir haben eine alte Frau mitgekauft und in kleinen Teilen an unsere Käufer weiterveräußert.
So stelle ich mir modernen Sklavenhandel vor!
Sie sei allerdings bereits 72 Jahre alt und könne es nicht mehr lange machen, versucht mich Boden zu beruhigen.
Wenigstens ein Trost!
„Die Belastung muss herausl“, fordere ich unmissverständlich und Karl Boden sagt zu, in der nächsten Woche mit dem Vormund der alten Dame zu reden.
„Denn, beim Reden kommen die Leut’ z’ amm.“ Das muss ich schon einmal gehört haben.
Die Ablösung der Leibrente stößt wohl auf größere Schwierigkeiten. Nach zwei Monaten haben wir immer noch keine Löschungsbewilligung. . Der Notar scheitert am Vormund, der Schwester der Begünstigten, die sich weigert, überhaupt mit ihm zu sprechen. Schlimme Erfahrungen ?
Der Wick muss her, der Ferdl Wick.
Ferdl Wick residiert im ersten Stock des Gemeindeamtes als oberster Beamter, Amtsrat. Er strahlt Ruhe aus, mehr als das. Oberflächlich betrachtet, könnte man ihn für leicht vertroddelt halten. Zu Unrecht, wie ich bereits bei meinem ersten Gespräch bemerke. Ferdl ist ein Philosof, thront höchst selten auf seinem Sessel, dafür können ihn seine Freunde im Gasthaus treffen, gleich um die Ecke. Den Tisch vor ihm ziert ein Weinglas und das meist leere Campariglas. Aber Ferdl, ein echtes Schlitzohr, kennt alle von ihm Verwalteten, weiß um ihre Sorgen und Nöte und hilft wo er nur kann. Jeder vertraut ihm. Auch mir hat er manchen steinigen Behördenweg ersparen können.
Wir beide haben bald ein besonderes Verhältnis, treffen uns öfters zu einem kleinen Umtrunk, lästern über die Schwächen unserer Mitmenschen und so erfahre ich manche Interna über das Städtchen und seine einzelnen, oft so wichtigen Mitbürger. Ferdl vermittelt, indem er nichts oder nur wenig ernst nimmt, oder wenigstens die Atmosphäre durch Späße auflockert. Dabei zielen seine ironischen Beiträge nie auf einen seiner Kontrahenten, sondern stets auf sich selbst oder die Mentalität der Österreicher.
„Da muss was geschehen. Jetzt fang mer gleich an. Aber nur kaa Hektik und mit der Ruaa“, lautet sein erster Ratschlag für uns Deutsche. Ich habe fast jeden Tag Grund, an ihn zu denken.
Ferdl weiß bereits von Dr. Bodens vergeblichem Bemühen, die Leibrente gegen eine einmalige Zahlung abzulösen. Er ist auch darüber informiert, dass die als Vormund agierende Schwester mit dem Notar nicht sprechen will.
Dös bring I für Dich in Ordnung“, verspricht er, „am Wochenende ist das Problem aus der Welt.
Das Ergebnis: Toni muss eine einmalige Abfindung von 40.000 Schillingen zahlen. Der Eintrag kann gelöscht werden.
Sepp Hauer, unser Nationalrat, hat mich nach Wien eingeladen. Auf dem Programm steht ein Besuch des Parlaments und ein Gespräch mit dem Staatssekretär des Bundeskanzlers. Die Portiers kontrollieren meinen Reisepass. Ein Livrierter geleitet mich ins Fraktionszimmer der Sozialistischen Partei, wo Sepp mich den versammelten Parlamentariern einzeln vorstellt. Der große alte Mann der SPÖ, Pittermann, zu dieser Zeit noch Fraktionsvorsitzender, stellt mir einige kurze, präzise Fragen, ehe ich mit ihm in das eigentliche Parlament durch endlose Flure schreite. Mich beeindruckt seine direkte Art, mit der er sofort auf den Punkt kommt. Er versichert uns seiner Unterstützung bei unseren Verhandlungen mit der Nationalbank und rät mir, sofort eine Prüfung durch diese Bank zu beantragen. Hauer solle in seinem Auftrag intervenieren.
Das Gespräch mit dem Staatssekretär des Bundeskanzlers verläuft zufrieden stellend. Das Feriendorf sei wohl nicht mehr aufzuhalten. Er und der Kanzler begrüßten solche Initiativen, die den Fremdenverkehr in einem Notstands-Gebiet nur stärken könnten. Meine Ausführungen finden seinen Beifall. Das Konzept sei durchdacht und verspreche die beste Aussicht auf Erfolg.
Im Hotel belagern wir die Bar. Abgeordnete sind nicht nur in der Bundesrepublik Respektspersonen. In Österreich haben sie mit der Wahl gleichsam ihren Namen abgegeben, aber das persönliche ‚Du’ bleibt. Gute Bekannte sprechen sie nur noch mit „Herr Nationalrat“ an, was sich meistens dann so anhört: „Du, Herr Nationalrat, trinken wir noch eine Flasche von diesem exzellenten Wein?“ Wir öffnen an diesem Abend manche Flasche, denn Sepp hat sofort mit dem Generaldirektor der ÖNB einen Termin abgesprochen, an dem in der Siedlung Murtalblick unsere Lage geprüft wer¬den sollte. In drei Wochen sei es soweit, meinte er. Ohne seine Intervention hätten wir mindestens zehn Monate warten müssen.
Nun, die Prüfung würde feststellen, dass wir die Verträge vor dem Stichtag abgeschlossen haben und darum die restlichen Gelder einführen dürfen.
Wiederum werden alle Beteiligten nicht nur von mir, sondern auch durch den Nationalrat vom Ausgang seiner Verhandlungen unterrichtet. Optimismus kehrt zurück. Die Baufirmen und ihre Banken bitten uns, die inzwischen angelaufenen Verbindlichkeiten durch zwei Wechsel abzudecken. Meine Bedenken gegen diese Art der Finanzierung werden auch von den Direktoren der Banken vom Tisch gewischt. Sie seien zusätzlich bereit, diese Wechsel zu prolongieren, wenn sich das Ergebnis der Nationalbanksprüfung verzögere.
So schreiben wir beide quer, Adalbert Fleischer und ich. Drei Millionen Schillinge. Aber was macht das schon aus. Allein der Aufschlag der Mehrwertsteuer, die inzwischen auch in Österreich eingeführt worden ist, bringt uns mehr als die dreifache Summe. Der einstmals erwartete Gewinn aus dem Verkauf der Siedlungshäuser schmilzt zwar dahin, aber die von uns vorgelegten Zinsen werden auf die Eigentümer umgelegt, da der Notar als deren Treuhänder handelt.
Außerdem haben wir mit den Käufern der Häuser Verträge über die Vermietung für einen Zeitraum von fünf Jahren abgeschlossen. Das allein verspricht Einnahmen von ungefähr 320.000 DM pro Jahr. Die angeschriebenen Reiseunternehmen machen ihre Aufwartung und verhandeln über Belegung und Preise. Es wird kaum Kritik laut. Wir müssen aber auf Zeit spielen, solange die gegenwärtigen Schwierigkeiten nicht aus dem Wege geräumt sind.

Unser Steuerberater, Ludwig Musiliak, hat erreicht, daß auf die Siedlungshäuser keine Grunderwerbssteuern erhoben werden. Ein Hofrat Dr. Maier von der Landesregierung in Graz gibt uns dies schriftlich. Es handele sich bei der Konzeption und Ausführung um so genannte Arbeiterwohnstätten. Das Fehlen eines Kamins und der Einbau einer Elektrofußbodenheizung komme dem Umweltschutzgedanken der Landesregierung entgegen und sei zu begrüssen.
Diese Entscheidung würde weitere Gelder in die Kasse fließen lassen.
Wir harren der Prüfer.

Sie erscheinen an einem sonnigen Wintermorgen. Es hat einige Tage vorher geschneit. Unser Tal glänzt im Neuschnee, der allen Bauschutt gnädig unter einer weißen Decke versteckt. Zwei Beamte, aber ausgestattet mit drei Doktorentiteln, bieten vom Balkon meines Büros ihre braungebrannten Gesichter der Sonne dar und verschaffen sich von diesem Emporenplatz aus einen Überblick über unsere Siedlung, - etwas mitleidig, wie mir scheint.
Ich lasse sofort den Bürgermeister und den Nationalrat benachrichtigen, zu spät, die Buschtrommeln haben es ihnen schon gemeldet.
Der erste Tag vergeht mit einem Frage- und Antwortspiel. Die Herren wollen sich kundig machen. Wir setzen uns auf die Terrasse von Tonis Pension. Bürgermeister und Nationalrat betonen immer wieder die Bedeutung der Feriensiedlung für die Entwicklung des Fremdenverkehrs der Region und die beiden Prüfer lassen durchblicken, dass dies hier für sie eine Kleinigkeit sei. Aber so an die fünf bis sieben Tage werde die Prüfung in Anspruch nehmen. Kleine Fische. Sie kämen geradewegs aus Kärnten, wo sie 1.100 Appartements am Wörther See abgelehnt hätten.
Ich kann nicht sagen, dass mir einer der beiden Herren besonders sympathisch gewesen ist. Ich werde mir jedoch nichts anmerken lassen. Passieren kann nichts. Davon bin ich überzeugt.
Sepp Hauer scheint mir ab und zu eine bedenkliche Miene aufzusetzen. Sepp hat ein verdammt gutes Gespür für Menschen. Dies habe ich schon oft feststellen können. Oder ist nur sein eingefleischter Argwohn gegen Akademiker schuld daran?
Alte Sozialisten vermissen bei ‚Studierten’ den ‚Stallgeruch’, wie sie es nennen. Sie pflegen ein gesundes Misstrauen gegen manche dieser Aufsteiger, die rigoros Posten und Ämter stürmen und den Verdacht nie ganz ausräumen können, die Partei für ihrer Karriere zu missbrauchen.
Die Parteiführung aber schmückt sich mit diesen Aufsteigern. Haben sie doch das, was die Partei benötigt, um aus ihrem Getto ausbrechen zu können und ihren eigenen Minderwertigkeitskomplex gegenüber den bürgerlichen Parteien vergessen zu machen - überdurchschnittliche Bildung, Beredsamkeit und Ansehen in der Bevölkerung. Man schmückt sich mit ihnen, aber man liebt sie nicht.
Mich stört eigentlich nur der kaltschnäuzige Hinweis der beiden Prüfer auf das Kippen der deutschen Gesellschaft in Kärnten, die nun wohl Konkurs anmelden müsse.
Die Herren lesen sich durch unsere Akten, besichtigen die Baustelle, besuchen unseren Notar und lassen es sich ansonsten Wohlgehen. Das herrliche Winterwetter hält an und verführt dazu, einen Teil des Aktenstudiums auf den Balkon zu verlegen. Einen ganzen Tag müssen wir auf ihre Anwesenheit ganz verzichten.
„Die Bürschchen san Schilaufen, im Lachtal, „ kommentiert Walter sachverständig. Die tiefe Bräune ihrer Gesichter und Hände beweisen am nächsten Tag, Walter ist ein Kenner österreichischer Beamtenmentalität.
Abschlussbesprechung. In einer Stunde ist alles vorbei. Selbst Walter scheitert beim Versuch, ihnen eine Stellungnahme zu entlocken.
Gescheerte, Weaner!
So warten wir nun wieder. Eine Woche, zwei, drei, vier Wochen. Keine Nachricht von der ÖNB. Dafür an mich eine Strafverfügung der Bezirkshauptmannschaft.
Lapidar ist dort zu lesen, ich hätte 2 ½ Millionen Schillinge ohne Genehmigung eingeführt, damit gegen die geltenden Devisenbestimmungen verstoßen und müsse 45.000 Schillinge Strafe zahlen. Mir reißt der Geduldsfaden. Ich verfrachte unseren Starverkäufer Helmut Kaiser in meinen PKW und ab, Richtung Wien zur Nationalbank.
In der Strafverfügung stehen die Nummern der Grundstücke sehr säuberlich und gewissenhaft aufgeführt. Es handelt sich um die Häuser, die im zweiten Bauabschnitt errichtet werden sollen und für die wir noch nicht einmal die Anzahlungen erhalten haben. Ausgerechnet die Grundstücke, für die die ÖNB erst die Genehmigung erteilen soll, bezw. für die sie die Unbedenklichkeit des vorgenommenen Verkaufs und die Einfuhr der Devisen genehmigen soll, ausgerechnet für diese Häuser soll ich Devisen geschmuggelt haben.
Ich denke an eine Fehlbuchung unseres Steuerberaters. Aber Mussilak beruhigt mich. Seine Buchungskarten weisen für diese Bauvorhaben keinerlei Eintragungen aus. Wir schaffen die Fahrt in die Bundeshauptstadt in zwei statt der sonst notwendigen drei Stunden, kommen aber trotzdem zu spät. Der für uns zuständige Hauptabteilungsleiter hat se¬nen Büroschluss vorverlegt und sonst ist keiner zuständig.
Also, Übernachten. Wir haben im Hotel „Kummer“ Zimmer reservieren lassen. Der Name hat uns fasziniert. Er passt so recht zu unserem Befinden. Generationen vor uns müssen also mit ähnlichen Sorgen und Kummer gen Wien gereist sein. Das Hotel, eines der besseren Klasse, hat mindestens drei oder vier Generationen als Herberge gedient und die große Anzahl seiner Zimmer erhärtet meinen Verdacht: „Nomen est omen.“
Zu allen Widerwärtigkeiten kommt noch, dass keiner an einen Rasierapparat gedacht hat, so dass wir am nächsten Morgen bereits um neun Uhr in Reih´ und Glied beim Friseur sitzen. Nobelfriseur! Im zweiten Stock mit Blick auf den Stephansdom rasiert mich ein Herr Josef. Sogar seine Visitenkarte hat er vorher überreicht. Ob man da seine eigene ebenfalls übergibt? Und keiner da, den man fragen könnte. Es rächt sich immer, wenn man in der Wahl seiner Eltern nicht vorsichtig war, und sei es beim Friseur in Wien.
Helmut Kaiser wehrt sich erfolglos gegen das Maniküren seiner Fingernägel. Unser Herr Josef hat entschieden, dass dies notwendig sei. Bei der uns dann vorgelegten Rechnung runde ich großzügig auf. Herr Josef hatte Helmut mit ‚Herr Graf’ angesprochen. Das musste honoriert werden.
Dann treffen wir den Verantwortlichen für unsere Misere gegen zehn Uhr in seinem Büro.
Vorsichtig erläutere ich ihm den Stand der Dinge und weise darauf hin, dass gerade hier kein Devisenvergehen vorliegen könne, da noch keines der Häuser über das Kellergeschoss hinaus gediehen sei und uns doch allein auf Grund dieser Tatsache keiner der Eigentümer auch nur einen Schilling gezahlt hätte. Gerade wegen dieser Eigentümer hätten wir die inzwischen vorgenommene Prüfung freiwillig beantragt.
Ich glaube meinen Ohren nicht trauen zu können. „Ich stütze mich auf den Bericht meiner Prüfer. Herr Dr.Dr. Strom und Dr. Pratschy wollen das festgestellt haben. Die Verfügung ist zu Recht ergangen.“ Ich lege unsere Unterlagen vor. Keine Reaktion. Direktor Erlauer würdigt sie keines Blickes.
Helmut Kaiser, in unsere finanziellen Transaktionen eingeweiht, versucht, in unser Gespräch einzugreifen. Wir verlangen, die beiden Prüfer hinzuzuziehen. Wir waren auf dem Korridor Dr.Dr. Strom begegnet. Unser Ansinnen wird abgelehnt. Wir wollen den Generaldirektor sprechen. Der Herr „General“ urlaubt. Schade, dass unser Walter nicht mitgekommen ist. Walter wüsste wieder, wo und wie lange.
Während ich resigniere und daran denke, nunmehr wieder Sepp Hauer einzuschalten, stemmt Helmut in seiner Wut den langen Tisch hoch, um ihn dann fallen zu lassen und verlässt unter lautem Schimpfen den Raum. Ich folge grußlos.
Wir treten die Rückfahrt an, haben keinen Blick für die Landschaft und konzentrieren uns auf den Verkehr. Absicht? Behördenwillkür? Will man unser Projekt ebenso verhindern, wie die Appartements in Kärnten? Versuchen die Prüfer den „Ausverkauf der Heimat“ an Deutsche zu blockieren? Kommt die Weisung vielleicht sogar von oben? Spielen die eingeschalteten Politiker falsch, auch die auf Bundesebene?
Dem Sepp Hauer oder dem Bürgermeister können wir vertrauen. Werden sie ebenso genarrt wie wir?
Um es vorwegzunehmen, die Strafverfügung wird auch in der Berufung nicht zurückgenommen. Ich habe den angeforderten Betrag zähneknirschend zu bezahlen.
Einige Tage später halten wir auch das Ergebnis der ÖNB - Prüfung in den Händen. Negativ! Keine Genehmigung
Seit unserem Besuch bei Erlauer habe ich mit diesem Resultat gerechnet, mich aber gewehrt, mir dies einzugestehen.
Ich rufe alle Beteiligten zusammen, die Inhaber der Baufirmen, die drei Vertreter der Eigentümergemeinschaft, die Gesellschafter und die Direktoren der Banken. Gemeinsam suchen wir nach einem Ausweg. Die Stimmung ist gereizt. Hans Schreiner und Apfelstingl, die Vertreter der Baufirmen, verlangen Zessionen über die Restkaufpreise. Sie haben ihren Rechtsanwalt mitgebracht. Unser Gesellschafter, Rechtsanwalt Dr. Stahlberger, rät zu Servitutsverträgen mit den noch nicht im Grundbuch gewahrten Käufern. Aber wer wird einen solchen Vertrag unterschreiben?
Die Bankdirektoren, die noch vor wenigen Wochen Wechsel akzeptiert haben, erklären sich entgegen ihrer Zusage erst nach langen Diskussionen bereit, diese zu verlängern. Sie fordern nun, dass mindestens zwanzig Prozent der Schuld und die Wechselspesen von uns gezahlt werden. Ich spüre das Misstrauen fast körperlich. Wir haben ihnen alle unsere Unterlagen ohne Ausnahme vorgelegt. Sie müssen doch erkennen, dass wir alles nur Mögliche versucht haben. Kommt so das Ende?
Vielleicht können wir es gemeinsam schaffen, wenn jeder an den ihm zugänglichen Stellen und bei den Politikern Druck erzeugt. Schließlich sitzen wir in einem Boot.
Für die Gesellschaft bedeutet eine endgültige Ablehnung den Konkurs. Leicht könnten die Handwerker und Baufirmen in den Strudel hineingezogen werden. Auch die aufgenommenen Privatdarlehen sind dann verloren, wenn die Häuser unter den Hammer kommen. Das Wichtigste zum gegenwärtigen Zeitpunkt - Ruhe ausstrahlen und dadurch wieder Ruhe einkehren lassen.
Nachdem sich die Nervosität gelegt hat, wird ein neuer Schlachtplan entworfen. Zuerst sollen die örtlichen politischen Parteien eingeschaltet werden. Deren Vertreter müssen die Landtagsfraktionen und die Landesräte in unserem Sinne beeinflussen. Die wiederum müssen die Wiener Bundesregierung auf Trapp bringen, während Sepp Hauer den direkten Kontakt mit dem Generaldirektor der Nationalbank herstellen soll.
In einer anschließenden Gesellschafterversammlung diskutieren wir das Ergebnis dieser Versammlung. Wir haben zwar erreicht, dass die Geldgeber und Banken uns einige Wochen Zeit lassen. Jedoch bereits ein kleiner Zulieferer oder Handwerker kann uns umwerfen, da es immer schwerer wird, auch nur geringe Summen locker zu machen. Den Erlös aus dem Verkauf meines Hauses in Deutschland haben wir schon verbraten. Die Löhne und Gehälter für die Angestellten und Arbeiter sind für den nächsten Monat sicher. Gerhard, unserem Bankdirektor, bleibt keine andere Wahl. Er erhält den Auftrag, von den im Grundbuch eingetragenen Käufern weitere Abschlagszahlungen zu kassieren.
Gerhard schmeckt diese Aufgabe gar nicht.
„Und ich habe geglaubt, die Beine hochlegen zu können.“
Das hat er aber schon über zwei Jahre getan.
Von ihm sind kaum Anregungen gekommen.
Während Adalbert und ich an der Front kämpften, hielt er Brautschau unter den Töchtern Austrias und möchte im nächsten Jahr heiraten.
Die Gesellschaft muss durch eine neue Vertrauensperson vertreten werden. Nach längerer Diskussion einigen wir uns auf Rudolf Molle. Die Gemeindevertretung der Partnergemeinde in der Bundesrepublik hat ihn gerade wieder zum Beigeordneten gewählt. Er wird Generalvollmacht erhalten und als neuer Ansprechpartner für unsere Käufer, Gläubiger und Baufirmen fungieren. Nur so kann verlorenes Vertrauen zurückgewonnen werden, Vertrauen, das wir so dringend brauchen.
Ich kenne Rudolf seit mehreren Jahren. Er ist im Sudetenland geboren und hat eine gesunde Portion Sturheit geerbt, die er gezielt im rechten Moment einzusetzen weiß. Das kann unserem gesteckten Ziel nur dienlich sein. Bis die neuen Verhandlungen mit unseren verschiedenen Partnern zum Abschluss kommen, haben wir soviel Zeit gewonnen, dass es mit dem Teufel zugehen müsste, wenn die Genehmigung nicht in der Zwischenzeit eingegangen ist.
Der“ General“ hätte keinen Tag später kommen dürfen. Aus der Versammlung sind doch Einzelheiten nach außen durchgesickert. Eine kleine Zulieferfirma, die fünf Holzaufbauten auf die Fundamente gestellt und nur noch eine kleine Restzahlung zu erwarten hat, lässt durch ihren Rechtsanwalt Konkursantrag stellen.
Wegen 36.000 Schillingen, also ungefähr 5.000 DM sind alle unsere Mühen und Absprachen in Frage gestellt. Rudolf meistert die Situation mit der ihm eigenen Ruhe. Während Gerhard in der Zwischenzeit keinen der Käufer dazu bringen kann, eine weitere Abschlagzahlung auf bereits lange geleistete Arbeiten zu erbringen, erscheint Rudolf mit dem erforderlichen Betrag, zahlt ihn aus und erweckt so den Eindruck, die Firma sei wieder flüssig. Dennoch flattern uns Gesellschaftern die Hosen.
Unser „Bankier“ Gerhard, des Arbeitens entwöhnt und an seinen ruhigen Sessel als Zweigstellenleiter seines Instituts gewöhnt, bangt um seinen Arbeitsplatz. Nicht umsonst, wie sich später herausstellt sollte.
Adalbert Fleischer, der ‚Herr Baumeister’, dessen Ansehen bei den Schönen der Steiermark zu leiden beginnt, denkt mit Grausen an eine mögliche Heimkehr zu seiner Frau und den zwei Kindern. Marianne zählt sechs Jahre mehr als er, hat ihn früher wie ein Ausstellungsstück dekoriert, kann aber nicht verhindern, dass die jungen Österreicherinnen seinem Charme reihenweise erliegen. Zu Hause als Schichtleiter beschäftigt, kann er sich ein Leben als Angestellter ohne gleitende Arbeitszeit nicht mehr vorstellen. Alle die leiblichen Freuden und Genüsse würden entfallen. Nein, lieber hier der Erste, als in Hessen der weiß Gott wievielte - Caesar en miniature.
Mein Bruder Dieter, dessen Bedeutung und Anteil am Aufbau der Feriensiedlung sich mühelos am bisher Erzählten messen lässt, ist in Deutschland ebenfalls mit einer neuen Eroberung beschäftigt. Auch ihn hat die Sehnsucht nach Abwechslung gepackt. Das Geschrei von drei Kindern, nur unterbrochen von den Vorwürfen seiner Frau, kann einen Mann schon aus dem Hause treiben, zumal sich bei vielen Männern das Mitwirken an der Gründung einer Familie auf wenige kurze Zeitspannen zu meist nächtlicher Stunde beschränkt. Bei meinen häufigen Besuchen in der Heimatstadt stelle ich ein stetiges Abnehmen seines Interesses am gemeinschaftlichen Elektro-Installationsbetrieb fest.
Die für uns tätigen Monteure haben ihn oft tagelang auf keiner Baustelle gesehen.
Unser Versicherungsvertreter Navratil erbringt zwar erhebliche Vorleistungen in Form von immer neuen Finanzierungsplänen. Aber als durchführbar erweist sich kein einziger. Er bestellt schnell noch eine teure Einbauküche auf unsere Kosten für seine Ehefrau, einst das schönste Mädchen von Leoben, und zieht sich dezent zurück. Auch ein so martialischer Vorname wie Adolf, kann ihn nicht zum Durchhalten bewegen. Wir dürfen ihn immer seltener begrüßen.
Nur Dr. Stahlberger, der ebenfalls fünf Prozent des Kapitals hält, müht sich, ohne Hononar, aber auch meist vergebens, die nun auf uns zukommenden Prozesse mit mehr Haltung als Erfolg durchzustehen.
Eine hochoffizielle Gesellschafterversammlung wird einberufen, so, wie es das Gesetz vorschreibt. Adolf muss auf Rudolfs Geheiß einen Notar zuziehen, einen fremden, nicht unseren Dr. Karl Boden. Als Tagungsort wird ein Hotel erkoren, 22 Kilometer entfernt. Der Notar, mit Sekretärin und Schreibmaschine, überträgt aus unseren Pässen unsere Personalien ins Protokoll. Alle Gesellschafter und Geschäftsführer sind anwesend, dazu der Bürgermeister der Partnergemeinde, mein Freund Bert. Die Sitzung ist in wenigen Minuten zu Ende. Beschluss der Mehrheit: Die Gesellschaft soll Konkurs anmelden.
Unfassbar für mich. Zwei Jahre haben wir durchgehalten, uns gegen die Republik Österreich gestellt, gegen deren Beamte und viele Politiker. Zwei Drittel der Siedlung ist fertig gestellt. Wir haben lukrative Angebote der Reiseunternehmen. Unternehmer und Banken, sowie die Privatgläubiger haben uns eine weitere Frist gegeben. Und das soll alles umsonst gewesen sein?
Natürlich haben die anderen gut reden, haben kaum Arbeit und eigenes Geld investiert, aber jeder für diese Leistung und dieses Risiko wenigstens 40.000 DM bar entnommen und zusätzlich einen PKW für 22.000 DM auf Firmenkosten gekauft. Gerhard hat außerdem Handwerkerrechnungen in nicht unbeträchtlicher Höhe verrechnet, die beim Bau seines Hauses in Deutschland angefallen sind.
Der Verkaufserlös meines Mehrfamilienhauses ist voll in die Gesellschaft geflossen.
Ich habe meinen Wohnsitz in die Steiermark verlegt. Meine Familie bewohnt ein Haus in der Siedlung.

Weder Navratil noch Stahlberger haben auch nur einen Schilling für ihre Anteile gezahlt. Ihre jeweils fünf Prozent waren ihnen unentgeltlich übereignet worden.
Ich halte einen Konkursantrag zu diesem Zeitpunkt auch gegenüber unseren Käufern für verantwortungslos. Damit verlieren manche unter ihnen ihre gesamten Ersparnisse, während andere allerdings sorgenfreier ohne ihr Schwarzgeld leben könnten.
Die Baufirmen würden ebenfalls um ihren Lohn gebracht und vielleicht mancher kleine Handwerker mit uns umfallen. Ich denke an den Tankstellenbesitzer, der uns immerhin seit drei Monaten die Benzinrechnung stundet. Und außerdem sind da noch unsere Angestellten und Arbeiter, die auch in diesen schweren Monaten zu uns gestanden haben.
Meine Vorhaltungen fruchten nur wenig. Angst lähmt. Sie brauchen einen Sündenbock. Man verlangt meinen sofortigen Rücktritt. Nur dann seien sie bereit, mit dem Konkursantrag noch eine Weile zuzuwarten. Am härtesten argumentieren Dr. Stahlberger und Bert, der eigentlich in dieser Versammlung nichts zu suchen hat. Unser ‚General’ hält sich zurück.
Mir bleibt keine andere Wahl. Will ich den Konkurs verhindern, muss ich mich beurlauben lassen. Dieses Zugeständnis habe ich ihnen abgerungen. Ich werde lediglich in Urlaub gehen, für unbestimmte Zeit. Meinen Platz soll Adalbert einnehmen. Da Rudolf Molle nur an den Wochenenden in der Siedlung sein kann, weiß ich zu diesem Zeitpunkt bereits, dass mein Urlaub nur von kurzer Dauer sein wird.
Vielleicht halten sie es einen Monat durch. Adalbert ist den Anforderungen in keiner Weise gewachsen. Er wird sich während der Woche seinem Hobby widmen und am Sonnabend und Sonntag den Manager spielen. Im Büro würde nichts mehr laufen. Von Menschenführung hat er keine Ahnung. Walter würde ihn in den Sack stecken und Aurelia, genannt Reli, unsere Sekretärin, ihn jeden Tag wie einen Bären am Halsband vorführen. Beide, Walter und Reli, sind ihm geistig turmhoch überlegen. Es ist also nur eine Frage der Zeit, wann auch Rudolf dahintersteigen würde.
Außerdem sind mir alle Informationen zugänglich. Ich werde die Post mit Sicherheit eher lesen als Fleischer. Reli und Walter würden ihm seine Überheblichkeit nun zurückzahlen. Fleischer hat keine Chance.
Der Notar verlässt uns bereits nach einer Viertelstunde. Seine Rechnung wird sich auf über 3.200 DM belaufen.
Zurückgekehrt in die Siedlung nehme ich meine persönlichen Akten aus dem Schreibtisch.
Im Büro proben sie den Aufstand.
„Mit dem Herrn Fleischer arbeite ich nicht!“ Das ist Reli.
„Der Adalbert ist ganz und gar unfähig“, die Meinung Walters.
„Wir kündigenl“
Ich habe Mühe, beide zu beruhigen und zum Bleiben zu überreden. Dann stimmen mir beide zu. Es ist nur eine Frage der Zeit.
„Acht Tage“, meint Reli.
„Höchstens vierzehn“, ruft Walter empört. „Der Adalbert! Der Dampfinger! Der Nichtschwimmerl“
Nur meine Familie, anfänglich fassungslos über das unverständliche Verlangen der Gesellschafter, gewinnt der neuen Entwicklung gute Seiten ab. Wenn ich auch vom Büro zum Haus nur 120 Meter zu gehen hatte, war ich in den vergangenen Jahren selten zu Hause gewesen. Der Tachostand meines Pkws hat die Zahl von 130.000 km bereits überschritten und auf meinem vorigen Wagen habe ich auch 72.000 km im Dienste der Gesellschaft gefahren.
„Nun können wir uns die Steiermark und Österreich ansehen wie der Adalbert“, schwärmen meine beiden Söhne. „Der war auch die halbe Woche unterwegs.“
Es soll anders kommen. Die Schule lässt uns keine Zeit zu größeren Ausflügen. Ich sonne mich auf dem Balkon im Murtalblick, immer auf dem Laufenden gehalten von Walter und Reli, kann ihnen Anweisungen geben und manches Mal Schaden abwenden. Walter hat die Regie übernommen. Adalbert lässt ihn gewähren. Er ist wohl froh, Verantwortung delegieren zu können. Im Schadensfall hat er so einen Prügelknaben.
Rudolf bekomme ich am ersten Wochenende überhaupt nicht zu Gesicht, acht Tage später fehlen ihm einige Informationen und auch sein Vertreter, der Adalbert. Der hat für dieses Wochenende einen Ausflug nach Kärnten geplant und ist erst sonntags für seinen Generalbevollmächtigten zu sprechen.
Der Generalbevollmächtigte hat ganz schön zu rudern.
Eigentlich ist das auch meine Schuld. Ich habe einen Brief an alle mit unserer Sache befassten Politiker und Dienststellen versandt. Wie in Österreich üblich, beginnt dieser mit „Euer Wohlgeboren“. Ich fühle mich in die Zeit Maria Theresiens zurückversetzt und will mit „Sehr geehrte Damen und Herren“ oder „Sehr verehrter Herr“ beginnen. Aber Reli macht mir klar, dass sich allein durch diese Anrede das Klima verschlechtern würde. Also, „Euer Wohlgeboren“.
Aber dann kann ich mich nicht mehr dazu verstehen, diese vornehme Zurückhaltung und den devoten Ton beizubehalten. Ich schildere die Situation und wie sie ist, wie sie sich entwickelt hat und nehme kein Blatt mehr vor den Mund. Schlimmer kann es nicht mehr kommen.
Ich will die Politiker und Beamten aus ihrer unverdienten Ruhe aufschrecken. Alle Interventionen haben uns bis heute nicht geholfen. Wenn die Österreicher Wert darauf legen, zum deutschen Sprachraum zu gehören, dann wollte ich mit ihnen auch Deutsch reden.
Ich hatte vergessen, dass es ganz offiziell ein Österreichisches Wörterbuch gibt. Diese nach außen selbstbewusste Nation hat einiges anzubieten. Tomaten heißen Paradeiser, Gardinenschienen Karniesen, usw.
Mein Freund, der Oberamtsrat, hatte mir zwar bei seiner Deutung der Mentalität der Österreicher mit resignierendem Lächeln zu erklären versucht, dass hier eben alles anders sei: „Weißt Du, Charly, hier buckelt der Knecht, die Magd oder der Arbeiter vor dem Bauern oder dem Vorarbeiter, die wiederum um die Gunst ihres Bürgermeisters buhlen. Aber auch der weiß, dass öffentliche Gelder vom Land oder Bund nur über seinen Abgeordneten zu erhalten sind, dass Wohlverhalten am Platze ist, will er seine Wähler mit einem Schwimmbad, Kinderspielplätzen oder gar einer Schule beglücken.
Nicht selten werden öffentliche Einrichtungen nach noch im Amt befindlichen Ministern und Landesräten benannt. Solchermaßen zur Unsterblichkeit verurteilt, wird das Auge eines Landesrates oder Ministers mit Wohlgefallen auf demjenigen ruhen, der ihn bereits zu Lebzeiten den Olympiern gleichgesetzt hat und er wird sein Füllhorn ausgießen über dieser Gemeinde, deren Schule seinen Namen trägt.
In der Steiermark stellen die Parteien im Verhältnis ihrer Wähler die Landesminister, genannt Landesräte, wobei der schwarze Landesrat die ÖVP-Gemeinden, der rote die SPÖ-Gemeinden betreut. Proporz in der Demokratie. Und das Volk ist es zufrieden. Diese Einstellung bringt zwar keine tief greifenden Veränderungen, kommt aber dem Bedürfnis des Österreichers nach Ruhe und Ordnung, seiner konservativen Grundhaltung entgegen. Mir san mir“
Er hat wohl Recht.

An der Himmelspforte
Rückblickend hat die bis dahin über ein Jahrzehnt währende Herrschaft der Sozialisten in der Alpenrepublik keinen revolutionären Wandel gebracht. Alles blieb beim Alten.
An der Himmelspforte soll der Heilige Petrus wachen, damit kein Unberufener hineingelangen könne. In der Himmelpfortgasse in Wien bewachen gleich zwei Pförtner den Eingang des Finanzministeriums, ein Schwarzer und ein Roter. Nein, der Schwarze ist weder ein Afrikaner noch der Rote ein Indianer, der eine gehört der ÖVP und der andere den Sozialisten an.
„Bitte zu Herrn Loidolt, dem Sekretär des Finanzministers Dr. Androsch.“
Der eine Zerberus, vielleicht der Rote, vielleicht aber auch der Schwarze, zeigt mit dem Finger auf den Eingang.
„Zu Herrn Staatssekretär Dr.Loidolt“, versucht unser Generalbevollmächtigte zu präzisieren.
„Ist der jetzt Staatssekretär?“ erkundigt sich ein Türsteher beim anderen. „Kann scho sein“, erwidert der, „wer kriegt hier scho alles mit.“
„Gehn´s’ immer dem roten Teppich nach, die Treppe hoch. Wo der Teppich endet, geh’n Sie durch die Tür und melden S’ sich bei der Dame.“ Ich reiche ihm zwei Päckchen Zigaretten durch seine Tür.
„Vielen herzlichen Dank, die Herren!“
Wie ich die Verhältnisse inzwischen kenne, wird dies nicht unser letzter Besuch hier sein. Die beiden Pförtner sollen uns in guter Erinnerung behalten. Wie Recht ich habe, sollen die nächsten Monate beweisen.
Warum wir überhaupt das Ministerium aufsuchen, ist einer neuen Entdeckung des Bezirksfinanzamtes zuzuschreiben. Als ob wir nicht schon genug Schwierigkeiten hätten, findet dort ein kurzzeitig aufgewachter Beamter, dass unsere Häuschen doch der Grunderwerbssteuer unterliegen. Mehrfache Besuche und die Vorlage der bereits erwähnten Bescheinigung der Landesregierung können ihn in seiner Auffassung nicht beirren. Daran ändert auch die Entscheidung dieses Hofrats Dr. Maier ebenso wenig wie die Tatsache, dass inzwischen über zwei Jahre ins Land gegangen sind und damals die Unbedenklichkeitsbescheinigungen durch eben dieses Finanzamt ausgestellt wurden. Als Begründung für seine Entscheidung muss der fehlende Schornstein herhalten. Dass wir diesen mit Absicht weggelassen haben, um zukünftigen Rauch aus unserem Tal herauszuhalten, diesem Argument bleibt der Beamte unzugänglich.
Dass wir dies für den Schutz der Umwelt getan und dafür die sehr viel teuere Elektro-Deckenheizung eingebaut haben, dass diese Tatsache überall lobend Erwähnung fand, ist in seinen Richtlinien nicht vorgesehen. Pro Haus sollen wir über 35.000 Schillinge an der Kasse abliefern und das ein bisschen plötzlich. Alle Hinweise auf unsere augenblicklichen Schwierigkeiten fruchten nichts. Auch die Feststellung, dass die Kundmachung der Nationalbank eine Einfuhr der Devisen verhindere, kann den wackeren Amtsrat nicht zu einer Revision seiner Entscheidung bewegen.
Bald liefert uns der Postbote eine Pfandankündigung des Finanzamtes aus. Unser Einspruch fruchtet nichts. Keine Woche später darf ich den Vollstreckungsbeamten begrüßen. Nur schwer kann ich ihn davon überzeugen, dass pfändbare Gegenstände nicht zu haben sind.
Langsam aber stetig verdichtet sich nunmehr der Verdacht, dass wir auf verlorenem Posten kämpfen. Man scheint sich ein gemeinsames Ziel gesteckt zu haben, hat uns das Ende der deutschen Appartements Kärntens zugedacht.
Wir sollen systematisch fertig gemacht werden. Dabei werden auch keine Rücksichten auf die beteiligten österreichischen Unternehmer genommen.
Aber wo sitzen diese Halunken?
Ich zermartere mir den Schädel. Zu einfach und bequem ist mir diese Erklärung, zu sehr geeignet, von eigenen Fehlern abzulenken. Aber wo liegen unsere Fehler?
Haben wir nicht alles Menschenmögliche versucht, die Ent¬icklung in den Griff zu bekommen oder wenigstens aufzuhalten? Kann es sein, dass die Unterstützung des Bürgermeisters, des Natio¬alrats, und des Landtagsabgeordneten als reine Schau abgetan werden muss? Gibt es Kräfte, die mit allen Mitteln versuchen, die Siedlung in die Hand zu bekommen?
Diese Erklärung scheint mir zu einfach.
Mehr als die Hälfte der Käufer sind im Grundbuch eingetragen. Sie werden ihre Rechte mit Zähnen und Klauen verteidigen.
Aber warum häufen sich die Schwierigkeiten? Warum werden Zusagen nicht eingehalten? Wozu diese Verschleppungstaktik? Handelt es sich überhaupt um gezielte Maßnahmen, oder wollen wir selbst dies nur so sehen. Auf meine Mitgesellschafter kann ich mich nicht mehr verlassen. Sie sehen nur noch auf ihren eigenen Vorteil und überlegen, wie sie sich elegant aus der Verantwortung lösen können, ohne Position und eigenes Vermögen zu gefährden.
Gerhard denkt darüber nach, wie er möglichst schnell sein Haus verkaufen und den gesamten Erlös auf seine Frau übertragen kann. Vorsorglich hat er eine weitere Grundschuld über DM 100.000 auf den Namen seines Vaters eintragen lassen und begründet dies mir gegenüber mit der Behauptung, dass dieser in Eigenhilfe die Holzdecken eingezogen und die Fenster eingesetzt habe.
Allzu deutliche Absetzbewegungen, wie mir scheint.
Aber ich muss versuchen, sie auch weiterhin bei der Stange zu halten.
Das Gespräch im Finanzministerium gleicht allen bisherigen Gesprächen. Dr. Loidolt verspricht, dem Minister vorzutragen und vertröstet uns auf ferne Zeiten. Wir dürfen vorher auf den Rennaissance - Sesseln Platz nehmen, wobei Rudolf Molle besorgt deren dünne Beinchen in Augenschein nimmt, ehe er seine 220 Pfund vorsichtig darauf niederlässt. Trotz unserer Nervosität haben wir selten so ruhig gesessen. Kein Straßenlärm dringt von außen an unsere Ohren. Eine Stätte der Ruhe und Erholung, so richtig geeignet, sich vom Stress der Welt da draußen zu erholen, würdig nur Ministern und Ministerialbeamten. Und da erhoffen wir uns Hilfe? Wir stören die Beschau¬lichkeit österreichischer Beamter, behelligen sie mit unseren Sorgen und Nöten, kommen uns vor wie Einbrecher und Störenfriede. Fast könnte uns das schlechte Gewissen einholen.
Wir gehen mit der Versicherung: „Wir werden das Finanzamt anweisen, die Pfändung vorläufig nicht weiter zu verfolgen. Sie erhalten in Kürze Bescheid.“
Ein dürftiges Ergebnis. Nach unseren bisherigen Erfahrungen ist mit diesem in Aussicht gestellten Bescheid vor Weihnachten nicht zu rechnen. Und dabei zeigt der Kalender gerade Sommeranfang.
Von Wien selbst, von seinen Sehenswürdigkeiten, seinen Theatern und Museen haben wir bei unseren zahlreichen Besuchen wenig zu sehen bekommen. Grinzing und die Nobelheurigen mit den lauen Nächten bleiben uns verschlossen, mangels Zeit.
Kurz entschlossen wollen wir der Nationalbank noch einen Besuch abstatten. Die obligatorischen zwei Portiers verbinden uns telefonisch mit dem Sekretär des Generaldirektors.
Wir bitten ihn um einen schnellen Termin bei seinem Vor¬gesetzten. Er zeigt sich voll informiert und sagt uns für den nächsten Tag zu.
Und wieder übernachten wir in dem Hotel, dessen Name uns liebgeworden ist – „Kummer“. In der Halle und der Bar treffen wir interessante Gäste. Hier werden Ost-West-Geschäfte in großem Stil abgewickelt.

Beim Generaldirektor zum Cognac
Es ist schon etwas Besonderes, mit dem Generaldirektor der ÖNB persönlich zu sprechen. Das beginnt bereits beim Aufzug. Er hat einen eigenen, mit edlen exotischen Hölzern getäfelt, etwa zwei Quadratmeter im Geviert. Im Erdgeschoß öffnet uns ein Uniformierter die Tür. Sieht aus wie ein General oder Admiral. Mindestens!
Oben im vierten oder fünften Stock empfängt uns der Sekretär und führt uns in einen kleinen Saal, der sein Licht von Oberlichtern empfängt.
Wenige Minuten später betritt sein Chef den Raum Er entschuldigt sich für seine Verspätung. Aber welcher Generaldirektor erscheint nicht einige Minuten zu spät, um sich dafür entschuldigen zu können. Er lässt Cognac servieren, echten französischen, wie er sogleich erklärt.
Wenn der wüsste, dass Rudolf Molle nur französischen Cognac trinkt.
Wir berichten, zeigen die Schwierigkeiten auf und erklären, dass es eigentlich fünf Minuten vor zwölf sei. Er bittet uns um zwei Stunden Geduld. Er wolle seine Sachbearbeiter dazu hören. Gegen elf Uhr sollten wir ihn wieder aufsuchen.
Persönlich bringt er uns zum Fahrstuhl. Ich lasse mir von ihm die Tür öffnen. Unten angekommen reißt unser Admiral die Tür auf.
„Wer hat schon mit dem Generaldirektor der Österreichischen Nationalbank französischen Cognac getrunken und seinen Fahrstuhl benutzen dürfen?“ freut sich Rudolf, als wir die sonnenüberflutete Straße überqueren.
Ich verspüre ein anderes, ganz profanes Gefühl - Hunger. Am Morgen konnte ich vor Aufregung nicht frühstücken. Das wird nun ausgiebig nachgeholt.
Unser Engagement hat sich also gelohnt. Keinen Augenblick zweifeln wir an einem für uns günstigen Ergebnis. Der Generaldirektor kann eine neue Prüfung veranlassen, wenn er will.
Als wir wieder vor dem Gebäude ankommen, lässt sein Chauffeur bereits den Motor des Daimlers warmlaufen. Einer der Portiers teilt uns mit, dass der Herr Generaldirektor schon nach uns verlangt habe. Wir könnten sofort telefonisch mit ihm sprechen. Rudolf lässt sich verbinden und wiederholt jeden Satz: „Eine erneute Prüfung ist unnötig. Innerhalb der nächsten acht Wochen werden die Restriktionen gelockert, so dass Ihr Projekt zügig zu Ende geführt werden kann. Versuchen Sie, diese Zeit noch zu überbrücken.“
Eine gute Auskunft. so recht nach unserem Geschmack.
Alle Beteiligten hatten immer wieder erklärt, dass die von der Nationalbank ergriffenen Maßnahmen eher kosmetischen Charakter hätten und die Wirtschaft sehr darunter leide.
Das Wort des Generaldirektors hatten wir. Darauf mussten wir vertrauen können. Und die paar Wochen sitzen wir auf einer Backe ab.

Etwas außerhalb der Legalität, der Herr Kreisgerichtspräsident
Zurück in Murtalblick besucht uns am nächsten Tag Hansi Schreiner und bittet mich, seinem besten Freund unsere Siedlung und die Häuser zeigen zu dürfen.
„Ich möchte gern, dass Du dabei bist und ihn führst. Vielleicht kannst Du ihm das Projekt erklären und darlegen, wie ihr alles aufgezogen habt.“
Ich sage zu.
Am nächsten Nachmittag stellt mir Hansi einen älteren Herrn vor. Ich schätze sein Alter auf sechzig Jahre, eher etwas darüber. Dr. Gundolf. Der Name sagt mir nichts. Vielleicht ein Kollege von Hansi.
Dr. Gundolf interessiert sich für alles. Ob er auch einen der Verträge sehen könne, die der Notar mit den Käufern abgeschlossen habe?
Warum nicht?

Er liest die Texte der Treuhandverträge sehr aufmerksam, stellt einige Fragen und kennt auch die Kundmachung der Nationalbank. Dr. Gundolf ist Jurist, wird mir klar.
Ich lasse Kaffee kommen.
Wenige Augenblicke später summt meine Sprechanlage. Reli, meine Sekretärin, bittet mich in ihr Büro. Walter müsse mich unbedingt sprechen. Ich entschuldige mich bei meinen Gesprächspartnern und verlasse den Raum.
Walter ist nicht in Relis Büro.
„Weißt Du eigentlich, wen der Hansi da mitgebracht hat?“

Keine Ahnung.“

„Dr. Gundolf ist der Kreisgerichtspräsident. Dieses Gericht ist für unser Gebiet auch für Konkursfälle zuständig.“
Sieh da, Hansi, dieses Schlitzohr, unser „Freind“, wie er nicht müde wird, sich zu bezeichnen.
Ich lasse mir nichts anmerken, gebe bereitwillig Erklärungen und lasse den Herrn Kreisgerichtspräsidenten meine Akten sichten.
Nach zwei Stunden, inzwischen hat ein guter steirischer Wein unseren Kaffee verdrängt, lüftet der Herr Präsident sein Inkognito.
„Also, Hansi“, beruhigt er seinen Freund, „bei diesen Herren braucht Du keine Befürchtungen zu haben. Hier geht alles seinen sauberen Gang. Die Konstruktion der Verträge und der Gesellschaft zeigt eindeutig, dass keinerlei Betrugsabsicht besteht. Nur diese verdammten Maßnahmen der ÖNB, die keiner voraussehen konnte, sind für das augenblickliche Desaster verantwortlich zu machen. Wissen Sie eigentlich, wer ich bin?“
Er richtet seine Frage an mich.
Ob klug oder unklug, ich kann mir eine ehrliche Antwort nicht verkneifen: „Selbstverständlich, der Kreisgerichtspräsident.“
Hansi, unserem ‚Freind’, fällt fast das Glas aus der Hand: „Und das hast Du die ganze Zeit gewusst?“
„Nicht die ganze Zeit, aber seit mindestens zwei Stunden. Wir haben nichts zu verbergen. Deshalb konnte Dr. Gundolf auch alle Akten einsehen.“
Das befreiende Lachen des Präsidenten zeigt mir, dass er sich in seiner Rolle nicht wohl gefühlt hat.
„Hansi hat mich um eine Prüfung gebeten. Ich wollte ihm diesen Gefallen tun, obwohl dies nicht meine Aufgabe ist und etwas außerhalb der Legalität liegt“, entschuldigt er sich.
„Mein Schwiegersohn hat sich vor einem Jahr an einem ähnlichen Projekt beteiligt. Die Gesellschaft ist in Konkurs gegangen. Er hat über drei Millionen Schillinge verloren. Allerdings sind sie dort gar nicht soweit gekommen wie Sie. Die Restriktionen der Nationalbank haben das erfolgreich verhindert. Trotzdem habe ich veranlasst, den deutschen Geschäftsführer, einen Berliner, erstmal für ein halbes Jahr in den Hefen einsitzen zu lassen. Fluchtgefahr Wenn ihm auch keine Unregelmäßigkeiten nachgewiesen werden konnten, so hat er doch die Zelle von innen gesehen und war für sechs Monate aus dem Verkehr gezogen.“
Mit Hefen bezeichnen die Österreicher das Gefängnis.

Ob Dr. Gundolf merkt, dass mein Wein seine Zunge löst?
„Aber hier ist es anders, Hansi. Der Herr Direktor ist ein durch und durch ehrlicher Mensch. Auf den kannst Du Dich verlassen.“
Der Herr Direktor bin wieder ich. Man bewegt sich eben in feineren Kreisen.
Ich werde mich im Falle eines Scheiterns unseres Projektes auf Dr. Gundolfs über mich geäußerte Meinung nicht verlassen. Ich bin sicher, für seinen Freund Hansi und gegen einen Deutschen würde der Herr Kreisgerichtspräsident zum Wiederholungstäter.
Reli und Walter sind empört, als ich Ihnen von diesem Gespräch berichte.
„Du darfst keinem mehr trauen“ meint Walter. „Solange die Genehmigung der ÖNB nicht vorliegt, werden alle versuchen, sich von dem Kuchen ein Stück zu sichern. Du selbst genießt zwar noch ein hohes Ansehen, aber Murtalblick ist stark gefährdet. Sie gönnen uns den Erfolg nicht. Ein vergleichbares Feriendorf findest Du in ganz Österreich nicht.“
Wenn ich auch weiß, dass Walter hier übertreibt, kann ich ihm nicht ganz Unrecht geben. Unsere Planung vermeidet es bewusst, unsere Ferienhäuser in Größe und Abstand überzudimensionieren.
Das Verhältnis zwischen Kaufpreis und zu erwartender Mieteinnahme stimmt. Unsere geplanten Freizeitanlagen ergänzen die der Gemeinde und können von Gästen und Einhei-mischen genutzt werden.

Ich werde jedem vom Besuch Dr. Gundolfs erzählen und damit den Spieß umkehren. Jeder soll wissen, dass der Kreisgerichtspräsident unser Geschäftsgebaren als grundsolide bezeichnet hat.
Hansi Schreiner versucht, Vertrauen wieder aufzubauen. Er muss geflogen sein, um seinen Freund in Leoben abzuliefern und bittet mich zu einem Abendessen in Tonis Gaststätte. Seine Frau Inge hat er dabei. Es wird ein gemütlicher Abend, zumal einige unserer Käufer wieder einmal einen ruhigen Urlaub in ihren noch nicht bezahlten Häusern verbringen.
Natürlich kann ich mir nicht verkneifen, den Besuch des Herrn Kreisgerichtspräsidenten zu erwähnen und sein Urteil über unsere Gesellschaft bekannt zu geben. Hansi wird von allen Seiten unter Beschuss genommen. Selbst seine Frau Inge scheint mit seinem Vorgehen nicht einverstanden zu sein.
Gegen Mitternacht ist Hansi verschwunden. Wir suchen ihn mit Taschenlampen. Sein PKW fehlt. Inge hat er wohl vergessen. Als er nach einer weiteren Stunde nicht wieder eintrifft, biete ich ihr an, sie nach Hause zu bringen. Dort erwartet uns eine Überraschung.
Hansi empfängt uns stehend und nicht mehr ganz nüchtern. Er ist nicht zu bewegen, sich in den Sessel zu setzen. Dem Glastisch im Wohnzimmer fehlt die Tischplatte. Die einzelnen Bruchstücke hat er nur notdürftig zusammengekehrt. Hansi kommt geradewegs aus dem Krankenhaus. Dort wurden die Splitter aus einem Körperteil entfernt, dass der Mensch zum Sitzen unbedingt benötigt. Wie es zu diesem Unfall kam, ist nicht mehr zu rekonstruieren. Wir können Hansi nur mit Mühe davon abhalten, uns die verletzte Kehrseite zu zeigen.
„So straft der Herr die kleinen Sünden schon hier auf Erden“

Hansis gequälter Blick ist mir Genugtuung genug. Bedauern kann ich diese meine spontane Äußerung nicht, Mitgefühl nicht heucheln. Manche menschlichen Schwächen sollte man pflegen. Die Schadenfreude gehört diesmal dazu.

Noch immer keine Nachricht von Grubers Bank. Nach Auskunft seiner Treugeber in Liechtenstein hält er sich in England und Frankreich auf, soll aber in den nächsten Tagen nach Österreich kommen.
„Er muss unbedingt nach Wien, zur BAWAG und zur österreichischen Nationalbank. Außerdem soll er in Rohrmoos beim Hotel Hasler vorbeischauen. Der Inhaber benötigt unbedingt einen Kredit. Ich rufe Sie an und gebe Ihnen den Termin durch. Vielleicht können Sie sich mit ihm in Rohrmoos treffen.“ So die Auskunft Maechlers, seines Treurats.
Wartet Hasler immer noch auf sein Darlehen?
Was Maechler nicht wissen kann. Ich kenne Helmut Hasler, habe ihn durch Gruber kennen gelernt. Er hat im Jahre 1970 mit dem Bau eines großen Hotels begonnen, mitten in einem herrlichen Skigebiet. Stolz erheben sich die beiden dreieckigen, nurdachähnlichen Komplexe, verbunden mit einem eingeschossigen Trakt über dem bekannten Ferienort nahe der Planei. Aber die Restriktionsmaßnahmen haben auch hier dem Bauherrn einen bösen Streich gespielt. Während ungefähr die Hälfte der Appartements fertig gestellt sind und mit dem Schwimmbad und den Sportanlagen jährlich viele Gäste anziehen, ist der zweite Teil im Rohbau stecken geblieben. Um ihn zu vollenden, benötigt Hasler noch mehr als 7 Millionen Schillinge.
Gruber hat ihn vor einem halben Jahr nach Wien mitgenommen und ist bei einer Großbank vorstellig geworden. Damals hieß es, der Kredit würde im nächsten Monat ausgezahlt. Als Sicherheit soll eine von Gruber besorgte Bürgschaft einer Schweizer Großbank gelten, an die wie¬derum der Hotelier einen Teil seiner Mieteinnahmen abtre¬ten sollte.
Bei einem Besuch habe ich auch Frau Hasler kennen gelernt. „A liabs Dirndl“, meinte mein Freund Walter. Sie machte die Honneurs, empfing die Gäste und war deren Ansprechpartnerin während des Urlaubs. Hübsch, adrett, saß sie an einem der Tische in der Empfangshalle. Haslers haben einen Friseursalon und einen Verkaufsraum für Lebensmittel aller Art dem Hotel angeschlossen. Stolz berichteten sie mir, dass allein der Laden im vergangenen Jahr einen Umsatz von über anderthalb Millionen Schillingen erbracht habe, obwohl er nur vier Stunden am Tag geöffnet sei. Ich brachte so manche Erfahrung auch in unser Projekt ein. Auch wir werden Vitrinen in unserem Dorf aufstellen und diese an Kaufhäuser und andere Geschäfte in der Umgebung vermieten.
An Haslers Preisen können wir uns aber nicht orientieren. Dazu liegt Murtalblick zu weit abseits der großen Touristenströme und das Angebot an Freizeitanlagen lässt ebenso noch zu wünschen übrig. Aber so manche Anregung kann variiert und übernommen werden. Wir beschlossen damals, in Verbindung zu bleiben und vielleicht gemeinsam für unsere Objekte in der Bundesrepublik zu werben.
Wenn die Finanzierungsfrage dank Gruber gelöst sei, wollten wir uns wieder treffen.
Eigentlich müsste Hasler längst aus den Schwierigkeiten heraus sein. Auf meinen sofortigen telefonischen Anruf meldet sich jedoch niemand. Ich beauftrage Reli, es in den nächsten Tagen immer wieder zu versuchen.
Es gibt wieder Schwierigkeiten mit unserem Notar. Das Konto zeigt rote Zahlen. Geldeingänge sind nicht zu erwarten. Die Bausparverträge stehen nach seiner Aussage immer noch vor dem Annahme.
Bei einer Überprüfung der Buchhaltung stelle ich zusammen mit Mussilak fest, dass das Treuhandkonto aber noch einen Saldo von über 900.000 Schillingen zu unseren Gunsten ausweisen müsste. Die Leistungen hierfür sind ebenfalls erbracht. Ich telefoniere mit Dr. Boden. Er habe keinen Schilling mehr zur Verfügung. Wir prüfen erneut. Das gleiche Ergebnis. Unsere Berechnungen stimmen.
Zusammen mit dem Steuerberater überfalle ich Karl in seiner Kanzlei. Er habe einen dringenden Termin, würde sich aber freuen, wenn ich ihn morgen beehren würde. Er sei auf dem Sprung und müsse noch heute zur Notariatskammer nach Graz. Wir verabreden uns für den nächsten Tag.
Als ich in die Siedlung zurückkomme, erwartet mich voll Ungeduld Hansi Schreiner.
„Hast Du in der letzten Woche irgendetwas vom Notar gehört?“
„Ich komme gerade von ihm und habe morgen einen neuen Termin.“
„Aber nur vielleicht“, entgegnet er mit süffisantem Lächeln, „nur vielleicht. Er ist heute auf die Notariatskammer nach Graz bestellt worden. Morgen wirst Du wohl mit einem anderen Notar reden müssen. Dr. Boden wird vorläufig beurlaubt, bis über die gegen ihn vorliegenden Vorwürfe befunden ist.“
„Was liegt gegen ihn vor? Geht es um unser Projekt?“
„Nein, mit euch hat die ganze Angelegenheit nichts zu tun.

Untote leben nun mal in Österreich.

Und dann erzählt Hansi die ganze Geschichte:
„Es handelt sich um einen ganz merkwürdigen Fall. Auf den ersten Blick von geringer Bedeutung. Ein Einwohner aus einem Nachbardorf wollte ein Wegerecht seiner Nachbarn im Grundbuch gelöscht haben. Er beauftragte Dr. Boden damit. Dieser reichte die unterzeichnete Urkunde beim Grundbuchamt ein und dort wurde festgestellt, dass derjenige, der bei ihm vor wenigen Tagen unterzeichnet haben wollte, seit 1944 in russischer Kriegsgefangenschäft als vermißt gemeldet ist. Der Kreisgerichtspräsident Dr. Brunoldt wollte alles auf typisch österreichische Art aus der Welt schaffen und bot Boden an, gegenüber dem Gericht zu erklären, dass er sich getäuscht habe. Der aber blieb stur wie ein russischer Panzer und versicherte mehrmals, dass er mit dem Bauern erst vor acht Tagen gefischt habe. Auch ein Gespräch unter vier Augen brachte keine andere Erklärung. Deshalb mussten sie Dr. Boden vorläufig beurlauben und haben auch schon einen Vertreter bestellt, der die Kanzlei solange führen wird, bis die Unregelmäßigkeiten geklärt sind. Boden, und darauf kannst du dich verlassen, wird nicht wieder amtieren.“

Gute Nacht.

Hätte nicht Hansi die Neuigkeit gebracht, ich wäre versucht, alles für ein Gerücht oder einen schlechten Scherz zu halten. Welche Rückwirkungen wird diese Entwicklung für uns haben? Sicherlich wird im Zuge der Überprüfung auch Murtalblick in die Schusslinie geraden. Wer wird der Nachfolger? Hansi kann mir keine Antworten auf meine Fragen geben. Den Substituten kennt er persönlich auch nicht, wohl aber den Namen - Dr.Thaler. Es zahlt sich schon aus, wenn man gute Freunde hat, zum Beispiel einen Kreisgerichtspräsidenten.
„Dann hat Dr. Brunold, dein Freund, wahrscheinlich vermutet, dass auch mit unserer Gesellschaft etwas nicht stimmt, weil wir von Dr. Karl Boden betreut werden?
Hansi grinst: „Vermutlich. Aber du hast alle seine Bedenken zerstreut. Er sagte mir, dass bei euch alles okay sei.“
Gespannt betrete ich am nächsten Morgen die Notariatskanzlei. Dr. Bodens Vertreter, um die dreißig, begrüßt mich, stellt sich vor und teilt mir mit, dass ich Dr. Boden in seinem Bungalow aufsuchen solle. Er selbst benötige einige Tage der Einarbeitung und bitte mich, mit seiner Sekretärin einen Termin für nächste Woche abzusprechen. Er kenne unsere Schwierigkeiten, und biete sich an, diese zu beseitigen.
Also, schnell zum Bungalow unseres Notars. Die Frau Notar, wie sie sich anpreschen lässt, führt mich ins Wohnzimmer, wo hinter einem schweren Eichenschreibtisch unser Freund Karl über unseren Akten brütet. Alle Kaufverträge und Treuhandverträge sind fein säuberlich aufgelistet. Die bei ihm eingegangenen Anzahlungen wurden in eine gesonderte Kartei eingetragen.
Karl trägt den Kopf so hoch wie eh und je. Er habe im Augenblick zu kämpfen, aber es handele sich um Neider, die ihm am Zeug flicken wollten. Mit denen werde er fertig, - ganz allein.
„Wie Du siehst, habe ich alle Beträge an euch weitergeleitet, wie es die Verträge vorsehen. Die Kartei hat meine Frau geführt, die sich in solchen Dingen als Lehrerin besser auskennt als ich.“
Ich bitte darum, die Konten einsehen zu können.
Nach einigem Zögern und dem Hinweis, dass es sich um sein Treuhandkonto handele, in das er keinem Fremden Einblick zu geben brauche, reicht er mir die Unterlagen über den Tisch.
Ich gehe die einzelnen Posten durch.
Die Karten sind sauber beschriftet. Mir fällt auf, dass die Eintragungen alle mit demselben Kugelschreiber vorgenommen sind. Vermutlich ganz frisch. Ich streiche unauffällig mit dem Daumen über die Schrift. Sie verwischt. Ich lese die verschiedenen Posten langsam und laut vor.
„250.000 Schillinge für Anteil ENZO. Was ist das?“
Dr. Boden schrickt zusammen: „Das ist eine falsche Buchung.“ Und nach einer Weile: „Ich habe mich an einer Entwicklungsgesellschaft beteiligt, die ungefähr ein gleiches Feriendorf, dem eurem sehr ähnlich, bauen will. Da ich das als Notar nicht darf, hat meine Frau wohl die Kosten von eurem Konto abgebucht.“
Ich lese weiter.
650.000 Schillinge für Erstellen der Kauf- und Treuhandverträge.
Das kann stimmen, aber nun kommt es ganz dick. 850.000 Schillinge für die Durchführung dieser Verträge. Das kann doch wohl nicht angehen. Er hat sich die Gesamtsumme abgebucht, obwohl die Verträge noch nicht einmal durchgeführt sind, obwohl die Bausparverträge noch immer nicht abgeschlossen und die Abwicklung, und mit ihr wir, vollends in der Luft hängen.
Ich stelle ihn zur Rede und verlange noch heute die Überweisung der Beträge auf unser Konto.
Er verstehe unser Misstrauen nicht, nachdem er uns doch immer so bereitwillig geholfen habe. Ein Wort gibt das andere. Von Hilfe kann doch keine Rede sein, wohl aber von einer bodenlosen Schlamperei sicherlich.
Beim Weggehen verspricht mir seine Frau, die Beträge noch heute zu überweisen. Karl sei manchmal nicht mehr ganz zurechnungsfähig. Seine Kriegsverletzung mache ihm zu schaffen. Das sei auch kein Wunder, handele es sich doch um eine schwere Hirnverletzung. Mit einer Verschlimmerung müsse jederzeit gerechnet werden.
Nachtigall, ick hör dir trappsen!
Ich suche Adolf Navratil, unseren Gesellschafter, in seinem Versicherungsbüro auf und lade ihn zu einer Tasse Kaffee ein. Mein Bericht scheint ihm wenig Neues zu sagen.
„Du weißt, dass der Dr. Boden bei meiner Gesellschaft versichert ist. Für jeden Fall haften wir bis 500.000 Schillingen. Davon muss er jedoch zehn Prozent selbst tragen. Übrigens ist der Fall mit dem Bauern nicht das Einzige, was ihm die Behörden vorwerfen. In der nächsten Gemeinde hat er einen Verkauf protokolliert und den Vertrag vom Sohn des Verkäufers unterschreiben lassen, der zufällig den gleichen Vornamen wie sein Vater trägt. Der Vater hat ihn angezeigt. In diesem Fall haben wir bereits den entstandenen Schaden von 410.000 Schillingen anerkannt und kulant reguliert.“
Jeder scheint mehr zu wissen als wir. Auch Adi hält es nicht für nötig, uns über derartige Vorfälle zu unterrichten, obwohl er doch mindestens einmal in der Woche die Siedlung aufsucht. Richtet sich sein Schweigen gegen mich oder gegen die deutschen Bauherren? Dazu hat er aber doch gar keine Veranlassung. Verdient er doch ganz gut an den abgeschlossenen Versicherungen. Es scheint angezeigt, noch mehr Vorsicht walten zu lassen als bisher und misstrauisch alle Entwicklungen zu beobachten.
Adalbert entdeckt weiter Österreich. Seit drei Tagen ist er auf Achse. Er meldet sich nicht mehr ab. Hält er sich in der Siedlung auf oder badet er an einem der warmen Seen Kärntens? Er hat sich eine Nebenflamme in Zagreb zugelegt. Olga begleitet jugoslawische Reisegruppen, die in Abständen von wenigen Wochen in der Steiermark für einige Tage zu Besuch weilen. Kennen gelernt hat er Olga, als das kroatische Nationalballett hier gastierte. Er brachte sie dann in seinem PKW bis zur Grenze. Tüchtig geschwärmt hat er von ihr und seinen Heldentaten. Ob sich alles so zugetragen hat, wissen die Götter und die steirischen Wälder.
Der Nachfolger unseres Notars sucht unsere Akten. Dr. Thaler kommt ins Büro und verlangt die sofortige Herausgabe aller Notariatsakten. Er tritt bei Reli gleich ins Fettnäpfchen. Wieso er die Akten bei uns suche und nicht in seinem Notariat, wo sie hingehörten. Thaler droht mit der Staatsanwaltschaft und der Gendarmerie. Uns kann das nicht beeindrucken. Wir wissen, wo sich die Akten gestern noch befunden haben, bei seinem Vorgänger, auf dessen Schreibtisch in seinem Bungalow. Trotzdem lassen wir Thaler zappeln. Sein Auftreten verdient es nicht anders. Ich erkläre ihm, dass ich zu keinem Zeitpunkt im Besitz der Originale gewesen sei und dass er sich bei Übernahme des Notariats vom Vorhandensein auch unserer Akten hätte überzeugen müssen.
Er gibt zu, zu weit gegangen zu sein. Ich rate ihm, bei seinem Vorgänger nachzufragen, ohne diesen bloßzustellen. Einen Freund und Helfer werden wir an diesem Notarstellvertreter nicht haben.
Unseren ‚General’ macht die neue Entwicklung äußerst betroffen. Er lässt es sich zwar nichts anmerken, beruft aber immer häufiger Sitzungen ein. Sein Vertrauen zu Adalbert Fleischer nähert sich immer rasanter dem Nullpunkt. Wenn Rudolf nach einer Nachtfahrt mitgenommen und erschöpft aus dem Auto steigt, ist Albert für einige Zeit zur Stelle.
„Hast a Geld mitgebracht?“ lautet die erste Frage. Wird diese bejaht, so rechnet Albert zuerst seine Auslagen ab und lässt sich anschließend sofort einen Vorschuss auf sein Gehalt auszahlen. Seine Eskapaden verschlingen alle Vorschüsse. Erst an zweiter Stelle rangieren die weiteren Ausgaben und Zahlungen. Seitdem sich unser Verhältnis verschlechtert hat, kommt er nicht mehr jeden Tag zum Mittagessen in unser Haus. Rosemarie ist ihm deshalb nicht böse. Wir können auf ihn verzichten.

Liechtensteiner Polka

Gruber schneit unangemeldet in unser Büro. Walter fragt nach neuen Erkenntnissen. Aber Gruber antwortet ihm nicht und legt stattdessen neue Rechnungen für seine Bemühungen, vor. Er müsse sofort kassieren.
Walter führt ihn in mein Zimmer. Sein Gesichtsausdruck warnt mich. Gruber geht mich sehr massiv an. Er habe Leistungen erbracht, die wir nunmehr honorieren müssten. Nichts mehr von der früheren Verbindlichkeit in seiner Stimme. Ich habe das Gefühl, hier will einer nochmals schnell Kasse machen, will sich möglichst noch ein Stück des immer kleiner werdenden Kuchens abschneiden.
Ich reiße mich zusammen, bleibe höflich, bitte ihn Platz zu nehmen und frage nach dem Stand der uns zugesagten Kredite.
„Die Zusage ist unterwegs. Herr Direktor König von der Bank in Luzern hat die Schreiben bereits vor drei Tagen abgeschickt. Sie müssten jeden Tag eintreffen. Aber ich werde erst wieder für Sie tätig, wenn ich heute meine Aufwendungen und mein Honorar für die vergangenen Wochen erhalten habe.
Inzwischen hat Reli mir wortlos die Abrechnungen Grubers vorgelegt, ohne dass ich diese angefordert habe. Wir sind schon ein gutes Team. Jeder von uns denkt fuhr den anderen und springt auch für ihn ein.
„Hier ist Ihre letzte Abrechnung. 4.219,20 Schweizer Franken! Sie erhalten erst wieder Geld, wenn die Darlehen auf unserem Konto parken!“
Gruber will sich herausreden: „Die Schwierigkeiten waren eben größer als ich angenommen hatte.“
Er beißt auf Granit bei mir: „Aufgrund Ihres Vertrages werden auch die von uns Ihnen erstatteten Auslagen auf Ihren Provisionssatz von fünf Prozent angerechnet. Also, bringen Sie erst einmal Geld, dann erhalten Sie Ihr Honorar!“
Gruber ist stocksauer und verlässt das Büro. Ich werde sofort versuchen, über den Namen des Direktor König die Bank in Luzern herauszufinden. Ein Telex an unseren Rechtsanwalt in Graz und innerhalb weniger Stunden habe ich den Namen der Bank. Sofort melde ich ein Gespräch an.
Direktor König: „ Ein Herr Gruber von der WIFINA, Schaan, hat vor einigen Wochen bei mir vorgesprochen. Wir sahen jedoch keine Möglichkeit, ihm mit einem Kredit in dieser Höhe zu helfen, da wir uns auf die Ausgabe von Kleinkrediten spezialisiert haben. Er ist dann auch nach etwa einer halben Stunde wieder gegangen.“
Ich weise ihn daraufhin, dass mir ein Schreiben seiner Bank vorliege, in dem er eine Bearbeitung zusage und dafür Schuldanerkenntnisse der Käufer anfordere, die auch durch einen Frankfurter Notar angefertigt und Gruber zur Weiterleitung an ihn ausgehändigt wurden.
„Ein Brief derartigen Inhalts ist von uns nie an Sie geschrieben worden. Wir haben nicht einmal Ihre Adresse, da wir uns nicht in der Lage sahen, dem Ansinnen Grubers näher zu treten.“
Wieder eine Krisensitzung. Wir beschließen, uns Gruber gegenüber vorerst nichts anmerken zu lassen.
Unser Generalbevollmächtigter hat sich gut eingearbeitet. Wir haben uns aneinander gewöhnt. Eine andere Chance bietet sich auch nicht. Mit den anderen Gesellschaftern ist kaum eine Beratung mehr möglich. Gerhards Schwierigkeiten in der Bank scheinen sich zu vergrößern. Er sieht die Ursache in der Feriensiedlung begründet. Sein Alkoholkonsum nimmt gewaltige Ausmaße an. Im Kofferraum seines Wagens transportiert er stets mindestens einen Kasten Gerstensaft. Bei unseren Zusammenkünften stellt er ihn neben sich und fordert uns fleißig und unermüdlich zum Mithalten auf. Unsere seelische Belastung verführt. Wir müssen aufpassen, nicht ins gleiche Fahrwasser zu geraten. Gerhard kann trinken, ohne zu schlucken. Er lässt es laufen.
Ein Naturtalent!
Dieter sitzt mit sorgenvoller Miene dabei. Auf seinen konstruktiven Beitrag warten wir vergebens. Er hat wohl auch andere, familiäre Sorgen, ist hin und hergerissen zwischen Jugend und der eigenen Frau. Dabei lichtet sich sein Haarschopf bedenklich. Und nun behelligen wir ihn mit unserem Projekt. In die Gesellschaft aufgenommen habe ich ihn damals nur auf Drängen meiner Mutter. Damals, als alles so erfolgreich begann. Sie wollte auch ihren zweiten Sohn am Erfolg teilnehmen lassen. Verständlich, aber ich hätte es besser wissen müssen.
Auch Adalbert empfindet es oft als Zumutung, wenn er aus seinen privaten Vergnügungen an die raue Wirklichkeit erinnert wird. Mit Grausen denkt er an eine mögliche Rückkehr nach Hanau. Hier liegen ihm, dem Herrn Baumeister, die Frauen zu Füßen oder in den Betten. Blonde, Braune, Schwarzhaarige. Sein Sechszylinder tut ein Übriges.
(und, bei mir auch und ich war kein Baumeister, sondern nur Sunnyboy)

Wenn es nicht die viele Arbeit gäbe, könnte man manchmal neidisch werden! Österreich, ein Land der Sinnesfreudel Hier ist er wer! Es mag lächerlich klingen, aber nicht nur auf mich wirkt sein Gesichtsausdruck von Tag zu Tag wichtiger und bedeutender. Das gibt trotz der ernsten Situation oft Anlaß zu allgemeiner Heiterkeit, nicht nur bei unseren Mitarbeitern, sondern bald auch bei unseren Käufern. Ein Mißerfolg wäre für ihn gleichbedeutend mit der Rückkehr in die Mittelmäßigkeit, ja, Bedeutungslosigkeit. Er trägt schwer an den täglichen Unwägbarkeiten und flüchtet sich in seine privaten Ausflüge, die ihn überall in Österreich hinführen, selten allein.
Adolf Navratil, unser Wiener, hat seine Geschäfte in und mit der Feriensiedlung hinter sich. Er soll bei Klagenfurt eine Eigentumswohnung erstanden haben, wohin er sich über die Wochenenden zurückzieht. Eine Erholung für uns! Denn von Montag bis Freitag nervt er uns durch seine dauernden Fragen nach dem einzig Lebens- und Liebenswerten, dem Geld, und wie er selbst daran kommen könnte. Er ist zweifellos ein erfolgreicher Versicherungsagent, weiß die Menschen zu nehmen und zu überzeugen. Wir sollen ihm bei unseren Käufern in seiner Akquisitionstätigkeit unterstützen, was wir ablehnen.
Nicht ganz so sicher bin ich mir in dieser Hinsicht bei Adalbert, der ihn oft privat aufsucht. Aber hier zu recherchieren, davon lasse ich lieber die Finger. Offenen Krieg innerhalb der Gesellschaft wäre das Letzte, was wir jetzt noch vertragen könnten. Adi, wie Adolf genannt sein will, bleibt eine Randfigur, sein Einfluss übersteigt zwar oft die fünf Prozent Anteil an der Gesellschaft, kann aber trotzdem immer in ungefährlichen Grenzen gehalten werden.
Unser Rechtsanwalt, Dr. Stahlberger, der seinen Eintritt und Einfluss dem Darlehen seines Klienten Dr. Mennige verdankt, mischt sich nur auf Verlangen ein. Das Darlehen ist erstrangig abgesichert. Er kennt die Machtverhältnisse innerhalb der Gesellschaft und akzeptiert sie. Seine Versuche, über die Chase-Manhattan-Bank unsere Liquiditätsprobleme zu lösen, haben zu keinem Ergebnis geführt. Nach einem Vorstoß beim Dachverband der steirischen Raiffeisenbanken, der ebenfalls ergebnislos verläuft, nimmt er nur die nun auf uns zukommenden Gerichtstermine war, ohne uns diese zu berechnen, obwohl die meisten Prozesse verloren gehen und bald nur noch deshalb geführt werden, um Zahlungsziele zu verlängern. Eine kostspielige Methode, aber für uns die einzige anwendbare.
Obwohl uns die Herren im Wiener Finanzministerium eine Frist zur Erledigung der angeforderten Mehrwertsteuer zugesagt haben, habe ich schon wieder den Vollzugsbeamten zu Gast. Wir kommen prima miteinander aus. Pfändbares ist nicht mehr vorhanden. Wir haben alle Gegenstände von Wert für bestehende Verbindlichkeiten abgetreten. Unsere Schreibtische, Schreibmaschinen, Kopierer und Werkzeuge hat die Arge als Sicherheit erhalten. Adalberts Zeichenmaschinen sind an die Lieferanten zurückgegeben. Er besaß zwei davon, wie mir schien wohl mehr als Statussymbol, der Herr Baumeister. Sie waren kaum gebraucht, wie neu. Kein Wunder bei seiner häufigen Abwesenheit.
Auf den Vornamen Georg hört der Beamte, der sich jede Woche einige schöne Stunden in unserem Tal verschrieben hat, oder ist es sein Hausarzt, der ihm diese Kur angeraten hat? Wir sitzen dann in Tonis Gaststätte. Jede andere Tätigkeit wäre sinnlos.
Georg entwickelt einen gesunden Durst. Oder dörrt die Zuckerkrankheit seine Kehle derart aus? Für die Kosten dieser Arzneien, also für Bier, Wein und Schnaps kommen wir auf, nicht nur, um die Krankenkasse zu entlasten. Fruchtlose Pfändungsversuche mit Protokoll können einen Pfandmeister schon nerven, und das alle Woche wieder.
Die Wochenenden verleiten unsere Gläubiger magisch dazu uns zu beehren. Sie wissen, dass dann der Generalbevollmächtigte mit Geldern anzutreffen ist. Er wird ungeduldig erwartet.
Goodwill-Tour, denn Neues kann auch er nicht bieten. Immer noch keine Nachricht von der Nationalbank, kein günstiger Bescheid vom Finanzamt, keine Nachricht von Grubers Banken aus der Schweiz oder aus Liechtenstein, keine Zahlungen unserer Schuldner, der Käufer, auch nicht von denjenigen, die dank Dr. Boden im Grundbuch abgesichert sind.
Sein Nachfolger teilt uns in dürren Worten und wenigen Sätzen mit, dass sich Karl Boden in die Psychiatrische Abteilung des Grazer Landeskrankenhauses zur Beobachtung begeben habe. Das könne etliche Wochen dauern. Solange sehe er sich nicht in der Lage, in unserer Sache tätig zu werden. Im Übrigen unterstehe er der Notariatskammer in Graz und beziehe seine Weisungen von deren Präsidenten, solange damit gerechnet werden müsse, dass Vorgänger gesunde und die Kanzlei wieder übernehmen könne. Unsere Akten hätten sich wieder gefunden.
Da deckt einer den anderen. Eine Vorsprache bei der Notariatskammer verläuft ohne Ergebnis.
Der Herr Präsident bedauert, aber er müsse sich erst einmal kundig machen und das nehme verständlicherweise einige Zeit in Anspruch. Rudolf und ich versuchen eine weitere Geldquelle aufzutun, die Versicherung des Notars.
Dass wir daran nicht eher gedacht habend Die Notarversicherung muß zahlen. Dr. Boden ist für jeden Einzelfall bis zu 500.000 Schillinge versichert. Das sind umgerechnet 70.000 DM pro Einzelfall. Davon muss er zehn Prozent selbst tragen. Er ist nachweisliche seinen Verpflichtungen gegenüber unseren Käufern und uns nicht nachgekommen. Also, muss die Versicherung für den Schaden aufkommen.
Unser Freund Navratil sorgt für einen schnellen Termin bei der Landesdirektion in der Grazer Annenstraße. Bei herrlichem Wetter lassen wir unseren PKW über die Serpentinen hoch zum Gaberl und auf der anderen Seite hinunter nach Salla, über Köflach nach Graz rollen. Der Ausblick von der Passhöhe könnte uns für alle Trübsal entschädigen, aber weder der ‚General’ noch ich haben einen Blick für die grandiose Schönheit dieser Landschaft.
In Graz bedeutet man uns, wir seien an der falschen Adresse. Die Höhe der Forderungen mache einen Besuch in Wien notwendig. Nur dort könne die Entscheidung fallen. Wir sollten alle unsere Unterlagen nach Wien senden. Von dort erhielten wir Bescheid. Das kann nach meinen Österreich-Erfahrungen Monate dauern.
„Wir fliegen nach Wien, gleich am nächsten Mittwochl“ meint Rudolf.
Ich muss ihm Rechtgeben. Unsere Lage verschlechtert sich von Tag zu Tag. Eine weitere Verzögerung können wir uns nicht leisten.
Dr. Fritsche ist Direktionsbeauftragter der Versicherung, der Mann also, der darüber entscheidet, ob der Versicherungsfall eingetreten ist oder nicht. Nach sorgfältigem Aktenstudium, so teilt er uns am Nachmittag mit, sei er der Meinung, dass seine Versicherung zahlen müsse. Wir sollten uns an die Kasse begeben und einen Scheck gleich mitnehmen.
„Und welche Summe wird auf diesem Papierchen stehen“, frage ich ungeniert.
„Die Zahl 420.000“, lächelt er, denn wir sind zu der Überzeugung gekommen, dass es hier im Gegensatz zu Ihrer Meinung nicht um 63 Fälle, sondern nur um einen Fall handelt, da die Verträge alle gleich gelagert sind und den gleichen Wortlaut haben. Wir sind für eine schnelle und kulante Regulierung in ganz Österreich bekannt und wünschen auch diesen Fall sofort abzuschließen. Sie müssen mir nur noch auf diesem Formular bestätigen, dass damit alle Ansprüche der Gesellschaft und der Käufer gegenüber Dr. Boden abgegolten sind.“
„Ich glaube, mich tritt ein Pferdl Alle 63 Verträge wollen Sie mit diesem Butterbrot von nur 420.000 Schillingen aus der Welt schaffen? Es handelt sich um 63 Einzelverträge, die mit einzelnen und zwar verschiedenen Käufern abgeschlossen sind, allerdings vom gleichen Notar.“
Das ist der Gipfel der Unverfrorenheit:
„Dann müssen wir das Gericht entscheiden lassen. Es bleibt Ihnen der Klageweg, wenn Sie meiner Entscheidung nicht zustimmen können. Ich habe Ihnen eine schnelle Regulierung angeboten.“
Wir fliegen ohne Scheck zurück. Selbst wenn wir wollten, auf die Ansprüche unserer Kunden können wir nicht verzichten.
Die nötigen Mittel für diese Reihe von Prozessen haben
wir nicht. Die Versicherung ist gut informiert worden von unserem Freund Navratil. Aber können wir ihm seine Handlungsweise wirklich ankreiden? Hier verdient er seine Brötchen, mit uns hat er nur seine Geschäfte gemacht.
Wir mobilisieren die letzten Reserven, leihen bei Freunden, nehmen persönliche Kredite auf, verkaufen das bezahlte Baumaterial, führen diese Summen illegal nach Österreich ein. Alle Anstrengungen verpuffen wie ein Tropfen auf dem heißen Stein.
Eine kurz anberaumte Gesellschafterversammlung kommt nun einstimmig zum Beschluss, Vergleich anzumelden. Wir informieren die Banken und unsere Baufirmen. Genau genommen haben wir uns längst strafbar gemacht. Illiquide ist die Gesellschaft schon seit sechs Monaten, obwohl gegen die Käufer noch Forderungen von mehr als 15 Millionen Schillingen ausstehen. Aber weder Rundschreiben noch Eigentümerversammlungen können die Mehrheit der Käufer dazu bewegen, ihre Verpflichtungen zu erfüllen.
Sie stehen wie ein monolithischer Block.
Selbst die, denen wir in der Vergangenheit über manchen finanziellen Engpass hinweggeholfen haben, denen wir Anzahlungen gestundet und Nachlässe gewährt haben, sind nicht davon zu überzeugen, dass wir nunmehr auf eine schnelle Zahlung ihrer Rückstände angewiesen sind. Sie weigern sich in der Hoffnung, bei einem Konkurs der Gesellschaft durch Verhandlungen mit dem Konkursverwalter noch günstiger zu fahren.
Wieder rächt sich die Nachlässigkeit des Notars, unsere Restforderungen nicht auf den Grundstücken abzusichern.
Wenige Ausnahmen bestätigen die Regel.

James Last in der Steiermark

Zu denen, die ihr Ferienhaus voll bezahlt haben, gehört Gerhard Hügel. Immer, wenn Leistungen ausgeführt sind, können wir uns einen Scheck abholen. Gerhard hat eine gewisse Ähnlichkeit mit James Last, dessen Bigband zu dieser Zeit überall Furore macht.
Sein Kinn schmückt ein immer korrekt geschnittener Bart. Seine blonden Haare trägt er nach der Art seines Ebenbildes lang und glatt gekämmt. Er fährt große Wagen eines bayerischen Herstellers und ist durch Autotelefon stets mit der Außenwelt und vor allem seinem Betrieb verbunden.
So stiehlt er sich öfter während des Jahres einige Wochenende, die er in der Steiermark verbringt.
Es bleibt nicht aus, dass wir gemeinsam so manche Verantaltung heimsuchen. Auch zur Fassnacht hat uns der Bürgermeister eingeladen. In der Schulturnhalle spielt eine Kapelle auf und zu vorgerückter Stunde verrät der Fremdenverkehrsobmann der staunenden Menge, dass James Last unter ihnen weile. Die Stimmungswogen gehen hoch. Wir drängen den widerstrebenden Gerhard aufs Podium. Dann stürmen wir nach vorn, um Autogramme zu fordern und reißen so die Einheimischen mit.
„Ist das wirklich James Last?“

„Natürlich, schau ihn doch an!“

„Wie kommt der hierher?“

„Durch die Deitschen, der will ein Haus kaufen!“
Und Gerhard unterschreibt. fleißig mit dem Namen seines Doppelgängers. So hüten einige Steirer bestimmt noch heute das Autogramm eines James Last, der bürgerlich korrekt Gerhard Hügel heißt und mit James Last nur die Ähnlichkeit gemein hat.
Aber die Kapelle hat er großartig dirigiert.
„Daran erkennt man eben den großen Musiker“, ist bald die einhellige Meinung.
Gerhard aber lädt nach seinem Riesenerfolg ganze Völkerscharen an die Bar ein: „Darauf wollen wir einen ballern! Als Norddeutscher aus Stade halte ich mich an die Klaren.“ Gerhard trennt fein säuberlich das s von den folgenden Konsonanten.
So kommt es wie so oft. Der trinkfeste Norddeutsche muss seine Partner öfter austauschen. Er hält seinen Platz wie eine knorrige Eiche. Ein echter Niedersachse eben! Dass er einige Stunden später sein cremefarbenes Dinnerjackett samt Oberhemd und Krawatte und vor allem die Brieftasche sucht, ficht ihn nicht an. Alle diese Utensilien haben seine Freunde für ihn aufbewahrt. Es fehlt kein Schilling. Gerhard feiert in seinem Häuschen rauschende Feste und kann am nächsten Tag mit völlig unschuldiger Miene fragen, wer denn seine Wohnzimmertür mit einem großen Loch verziert habe.
Wenn sich in Tonis Kneipe abends einige Käufer zu einem flotten Umtrunk sammeln, lässt er alle, vor allem die Männer, an seinem reichen Erfahrungsschatz teilhaben: „Was soll ich Euch sagen, Ihr wisst es ja alle selbst. Egal, mit welcher Frau ihr im Bett liegt, eines haben alle gemeinsam - kalte Füße.“

Gerhard ist eine Kanone, und wie bei dieser liegen Rohrkrepierer immer im Bereich der Möglichkeit.
„Unser norddeutsches Nationalgericht heißt Grünkohl mit Pinkel. Und dazu lade ich euch alle für morgen Mittag herzlich ein.“
„Was ist Grünkohl?
„Was ist Pinkel?“
Keiner der Österreicher kann sich darunter etwas vorstellen.
„Kommt alle morgen Mittag zum Toni. Chefkoch Hügel wird euch bekochen!“
Dreizehn Gäste hat er so eingeladen. Alle warteten geduldig des großen Ereignisses.
Eine Stunde, zwei Stunden.
Wer nicht kommt, ist Gerhard Hügel. Der hat seine Gäste vergessen und ist bereits in Richtung Heimat unterwegs.
Der hessische Bürgermeister Bert: „Du, Charly“, er meint mich, „gestern habe ich mit euerer Frau Doktor in Tonis Kneipe lange zusammen gesessen.“
„Mit welcher Frau Doktor? Es gibt keine Frau Doktor unter unseren Käufern.“
„Selbstverständlich war es eine Medizinerin. Sie hat doch von ihrer Praxis gesprochen und sich auch nie gegen die Anrede Frau Doktor gewehrt.“

Walter Kinder schüttelt ein Lachkrampf, der uns alle mitreißt, obwohl wir den Grund noch nicht kennen. „Ist sie sehr hager, so etwa um die Fünfzig?“ Er verschluckt sich, hustet und steigert damit unsere Spannung.
„Bert, Du hast eine Fußpflegerin zur Ärztin befördert. Das ist auch für einen Deutschen in Österreich eine beachtliche Leistung“
Marianne, die Frau eines Lohnsteuerprüfers, und mit einem unstillbaren Drang zu Höherem, behandelt Hornhaut und Hühneraugen. Außerdem bildet sie sich zur Heilpraktikerin aus. Sie muss Berts „Frau Doktor“ ungemein geschmeichelt haben.
Zwei unserer Käufer besuchen seit Jahren die Steiermark. Alle Jahre wieder kuren sie in Dr. Grumpels Sanatorium in der Nähe der Landeshauptstadt drei bis vier Wochen lang bei drei Tage alten Brötchen, viel Mineralwasser und Kräutertee, natürlich zu erklecklichen Preisen. Sie haben allerhand Sonderwünsche, halten aber die abgeschlossenen Kaufverträge in keinem Punkt ein. Selbst die Anzahlungen bleiben aus. Das bringt uns weitere Schwierigkeiten, denn von den Kaufverträgen können wir nicht zurücktreten, ohne gleichzeitig gegenüber der Nationalbank einen Anspruch auf Genehmigung und freie Einfuhr des Kaufpreises aufzugeben.
Im Schwäbischen ist Robert Schuck zu Hause. Er fabriziert Feuerwerkskörper. Als er vom Vergleichsantrag der Gesellschaft erfährt, besteht sein einziger Kommentar aus dem Satz: „Wie gewonne, so zeronnen.
Das isch moi dritter Verluscht in dem Jahr nach einem Hotelappartement im Harz und einem Schiff, das untergange isch. Das isch Gottes Ratschluss.“ Aber so reagieren bei weitem nicht alle.

Hermann Nagel hat NUR zwei Grundstücke gekauft. Er sei alter Handwerksmeister und könne sich die Häuser günstiger bauen. Lange geschieht nichts. Dann lässt er die Holzaufbauten von der Arge aufstellen.
„Aber die Planung und den Innenausbau übernehme ich selbst.“
Seine vorgelegten Pläne lassen uns kichern, Kinderzimmer so groß wie Einbauschränke. Über seinen Innenausbau vergeht uns das Lachen. Fröhlich verwendet er Schaltafeln und Bohlen unserer Baufirmen, die sich darüber wundern, dass ihr Baumaterial rapide abnimmt, immer wenn Hermann mit seinem Bautrupp an seinem Haus arbeitet. Dabei vergisst der Schlaumeier, dass alle Bretter mit dem Firmenzeichen versehen sind. Wir können nur mit Mühe einen Prozess verhindern und die Geschädigten veranlassen, ihre Anzeige zurückzuziehen.
Hermann: „Meinen Arbeitern werde ich zu Hause die Köpfe waschen. Wie kann man sich nur an fremdem Eigentum vergreifen!“

Der Vergleich wird angemeldet
Rudolf fährt mit Adalbert zum Konkursgericht nach Leoben. Dr. Schuberth wird zum Konkursrichter und Dr. Frank Lehar zum Vergleichsverwalter bestimmt. Schuberth hat schon manchen Sturm erlebt. Er kennt die Siedlung, informiert sich kurz über unsere Schwierigkeiten und ist ansonsten der Meinung, dass die ÖNB ihre Restriktionen in Bälde lockern müsse. Dann könnten wir den Vergleich aufheben und das Objekt fertig stellen.
Dr. Lehars Kanzlei in Altmarkt stellt das Gegenteil von der Dr. Bodens dar. Das Haus steht trotz seines Alters in der Hoffnung, dass der Nachfolger des Seniors baldigst mit einem größeren Fall betraut werde. Und dieser Glücksfall ist eingetreten. Unsere Gesellschaft verspricht ein lukratives Geschäft zu werden, wenn schon nicht für deren Eigentümer, so mit Sicherheit für den Vergleichsverwalter. Soviel steht heute schon fest und dementsprechend fällt auch unser Empfang aus.
Die Möbel sind ererbt vom Ururgroßvater. Nur der Salon, in dem wir Platz nehmen dürfen, ist kürzlich neu möbliert worden mit Pseudo-Rokoko.
Lehar Senior, 83 Jahre alt, sehr rüstig und geistig rege, sieht ebenso wie sein Sohn die Abwicklung problemlos. Bis es zum Abschluss eines Vergleichs komme, seien die finanziellen Engpässe überwunden und außerdem werde man, gestützt auf die große Erfahrung des Seniors, völlig kostenlos unsere Außenstände über Prozesse hereinholen.
„Die säumigen Zahler werden sich wundern. Wir werden umgehend klagen und sofort die Häuser mit Hypotheken belasten und deren Versteigerung betreiben.“
„Wir haben alle Unterlagen sichergestellt und aus Ihrem Büro entfernt. In den nächsten drei Wochen müssen diese von uns gesichtet werden, denn der erste Termin wurde auf den 23. Oktober festgesetzt. Wir werden sodann den Gläubigern einen Vergleich von 4o Prozent anbieten und sind überzeugt, dass diese zustimmen werden. Wir müssen Sie aber um Ihre Mitarbeit bitten. Dafür ist es notwendig, dass sich zwei Geschäftsführer durchgehend hier in der Gegend aufhalten. Am Besten beginnen wir gleich morgen früh um neun Uhr. Es wird eine Heidenarbeit auf uns zukommen.“
Ich werde schon wieder misstrauisch. In den vergangenen Jahren bin ich vielen von diesen „Dampfingern“ begegnet, wie diese Sorte bei Walter Kinder heißt. Von ihrer unwahrscheinlichen täglichen Arbeitsleistung sprechen sie fortwährend, von ihrer Angelleidenschaft, die sie an vielen Tagen des Jahres packt, selten.
„Die gehen aber ran.“ Adalbert blickt bewundernd von einem zum anderen, und gleich darauf auf die Beine der Sekretärin. Ich kann sicher sein, Adalbert wird sich hier als wertvolle Hilfe entpuppen.
Ich werde aber sicherheitshalber Walter mit einschalten, wenn ich verhindert sein sollte.
In einer Pause beginne ich, die Ordner zu sortieren. In unserem Büro werde ich nichts mehr vorfinden, auch kein Schreibpapier und keine Prospekte. Hierher ist einfach alles verlagert worden, was in den Schränken und Schreibtischen vorhanden war. Was wollen die Anwälte denn mit Küchenprospekten und Teppichproben?
Nachdem wir alle noch belehrt worden sind, dass nunmehr jeder Schriftverkehr über das Anwaltsbüro zu laufen habe, und dass wir keine Zahlungen mehr entgegennehmen dürften, werden wir zur Tür geleitet.
„Haben Sie außer Ihren Konten noch Barreserven?“ kommt die Frage vor der Haustür. „Wir benötigen unbedingt in den nächsten Tagen ungefähr 150.000 Schillinge, um überhaupt anfangen zu können.“

Rudolf schüttelt den Kopf: „Die Gesellschaft hat keinen Schilling mehr außer dem Kassenbestand im Büro.“
Das waren genau 129 Schillinge und 40 Groschen. Ich kann mir ein Grinsen nicht ganz verkneifen. Die beiden wittern Geld.
„Leider darf ich nun auch nicht mehr bei den Kunden in der Bundesrepublik kassieren, obwohl die uns noch allerhand Mäuse schulden“, stellt Rudolf im Weitergehen fest, „Sie haben es mir vorhin verboten. Aber wenn Sie die Käufer anschreiben, bin ich sicher, dann kommt Geld ins Haus.“
Die Beiden bitten uns wieder in den Salon und beraten kurze Zeit im Nebenzimmer.
Rudolf erhält eine Bescheinigung, die es ihm erlaubt, Beträge entgegenzunehmen, aber nur unter der Voraussetzung, dass er sie sofort an die Vergleichs-Verwalter weiterleitet.
Mir drängen sich Parallelen zwischen unserem Notar Dr. Boden und Gruber auf. Geil auf das Geld der anderen. Ausnahmegenehmigungen, zum Vorteil des eigenen Geldbeutels.
Misstrauisch bin ich geworden in den vergangenen Monaten. Der Junior, als Vergleichsverwalter völlig ungeeignet zur Durchführung eines solch komplizierten Verfahrens.
Er muss mit den Spezialisten der Nationalbank, mit denen des Finanzamtes und mit den Vertretern unserer Baufirmen verhandeln, mit Erlauer, mit Hofrat Dr. Wucher und vor allem mit Hansi Schreiner. Die sind ihm haushoch überlegen, ausgetragene Kinder. Wie will der mit seinen 28 Jahren und seinem Grazer Doktortitel unsere Interessen wahrnehmen?
Aus meiner Studienzeit ist mir noch eine Redewendung in Erinnerung. Es gäbe verschiedene Doktortitel, den Dr. dent., den Dr. med, den Dr. theol., den Dr. phil. und den Dr. graz. Die ersten vier erwerbe man durch Studium und anschließende Promotion, den letzteren durch einen Spaziergang über den Campus in Graz.
Die nächsten drei Wochen sind wir vollauf beschäftigt. Die Doctores Lehar wünschen verschiedene Aufstellungen, die bis zum Vergleichstermin unbedingt vorliegen müßten. aber immer, wenn diese abgeschlossen sind, müssen sie umgstellt, nicht selten nach ganz anderen Gesichtspunkten geordnet werden.
Je länger wir so beschäftigt werden, umso unsinniger erscheinen mir die Arbeiten. Warum prüfen sie nicht eine der vielen für die Banken bereits gefertigten Unterlagen und verwenden diese für ihre Spielchen? Ihr Arbeitsstil ähnelt dem Grubers. Geschäftigkeit um jeden Preis. Österreichische Geschaftlhuberei! Ich enthalte mich zwar jeder derartigen Äußerungen, es verstärkt sich bei mir aber mit jedem neuen Tag der Eindruck, dass beide über keinerlei kaufmännische Kenntnisse verfügen und sich ihre Erfah¬rungen in der Abwicklung von Vergleichen und Konkursen in den¬gleichen engen Grenzen halten.
Dies beiden fügen sich nahtlos in die Reihe der Experten ein, die sich für uns in der Vergangenheit verwandt haben. Ob es hier eine Absprache gibt, die besten Fachleute Österreichs ausgerechnet für unsere Gesellschaft freizu¬stellen?
Heute ist der 23. Oktober. Der große Saal des Gerichtsgebäudes ist bis auf den letzten Platz gefüllt.
In der ersten Reihe sitzen Adalbert und ich als die verantwortlichen Geschäftsführer. Gerhard und Dieter haben sich diesen Auftritt erspart. Sie hatten keinen Urlaub erhalten, waren unabkömmlich. Damit hatte ich gerechnet. Neben mir hat Rudolf die Unterlagen ausgebreitet. Ich halte nach unserem Vergleichsverwalter Ausschau. Dr. Lehar junior ist nirgends zu sehen. Sein Vater unterhält sich mit dem Konkursrichter. Der eröffnet die Sitzung. Noch immer von Lehar junior keine Spur.
„Hiermit eröffne ich die Verhandlung gegen die Gesellschaft auf Eröffnung eines Vergleichs. Gleichzeitig teile ich Ihnen mit, dass sich der Vergleichsverwalter Dr. Lehar junior im Urlaub auf Teneriffa befindet und von seinem Vater, Herrn Dr. Lehar senior, vertreten wird.“
In diesem Augenblick weiß ich, dass mich meine trüben Ahnungen vor drei Wochen in Lehars Haus in Altmarkt nicht getrogen haben. Wieder zwei Spezialisten! Wir kämpfen ums nackte Überleben der Firma und unser Vergleichsverwalter sonnt sich mit Braut auf den Kanarischen Inseln. Dazu wahrscheinlich für unser Geld, denn Rudolf hat ihm vor einigen Wochen fast 15 000 D-Mark überwiesen - Urlaubsgeld?
Hinter uns haben einige Eigentümer Platz genommen. Uns werden die Anmeldungen überreicht. Zuerst die der Baufirmen. Keine stimmt mit unseren Aufstellungen überein. Alle weisen höhere Beträge aus. Wir ersuchen um eine Unterbrechung der Sitzung, die auch gewährt wird. Bei Lehar senior machen sich Ausfallserscheinungen bemerkbar. In seinem hohen Alter wird die Belastung für ihn zu hoch. Wir hätten ihm falsche Zahlen untergeschoben. Wir kontern mit der Feststellung, dass sein Sohn die Zahlen überprüft und für richtig gefunden habe.
„Wo ist er überhaupt! Wie kann er in Urlaub gehen, wenn Sie von den ganzen Vorgängen keinen blassen Dunst haben? Warum hat er Sie nicht eingeweiht? Was wird hier überhaupt gespielt? Es ist seine erste Vergleichsverhandlung und er glänzt durch Abwesenheitl Hat wohl Angst und schickt seinen Vater. Welchen Eindruck erweckt sein Verhalten bei den Gläubigernl“
Solche und ähnliche Fragen und Behauptungen prasseln innerhalb weniger Minuten auf den Alten nieder. Er reagiert empört, droht, das Mandat niederzulegen, tut es aber doch nicht. Der Konkursrichter versucht zu vermitteln: „In dieser Versammlung wird sowieso nichts weiter passieren. Ich habe mit den meisten Gläubigern gesprochen. Sie sind mit einem Vergleich einverstanden. Die nächste Sitzung wird nicht vor einem halben Jahr einberufen.“
Er überreicht uns weitere Anmeldungen. Ich traue meinen Augen nicht. Es handelt sich um Anmeldungen unserer Eigentümer!
Fast alle haben Forderungen zwischen 20.000 DM und 40.000 DM, sogar bis 60.000 DM gestellt, obwohl keiner von ihnen sein Haus bis heute bezahlt hat.

Wir sind alle geschockt. Keiner hat damit gerechnet. Walter heult vor Wut. Gerade er, der sich in der Vergangenheit um diese Leute besonders gekümmert hat, ihnen jeden Wunsch von den Augen abgelesen, viel von seiner Freizeit geopfert hat, ist maßlos enttäuscht.
„Gutheit ist Dummheit!“ wiederholt er immer wieder.
Wir werden aufgefordert, zu den Anmeldungen Stellung zu beziehen, sie entweder anzuerkennen oder abzulehnen. Wir lehnen alle ab.
Trotzdem entscheiden sich bei der Abstimmung alle für den Vergleichsvorschlag, alle bis auf einen, nämlich unseren Installationsmeister, dessen Restforderung sich nur noch auf etwas aber zweitausend Schillinge beläuft, der aber für sein Verhalten einen guten Grund zu haben scheint. Er soll für seine schlampige Arbeit Ersatz leisten.
Der Vergleich wird angenommen.
Wir haben Zeit gewonnen, mehr nicht. Der Konkursrichter sieht sich jedoch veranlasst, einen Gebarungsprüfer zu bestellen, da die Unterschiede zwischen den angemeldeten und den anerkannten Forderungen teilweise gravierend sind. Gutachter sollen die bestrittenen Anmeldungen auf ihre Richtigkeit überprüfen.
Draußen auf dem Gang nehme ich mir meinen „Freind“ Hansi Schreiner zur Brust, ehe er sich heimlich davonschleichen kann. Die Arge hat über drei Millionen Schilling zuviel angemeldet. Aber typisch Hansi: „Die Aufstellungen hat Ingenieur Apfelstingl angefertigt und, wie er sagte, mit euerem Adalbert überprüft.“
Ich suche Adalbert. Er muss mich wohl beobachtet haben. Sein PKW fehlt. Er lässt sich bis zu unserer Abfahrt nach Deutschland nicht mehr sehen. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Er kann uns auf die Dauer nicht aus dem Weg gehen. Spätestens am nächsten Wochenende wird er unseren Generalbevollmächtigten wieder fragen: „Hast a Geld mitbracht?“ Und auf dessen Antwort bin ich gespannt.
Hansi Schreiner hat mir versprochen, Durchschriften sämtlicher Rechnungen der Arge nach Deutschland zu schicken, und zwar noch heute. Ich habe schon gleich nach dem Besuch des Kreisgerichtspräsidenten sämtliche Unterlagen in Österreich fotokopiert und in unser Büro in die Bundesrepublik gebracht. Jeder Kaufvertrag, jede Rechnung und jedes Schreiben befindet sich in Kopie in meinem Besitz. Ich habe es vor den anderen geheimgehalten, um keine zusätzliche Unruhe auszulösen.
Die Aussagen Dr. Brunolds klingen mir noch in den Ohren: „Ich habe diesen Deutschen erst einmal in den Hefen gesteckt. Wir konnten ihm zwar keinen Betrug nachweisen, aber ein halbes Jahr war er aus dem Verkehr gezogen.“
Rudolf traut Albert nicht mehr über den Weg.
Wir sprechen aber ab, dass wir ihm weiter freundlich begegnen werden, bis wir die Beweise für sein Falschspiel in den Händen haben. Rudolf verdächtigt ihn, Gelder der Gesellschaft in die eigene Tasche gesteckt und überhöhte Rechnungsbeträge ermöglicht zu haben. Die uns von der Arge übersandten Rechnungskopien deuten darauf hin. Da ist eine Rechnung über 85.000 Schillinge für die Lieferung von Mutterboden, die zum ersten Male auftaucht. Ob dieser Mutterboden jemals geliefert wurde, kann nicht mehr überprüft werden. Unser „General“ wird immer misstrauischer. Er hat Adalbert einige Schecks für dessen persönlichen Gebrauch ausgehändigt und überprüft, bei welcher Bank diese Schecks eingelöst wurden. Wir stellen fest, dass Adalbert bei einer kleinen Raiffeisenkasse in Neubrugg ein Konto unterhält, von dem niemand Kenntnis hatte.
Es kostet nur einige kleine Geschenke und Rudolf weiß, dass über dieses Konto mehrere höhere Beträge geflossen sind.
Die Bilanz zum Ende des Jahres 1974 zeigt auf allen Posten Negativsalden:
Dr. Boden, noch in der Psychiatrischen Anstalt, sein Nachfolger ohne Interesse, da kein Geschäft zu erwarten ist. Von Gruber und seiner WIFINA kein Lebenszeichen mehr. Er hat sich seit unserer Auseinandersetzung nicht mehr gemeldet.
Die Nationalbank hält an ihrer Politik des knappen Geldes fest und verhindert damit bewusst, den „Ausverkauf der Heimat an Ausländer“.
Das Finanzministerium in Wien kann sich zu keiner Weisung an das Finanzamt Judenburg durchringen, seine Steuerforderungen bis zur Klärung im Vergleich zurückzustellen. In den Anmeldungen stehen diese Forderungen an bevorrechtigter Stelle, müssen ebenso wie die eingetragenen Grundschulden zu 100 Prozent beglichen werden, und gefährden dadurch die Durchführung dieses Vergleiches erheblich, obwohl über ihre Rechtmäßigkeit keinesfalls entschieden ist.
Und dazu hat man uns einen Vergleichsverwalter bestellt, der uns wie ein Müllstein am Hals hängt. In einem Gespräch mit einem renommierten Rechtsanwalt lässt dieser durchblicken, dass bei diesem Kollegen ein Vergleich unseres Ausmaßes von vorn herein zum Scheitern verurteilt sei.
Der Gebarungsprüfer, ein amtierender Finanzbeamter, erstellt eine komplette neue Buchhaltung. Er hat Schwierigkeiten, von unserem Steuerberater alle Unterlagen zu erhalten. mehrfach muss er anmahnen. Schließlich lässt der Vergleichsverwalter einen Gerichtsbeschluss erwirken und alles, sogar die Handakten abholen. Obwohl unser Steuerberater Ludwig Mussilak jedes Jahr beim Finanzamt die Bilanzen eingereicht hat und diese niemals beanstandet wurden, hören wir nun durch denselben Beamten dieses Finanzamtes, der Mussilak in meiner Gegenwart mehrmals den Stuhl unter den Hintern geschoben hat: „Mussilak ist gar nicht im Stande, eine Bilanz für eine GesmbH anzufertigen.“
Auf meine Frage, wer ihn dann zum „Ständig beeideten Sachverständigen für das Buch- und Rechnungswesen“ bestellt habe, antwortet er mir: „Das war noch zu Zeiten meines Vorgängers. Damit habe ich nichts zu tun. Ich stelle nur seine Unfähigkeit fest.“
Dr. Lehar bewegt sich überhaupt nicht. Für seine Tätigkeit während des Vergleichs werden ihm 58.000 DM vom Gericht zugesprochen. Einen Betrag in gleicher Höhe erhält er, wenn sich der Konkurs nicht vermeiden lässt.
Seitdem ich das weiß, steht für mich fest: Der Konkurs ist unvermeidlich. Ich gebe die Losung aus, die eigenen Forderungen der Geschäftsführer anzumelden. Unschwer lässt sich nachweisen, welche Beträge jeder in die Gesellschaft eingebracht hat und welche Gehaltsforderungen und sostige Auslagen belegt werden können.
Die Provisionsrückstände für Walter und den Rückstand für Relis Gehalt hatte ich vor Vergleichseröffnung noch weitgehend ausgeglichen. Da kein Bargeld mehr vorhanden war, hatte ich Walter den fast neuen Firmenwagen überschrieben und bei Reli ein vor einem Jahr gegebenes Darlehen für eine Einbauküche ausgebucht. Das fand zwar nicht die Zustimmung Adalberts, konnte aber auch vom Vergleichsverwalter nicht mehr rückgängig gemacht werden, da ich seit Beginn der Arbeiten eine Vollmacht der beiden anderen Geschäftsführer Gerhard und Dieter in der Tasche hatte, die es mir ermöglichte, in ihrem Namen ohne Adalbert und ohne die zweite Unterschrift eines Geschäftsführers zu handeln. Es war das einzige Mal, wo ich von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht habe. Ich hatte mich immer auf Reli und Walter verlassen können. Diesen Dank waren wir den Beiden einfach schuldig.
Spannungen sind schon immer spürbar zwischen Adalbert und unseren beiden Angestellten. Mir verständlich, da ich den Unterschied in der Arbeitsleistung jeden Tag vor Augen habe. Während Walter und Reli den Laden in der Hand haben und über ihr eigenes Aufgabengebiet und ihre ver¬tragliche Arbeitszeit hinaus ohne Murren stets zur Verfügung stehen, bleibt Adalbert als verantwortlicher und gleichberechtigter Geschäfts-führer oft tagelang unauffind¬bar. Stellt er sich dann für einige Tage’ wieder ein, inspiziert er den Fortgang der Bauarbeiten und informiert sich über den Schriftverkehr. Vor allem Walter muss sich mit den Wünschen und Reklamationen der Käufer beschäfti¬gen und, sie an Adalbert weitergeben, der Abhilfe verspricht. Aber Adalbert hat sich die Mentalität seiner Gastgeber zu Eigen gemacht. Er schludert, lässt alles laufen. Besuchen die Käufer nach Wochen wieder die Siedlung, hat sich an dem Zustand ihrer Häuser oft nichts verändert.
Treffen beim nächsten Besuch die Kunden die gleichen Zustände an, ist es wieder Walter, der oft ihren Unmut zu spüren bekommt.
Mit der Zeit gibt Walter selbst die Anweisungen gegenüber den Handwerkern mit dem Ergebnis, dass nunmehr Adalbert sich übergangen fühlt und auf seine Kompetenzen pocht. In vielen Gesprächen versuche ich, die Spannungen auszuräumen. Vergeblich.
Nun versucht Adalbert den Spieß umzudrehen. Er macht sich beim Vergleichsverwalter unentbehrlich. Dies fällt nicht schwer bei dessen überschäumendem Arbeitseifer. Dass dabei Informationen weiter getragen werden, die sich ungünstig auf unsere Lage auswirkt, wird Rudolf und mir in den nächsten Wochen bewusst.
Walter berichtet mir, Dr. Lehar habe ihn auf einer Kreuzung angehalten und ihn aufgefordert, seinen PKW herauszugeben, da er zur Masse gehöre. Walter hat sich geweigert und seinen Vertrag gezeigt. Das würde Unannehmlichkeiten für mich nach sich ziehen, meint Lehar. Mir gegenüber schweigt er sich aus. Ich werde dieses Thema von mir aus nicht anschneiden. Warum soll ich ihm eine Aussprache erleichtern, wenn ich fühle, dass er unentschlossen, vielleicht auch ohne fundierte Verfahrenskenntnisse, wenn ich seinem Kollegen glauben kann, und untätig über die Runden zu kommen versucht.
Zur Rede gestellt, flüchtet er in Ausreden. Die Arbeiten würden immer umfangreicher. Das habe niemand voraussehen können.
Er stünde mit unseren Gläubigern und dem Finanzamt in dauerndem Kontakt.
Nachdem wir diesen Schönling durchschaut haben, müssen wir wieder an die Arbeit gehen und mit Schuldnern und Gläubigern Gespräche führen. Dabei bleibt nicht aus, dass er von unseren Aktivitäten erfährt.
Oft begegnen uns unsere Verhandlungspartner beim zweiten Gespräch mit Vorsicht. Fragen wir nach dem Grund, so erfahren wir, dass sie von Dr. Lehar abweichende, unzutreffende, sogar absichtlich falsche Auskünfte erhalten haben. Wir müssen dabei mit unseren Unterlagen Überzeugungsarbeit leisten. Das erschwert unsere Position ungemein. Dahinter steckt unser Adalbert. Also werden wir ihm falsche Informationen unterschieben und darauf war¬ten, bis diese bei als offizielle Verlautbarungen Dr. Lehars wieder auftauchen. So berichtet ihm Rudolf eines Tages, er habe in Frankfurt einen Amerikaner, Besitzer eines Reisebüros, getroffen, der die gesamte Siedlung übernehmen wolle.
Wenige Tage später ist der Beweis erbracht. Unser Großgläubiger Dr. Mennige fragt uns nach dem Namen dieses Retters und ist bestürzt, als wir ihm von unseren nunmehr begründeten Verdacht berichten.
Eine Stunde später teilt uns Dr. Kleinert, ein anderer Gläubiger unter dem Siegel der Verschwiegenheit mit, dass gerade zu dieser Tageszeit Adalbert, Adolf Navratil und die beiden Argemitglieder Hansi Schreiner und Hans Apfelstingl in einem Köflacher Hotel treffen. Er sei ebenfalls eingelden, habe aber eine Teilnahme abgesagt, da er mit diesen Leuten nichts zu tun haben wolle. Leider könne er sich nicht mehr an den Namen des Hotels erinnern.
Wir suchen aus dem Branchenverzeichnis die Telefonnummern der Hotels. Bereits beim dritten Anruf haben wir Glück. Rudolf hat Navratil am Apparat. Er entschuldigt sich schlitzohrig für seine Verspätung und kündigt unser Eintreffen in einer Stunde an.
Wir rasen nach Köflach. Hier treffen wir nur noch Adolf Navratil und Hansi Schreiner. Die anderen haben das Weite gesucht, auch unser Geschäftsführer Adalbert Fleischer, den wir an diesem Wochenende nicht mehr sehen werden.
„Wir wollten ein neues Konzept ausarbeiten“, versucht unser Versicherungsvertreter die Lage zu retten.
Wir zwei vermitteln den Eindruck, von Adalbert und Adolf eingeladen zu sein. Und dieses Spiel scheint zu klappen. Hansi Schreiner beobachtet Navratil und traut ihm nicht mehr. Sie verlassen unsere Runde, Um gemeinsam ein stilles Örtchen auszusuchen. Rudolf folgt ihnen und entdeckt, dass es sich hierbei um gar keinen stillen Ort handeln kann. Es geht laut her. Schreiner glaubt Adolf kein Wort, trotz dessen Beteuerungen und Schwüren, er habe uns nicht von diesem Treffen in Kenntnis gesetzt.
„Dann hat Adalbert nicht dichtgehalten. Das können sie nur von ihm erfahren haben“
Rudolf verlässt seinen Horchposten und sitzt wieder vor seinem Glas, ehe Hansi und Adi zurückkehren. Ersterer zahlt und verabschiedet sich leicht verschnupft. Über eine Lösung unserer Misere wird kein Wort verloren.
Nun sind wir unter uns.
Adi will es wissen: „ Hat Euch also Adalbert doch noch erreicht?“ Wir lächeln vielsagend. Eine Antwort wird er nicht erhalten. Soll er doch an Adalberts Doppelspiel glauben.
Ich habe Rudolfs Verdacht gegenüber Adalbert nicht glauben wollen. Nun hatte ich den Beweis. Ihn jedoch zum jetzigen Zeitpunkt als Geschäftsführer zu entlassen, kann nur Nachteile bringen. Dann wird er ganz auf die andere Seite wechseln, wobei wir noch gar nicht wissen, wer die andere Seite ist und aus welchen Motiven sie versucht, die Gesellschaft oder Murtalblick in die Hand zu bekommen.
Dr. Mennige und Dr. Kleinert scheiden aus. Beide sind froh, wenn sie die Darlehen zurückbekommen. Sie würden sogar auf einen Teil der Zinsen verzichten.
Für Schreiner & Hüter ist die Siedlung eine Nummer zu groß. Weder Hansi noch sein Argepartner verfügen über die Mittel, Murtalblick aus eigenen Kräften fertig zu stellen und in Betrieb zu nehmen.
Bleibt nur eine Vermutung, dass hier die Hohe Politik ihre Finger im Spiel hat, dass man ein Exempel statuieren will. Vernunftgründe sind dafür keine auszumachen
Nun liefert ihnen der angenommene Vergleichsvorschlag neue Munition. Es gehe um rund 30 Millionen Schilling. Die Siedlung sei dem Verfall preisgegeben. Das Verwaltungsgebäude drohe zu verfallen.
Wir haben über Reisebüros das nächste Jahr von Anfang Mai bis Ende Oktober alle Wohnungen voll belegt. Die uns vorliegenden Computerlisten weisen über 70.000 Übernachtungen aus. Mancher Fremdenverkehrsdirektor dieser Alpenrepublik würde Freudentänze auf dem Hauptplatz aufführen oder nach der uns bekannten Mentalität aufführen lassen. Immerhin wären die Arbeitslätze für Reli und Walter und für mindestens acht weitere Mitarbeiter gesichert. Um die Belegung für die Wintersaison haben wir uns noch nicht gekümmert.
Gerade in dieser Zeit, im Spätherbst 1975, sind über 160 Berliner zu Gast in Murtalblick. Über ein Südtiroler Reisebüro haben wir diesen Vertrag erhalten. Die Kosten trägt das Land Berlin. Nach anfänglichen Schwierigkeiten sind die Betreuer des Lobes voll.
Da unsere Freizeitanlagen noch nicht begonnen sind, fahren wir unsere Gäste in die Schwimmbäder, zu den Minigolfplätzen. Wir veranstalten Grillparties im gegenüberliegenden Wald und Heimatabende, an denen die Feuerwehr aufspielt und die Trachtengruppen aus der Umgebung auftreten. Das Echo ist bei Gästen und Steirern überaus positiv und läßt uns auf Hilfen der Fremdenverkehrswirtschaft hoffen.
Um diese Zeit treffen wir den österreichischen Finanzminister Dr. Hannes Androsch auf einem Bundesparteitag der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands in Mannheim. Trotz aller Sicherheitsmaßnahmen gelingt es uns, an den Ordnern vorbei in den Mannheimer Rosengarten zu gelangen. Zufall, wie so oft im Leben! Wir warten vor den Eingangstüren, als diese plötzlich aufgerissen werden. Ich schnappe Rudolf am Arm. Wir durchschreiten die Pforte. Keiner der Ordner hält uns auf. Beim Umdrehen bemerke ich, dass wenige Schritte hinter uns Willy Brandt mit Gefolge inmitten seiner Sicherheitsbeamten eintritt. Ihnen galt das Aufreißen der Türen. Da hatte keiner Zeit, sich um uns zu kümmern.
„Rudolf, nur nicht den Mantel abgeben“, kann ich noch flüstern, „den finden wir nie mehr.“
Mitten im Gewühl stoßen wir auf Karl Schneider, den damaligen Fraktionsvorsitzenden der SPD im Hessischen Landtag und auf die hessische Landtagsabgeordnete Dr. Haidi Streletz. Die beiden suchen gemeinsam für uns Hannes Androsch, der als Gast an diesem Parteitag teilnimmt. Wer von ihnen Erfolg hatte, weiß ich nicht mehr. Androsch steht zu dieser Zeit im Zenith seiner politischen Laufbahn, gilt als politischer Erbe und Nachfolger Bruno Kreiskys, der sein Österreich regiert wie weiland der Sonnenkönig, Ludwig der Vierzehnte, Frankreich. Androschs einziger Gegenspieler, Leopold Gratz, hat sich scheinbar resignierend mit dem Sessel des Wiener Bürgermeisters zufrieden gegeben.
Unser Nationalrat Sepp Hauer hat uns vor einem Jahr empfohlen, unsere Bilanzen bei einer Steuerberatungsge¬sellschaft in Auftrag zu geben, an der Androsch beteiligt sei. Daran muss ich denken, als wir dem Finanzminister an einem kleinen Tisch bei einem Kaffee gegenübersitzen.
Hannes Androsch scheint wie unser Vergleichsverwalter frisch aus dem Urlaub zu kommen. Ich vergesse zu fragen, ob er Dr. Lehar auf Teneriffa begegnet ist. Erholt und tief gebräunt hört er sich unser Anliegen an. Ich soll in der nächsten Woche seinen Sekretär Dr. Loidolt anrufen und mich auf dieses Gespräch mit ihm beziehen. Dann würde das lokale Finanzamt die Weisung erhalten, bis zum Abschluss einer Prüfung seine Vollziehungsbeamten an derkurzen Leine zu halten und sich mit uns über berechtigte Steuerforderungen auf einen für beide Teile akzeptablen Kompromiss zu einigen.
Wir haben das Wort des Finanzministers der Republik Österreich. Darauf müssen wir bauen können. Was es wert sein sollte, lehrt die kommende Zeit. Erst einmal weht Morgenluft um unsere Nase. Wir haben geschafft, woran keiner von uns mehr geglaubt hat. Das Finanzamt wird unseren Vergleich nicht mehr blockieren können.
Mit den Großgläubigern sind wir im Reinen. Dr. Mennige hält ebenso still wie Dr. Kleinert. Die Arge Schreiner & Hüter können wir zweitrangig auf den noch uns gehö¬renden Grundstücken absichern und die verschiedenen kleinen Handwerker müssen anteilig ausgezahlt werden. Die Elektroversorgung wird durch die Einnahmen aus der Vermietung bezahlt und diese Mieteinnahmen werden fließen. Natürlich sind die nächsten Jahre kein Honiglecken. Aber das Interesse, unsere Siedlung mit Urlaubern zu belegen, ist außerordentlich stark. In vier oder sechs Jahren wird sie Gewinne abwerfen (Haha, der Blogbetreiber)
Dr. Lehar junior muss jetzt schnellstens die Käufer auf Zahlung ihrer Rückstände verklagen. Zu diesem Zweck sind für jeden Eigentümer von uns detaillierte Abrechnungen erstellt worden. Bis ins Kleinste sind Verträge, schon erbrachte Leistungen und Zusatzleistungen erfasst und in Form einer Zwischenrechnung dem Vergleichsverwalter übergeben worden. Nun wird er tätig, hat er uns versprochen.
Aber er läßt sich viel Zeit, dieser Dr. Frank Lehar.
Um seine Aktivitäten zu überprüfen, haben wir auch für uns selbst Abrechnungen erstellt. Wenn diese bei uns eintref¬fen, können wir sicher sein, dass auch die anderen Käufer im Besitz unsere Forderungen sind. Aber es vergeht Woche um Woche.
In der Zwischenzeit ist mir eine Klageschrift zugestellt wor¬den, in der ich aufgefordert werde, die Summe von 146.000 Schillingen an ein Möbelkaufhaus zu zahlen. Zehn Fremdenzimmer. Ich habe nie zehn Fremdenzimmer bestellt. Und auch keine erhalten. Hier handelt es sich um eine Lieferung an die Gesellschaft und an die Besitzer einiger Ferienhäuser. Helmut Kaiser hat beispielsweise zwei Fremdenzimmer bei diesem Lieferanten bestellt und auch erhalten, die nun auf der Rechnung mir angelastet werden.
Rudolf will einen Staranwalt beauftragen. Er hat die Adresse eines Dr. Mond in Wien ausgegraben.
An einem Sonnabend, gegen neun Uhr, sitzen wir ihm gegenüber, einem alten Herrn, in einer Kanzlei, die der unseres Steuerberaters zum Verwechseln ähnlich sieht. Dr. Mond ist Jude und hat sich vor allem als Strafverteidiger einen Namen gemacht. Ob er für uns der richtige Mann ist?
Spartanisch einfach, geradezu ärmlich ist diese Kanzlei eingerichtet. Aber diesen Eindruck der Armut versuchen viele betuchte Österreicher zu erwecken, selbst wenn sie Millionen Schillinge in der Kommode oder auf ausländischen Konten versteckt halten. Das Vertrauen in die Behörden und in die Gerichtsbarkeit ihres Landes ist denkbar gering.
Dr. Mond verspricht, umgehend die Klageerwiderung beim zuständigen Bezirksgericht einzureichen und uns eine Durchschrift nach Deutschland zu senden.
„Wir werden diesen Prozess eindeutig gewinnen. Die Lieferantin hat an die Gesellschaft und an die einzelnen Besteller geliefert. Sie persönlich haften nicht dafür. Ich werde meinen fähigsten Mitarbeiter am Montag für Sie einsetzen. Lassen Sie mir eine kleine Anzahlung hier. Ich denke an viertausend Mark.“
Wir kratzen unser Bargeld zusammen. Dr. Mond ist auch bereit, Rudolfs Euro-Schecks anzunehmen.
Unser Generalbevollmächtigter ist rundum zufrieden. Bei mir dagegen halten sich Zweifel und Glauben an die Wunderwaffe Mond die Waage. Immerhin bin ich vollständig seiner Meinung: Wer bestellt, bezahlt. Aber ob das auch in Österreich so gehandhabt wird?
Auf der Rückfahrt müssen wir unbedingt Dr. Mennige in Graz aufsuchen. Er hat in der Bundesrepublik angerufen und um unseren sofortigen Besuch gebeten.
Dr. Mennige bewohnt ein Schlösschen wenige Kilometer außerhalb von Graz, umgehen von einem großen weitläufigen Park mit alten Kastanienbäumen, Weiden und vielen Büschen bewachsen. Türmchen und Bogengänge zieren das alte Gemäuer, an dem, der Zahn der Zeit kräftig nagt. Eine Freitreppe führt uns in seine Wohnung. Das Schlösschen ist nur zum Teil bewohnt. Im großen Wohnzimmer, mit großen Steinplatten belegt, klagt uns der Hausherr sein Leid.
Das Finanzamt verlangt von ihm 240.000 Schilling, die er nicht zahlen könne, ohne den Staat auf seine Auslandskonten aufmerksam zu machen. Der Gerichtsvollzieher habe ihm gestern alle seine Kühe gepfändet. Alle 46 sollen in einer Woche abgeholt werden, wenn er bis dahin nicht seine Schuld beglichen habe. Nun müssten wir ihm helfen.
240.000 Schilling. Das waren umgerechnet fast 35.000 DM. Woher nehmen? Wir versprechen, unser Möglichstes zu tun.
„Sie erhalten spätestens am kommenden Sonnabend telefonisch Bescheid. Wenn wir das Geld auftreiben können, sind wir am Wochenende wieder in Graz.“
Dr. Mennige führt uns durch seine Ställe und zeigt uns auf einer Rundfahrt seine Steinbrüche, in denen der Betrieb ruht und seine Felder und Wälder. 340 Hektar Wald, Feld und Weide, dazu die Steinbrüche gehören ihm. Autos fährt er wie der Teufel. Mehrmals knallen wir mit unseren Köpfen an den Plafond. Er nimmt die Bodenwellen wie ein Rallyefahrer. Die Phyrrn-Autobahn, die sich bereits im Bau befindet, streift sein Gebiet. So wird er in Bälde nochmals zehn Millionen Schilling als Entschädigung erhalten. Aber ihm fehlt jetzt Bargeld.
In seinem Keller lagern hunderte Liter Obstler, den wir versuchen müssen. Leicht angeschlagen treten wir aus der Dunkelheit wieder ins Sonnenlicht hinaus.
Seine Frau ist Hamburgerin. Er hat vier Kinder. Die älteste Tochter ist mit einem Botschaftsrat verheiratet und lebt in Mexiko. Die zweite Tochter studiert in Graz, der jüngste Sohn in Marburg an der Lahn Betriebswirtschaft.
Mennige, sonst eher wortkarg, hat der Alkohol redselig werden lassen. Sein Erstgeborener bereite ihm Kummer. Er sei erst vor wenigen Tagen von einer Weltreise zurückgekehrt. Mit drei Freunden und einem Hund habe er versucht, auf einer in Hongkong nachgebauten alten Dschunke die Westküste der Vereinigten Staaten zu erreichen. Mitten im Pazifik aber sei das chinesische Boot abgesoffen. Winzige Würmer haben den Schiffsrumpf wie ein Sieb durchlöchert- Glücklicherweise sind alle vier und ihr Hund von Schiffen gerettet worden. Dieses Abenteuer habe ihn 400.000 Schilling gekostet. Ob wir den Bericht in der größten deutsche Illustrierte gelesen hätten.
Wir hatten.
Den Rest des Nachmittages gibt uns der Sohn seinen interessanten Reisebericht. Ungezählte Fotos müssen wir begutachten. Insgeheim ist dieser Dr. Mennige wohl stolz auf seinen Sohn.
Die Sonne steht tief, als wir, nun wieder nüchtern, an die Rückkehr nach Murtalblick denken können.
Wir sehen nur eine Möglichkeit, Dr. Mennige aus seinem finanziellen Engpass zu befreien. Rudolf und ich müssen eine Grundschuld auf unsere Häuser aufnehmen, dabei die Summen erhöhen, um auch uns selbst wieder mehr Bewegungsfreiheit zu verschaffen. Einzige Sicherheit für eine Rückführung bleibt die Hoffnung auf eine Erfüllung des Vergleichs. Wenn dieser schief geht - ade ihr Häuser! Damit setzen wir alles auf eine Karte, alles, was uns noch geblieben ist. Von den anderen Gesellschaftern ist keine Beteiligung zu erreichen. Vorsichtige Anfragen werden abgelehnt. Wir werden zu Einzelkämpfern.
Als Sicherheit für seine Bemühungen und finanziellen Einlagen haben wir Rudolf Molle, unserem Generalbevollmächtigten unsere Rechte am Wasserwerk abgetreten. Alle vier Gesellschafter und Geschäftsführer haben dieses Schreiben unterzeichnet. Seine Auslagen können wir ihm in un¬serer gegenwärtigen Lage nicht vergü¬ten.
Rudolf hat nicht darauf bestanden. Es handelt sich um eine faire, freiwillige Leistung, die wir gern im Grund¬buch ge¬wahrt hätten. Dies scheitert daran, dass wir die Anlage we¬gen des Brunnens nicht auf unserem Grundstück erstellt hatten.
Rudolf bezahlt dafür auch die anfallenden Rechnungen, die sich monatlich auf tausende DM belaufen, da das zuständige Elektrizitätswerk trotz mehrerer Vorsprachen darauf besteht, die Stromkosten als Baustrom abzurechnen. Nach Auskunft der Fachleute dürfen die Pumpen auch nicht abgeschaltet werden, da sonst die Gefahr besteht, dass die Quelle versandet und versiegt. Das E-Werk hat damit eine ständige Einnahme erschlossen die sie nicht bereit ist aufzugeben. Mit schöner Regelmäßigkeit werden die Forderungen zugeschickt und die Beträge abgebucht. Dies alles geschieht nachweislich lange vor Anmeldung des Vergleichs.
Die beiden Doctores Lehar beglückwünschen Rudolf als Besitzer dieses Wasserwerkes. Nach Erfüllung des Vergleiches könne er so damit rechnen, seine Kosten langsam wieder hereinzuholen.
Ganz anders liest es sich einige Monate später. Die beiden Fachleute bieten das Wasserwerk zum Verkauf an und alle Einsprüche Rudolfs bleiben vergeblich. Keiner der Ehrenmänner kann sich an die Glückwünsche noch erinnern. Kein Wasserwerk - keine Erstattung seiner Kosten.
Unser Wiener Erfolgsanwalt, dieser Freund Justitias und Ausbund an Gelehrsamkeit, hat meinen Prozess wegen Formfehler verloren.
Wir haben wochenlang trotz verschiedener telefonischer Anfragen aus seiner Kanzlei nichts mehr vernommen. Deshalb suchen wir am Bezirksgericht ein Gespräch mit dem zuständigen Richter, der uns einen Gesprächstermin am Sonnabend einräumt.
„Die Klageerwiderung habe ich wegen eklatanter Formfehler an die Kanzlei Dr. Mond zurückgesandt, musste bei erneuter Vorlage aber feststellen, dass sie unverändert wieder auf meinem Schreibtisch landete. Ich konnte nicht anders entscheiden. Deshalb haben Sie den Prozess verlieren müssen.“
Futsch die 148.000 Schillinge.
Hin die 4.000 DM Kostenvorschuss.

In Murtalblick ruhen alle Arbeiten. Das Gras wächst mannshoch. Die einzigen Besucher sind unsere Käufer, die trotz ihrer rückständigen Zahlungsverpflichtungen mit schöner Selbstverständlichkeit ihre Urlaubstage abfeiern. Tonis Geschäft bleibt von unseren Schwierigkeiten unberührt, im Gegenteil, er ist der eigentliche Gewinner. Die Umsätze steigen unaufhörlich. Seine anfängliche Hilfsbereitschaft ist in Neutralitätsverhalten umgeschlagen. Wir haben bisher unsere Rechnungen für die Bewirtung unserer Gäste immer am Monatsersten gezahlt. Nun steht er mit offener Hand vor uns nach jedem Telefongespräch, das wir von ihm aus führen müssen, denn unser Anschluß ist abgemeldet. Dabei haben wir die Verlegungskosten von 15.000 Schilling für das Stellen der Masten und Ziehen des Kabels in das Tal aus unserer Kasse gezahlt. Vor uns gab es keinen Telefonanschluß in dieser Siedlung. Nunmehr hat sich die Zahl schon auf vier Anschlüsse erhöht.
Georg, unser Gerichtsvollzieher, geht nun auch bei uns privat ein und aus. 148.000 Schilling zuzüglich Gerichtskosten und Anwaltsgebühren werden als Zwangs-Grundschuld eingetragen, unsere Möbel und alle Einrichtungsgegenstände ziert der „Kuckuck“.
Das Warten zehrt an den Nerven. Ich packe meine Familie mitsamt Kater und Dackel in den PKW und versuche einen Urlaub in Hessen. Aber die Unruhe treibt mich zurück. Rosemarie und die Kinder wollen nicht allein bleiben und fahren wieder mit in die Siedlung.
Unser Häuschen ist versiegelt. Von Tonis Telefon aus benachrichtigen wir den Gerichtsvollzieher. Er muss das Siegel entfernen. Es wurde auf Verlangen des gegnerischen Anwalts angebracht, der angenommen hat, dass wir uns abgesetzt haben.
Im Haus ist es ungemütlich, nicht geheizt. Wir verwenden Regenwasser, um Kaffee zu kochen, der uns etwas aufwärmen wird. Die Stadtwerke haben die Elektroversorgung unterbrochen.
„Das ist doch nicht dein Fernglas.“ meine Frau hebt ein altes, abgegriffenes etwas von der Fensterbank hoch.
„Nein, das gehört dem Toni, „antworte ich, „aber das werde ich sofort klären.“
Georg finde ich noch an Tonis Theke: „Hast Du während meiner Abwesenheit mein Haus betreten?“
Sein Blick flackert: „Ja, in amtlicher Eigenschaft. Ich musste es versiegeln.“ Seine Stimme klingt heiser und herausfordernd, nicht mehr so freundlich wie vor zwei Wochen, „Aber ich habe den Toni als Zeugen mitgenommen. Der kann bezeugen, dass alles seine Richtigkeit hat.“
„Wo ist mein Fernglas?“
„Dort, wo es immer gelegen hat, am Fenster.“
Ich gerate in Wut: „Dort liegt ein Fernglas, aber nicht meines. Es wurde vertauscht. Das hier ist Tonis Feldstecher!“
Tonis Frau, die das Gespräch mit anhört, gibt mir Zeichen aus der Küche. Aber ich lasse mich nicht stoppen: „Tonis Fernglas lag am Fenster. Er hat seit Jahren mit meinem Glas geliebäugelt. Und ihr habt es vertauscht.“
Georg und Toni stehen mir mit hochroten Köpfen gegenüber. Sie hatten mit unserer Rückkehr nicht gerechnet.
„Ich verlange eine Untersuchung durch das Gericht. Morgen früh werde ich den Antrag im Bezirksgericht stellen.“
Ich wende mich ab und verlasse die Gaststätte.
Georg eilt mir nach und beschwört mich, von meinem Vorhaben abzulassen. Toni habe ihn dazu gebracht, die Ferngläser zu vertauschen, da wir nicht mehr zurückkämen und es somit keinem auffiele.
„Wenn Du Meldung erstattest, verliere ich meinen Job und wandere ins Gefängnis. Ich bitte Dich, keine Anzeige abzugeben.“
Wortlos gehe ich weiter. Raus aus der Kneipe
Hinter mir läuft Georg und bettelt um seinen Arbeitsplatz. Nun schließt sich ihm auch Toni an. Seine Frau steht in der Eingangstür und schlägt die Hände vor das Gesicht.
Ich schaue mich nicht um, will die Situation genießen, höre ihre Schritte hinter mir. Die Gedanken jagen im Kreise. Aber dies konnte nicht der Augenblick eines kleinlichen Triumphs sein. Ich bleibe stehen. Nun sind sie heran. Keiner kann mir in die Augen sehen.
„Bitte zeig uns nicht an“, Georg ist am Boden zerstört Toni: „’Wir tauschen das Glas einfach wieder aus. Dann ist nichts geschehen und der alte Zustand wieder hergestellt.
So einfach ist das. Eigentlich haben sie Recht. Nach allem, was ich erlebt habe in dieser Republik, bestätigt auch dieser Vorfall die innere Einstellung vieler meiner dortigen Bekannten. Die Großen dürfen und die Kleinen sollten nicht? Beinahe muss ich lachen.
„Geh hoch und tausche das Fernglas um l“ befehle ich dem Gerichtsvollzieher. Georg wird zum Schnellläufer. Und ich verschwende keinen Gedanken mehr darauf, ob ich richtig gehandelt habe.
In meiner Jugend bin ich in meiner Phantasie mit Kara Ben Nemsi durch den Balkan, durch das Land der Skipetaren gezogen und auch heute werfe ich ab und zu noch einen Blick in die Reiseerzählungen des Sachsen aus Radebeul. Verändert scheint sich bis heute an der Mentalität der Bewohner des Balkans wenig zu haben. Und der Balkan fängt mit Sicherheit gleich hinter Salzburg an.
Wir reisen heute nicht mehr mit Pferd oder Kutsche. Die damals beschwerlichen, vom Regen durchweichten Wege mussten mehrspurigen Autobahnen weichen. Das frühere Zahlungsmittel, der Maria-Theresien-Taler, kann nur noch am Bankschalter erworben werden und wird heute gern als Schmuckstück, eingefasst, zum Dirndl getragen. Die Räuber und Wegelagerer von einst haben ihre Methoden ungemein verfeinert. Aber der Mensch ist doch derselbe geblieben. Vielleicht seit Adams Zeiten. Daran haben bessere Schulbildung und auch drei Stunden Religionsunterricht in der Woche nicht ändern können.
Unser Vergleichsverwalter hat sich nach Monaten wieder einmal blicken lassen. Er benötige schnellstens Bescheinigungen von deutschen Banken über unsere dort geführten Konten. Ich muss mich wieder auf den Weg machen.
Nach wenigen Kilometern werde ich von einem Polizeiwagen überholt und gestoppt. Mein Freund Otto Müller, der Postenkommandant steigt aus und schwenkt einen langen Papierstreifen.
„Ein Fernschreiben von der Sicherheitsdirektion aus Wien“ ruft er schon aus mehreren Metern Entfernung.
„Es betrifft Euren Finanzexperten, den Gruber. Es hat mir keine Ruhe gelassen, was Du mir vor einigen Tagen erzählt hast und deshalb habe ich eine Auskunft über ihn angefordert. Bitte lies!“
Die Auskunft läßt nur wenig Fragen offen.
Gruber wohnt bei seiner Frau in Annif bei Salzburg, ist vorbestraft und wurde wegen schweren Betruges und Konkursvergehens zu drei Jahren schweren Kerkers verurteilt, hat seine Strafe abgesessen und wurde aus dem Zuchthaus vor ungefähr zehn Monaten entlassen. Es folgen noch eine Reihe anderer Informationen, die mich aber nur noch am Rande interessieren.
Das ist also der langjährige Geschäftspartner des Herrn Leder, des Vertreters unserer Eigentümergemeinschaft.
„Du kannst das Fernschreiben behalten und nach Gutdünken verwenden. Gute Fahrt! Ich muss wieder auf meine Dienststelle. Die Republik Österreich verlangt das von mir.“

Wenn man Freunde hat
So ist Otto. Freunde wie er versöhnen mich oft mit vielen Misshelligkeiten und lassen mich so manche persönliche Enttäuschung vergessen. Ich habe so manchen Freund, aus der Gemeindevertretung, unter meinen Nachbarn, den Bauern und Arbeitern, den Feuerwehrhauptmann, den Bäcker Norbert, den Geschäftsführer der Sauerbrunn-GesmbH, den alten Oberamtsrat und das sind nicht alle. Eigentlich ist die Lage gar nicht so trostlos, wie sie oft scheinen mag.
Während ich allein mit meinen Gedanken, über Liezen, Bad Aussee, den Pötschen-Paß, am Mondsee entlang den Autobahnanschluss vor Salzburg erreiche, versuche ich, mehr Verständnis für meine Steirer aufzubringen, für diejenigen, die durch ihre politische Arbeit auch eine Änderung des Althergebrachten erreichen wollen, das Los der ihnen Anvertrauten zu verbessern bestrebt sind, aber auch für die, die von dieser Politik betroffen sind, oft unter ihr leiden.
Otmar Hahn, der Bürgermeister, sieht in einer Hinwendung zum Fremdenverkehr die Chance eines zweiten Standbeins für seine Gemeinde, ein Zusatzeinkommen für die kleinen Häuselbauer durch die Möglichkeit, Zimmer zu vermieten. Für den Unternehmer und den größeren Bauern ist die Invasion der Gäste oft gleichbedeutend mit einem Umbruch der Gesellschaftsstruktur, mit einem Aufbrechen ländlich geprägter konservativer Wertbegriffe, unter denen oft auch die im Verlauf von Jahrhunderten gewordene Abhängigkeit vieler von wenigen eine Rolle spielt.
Leuten wie Toni und Resi beschert der Verkauf ihres Geländes für unser Feriendorf einen ungeheuren Zuwachs an Sozialprestige, den zu verkraften einfachen Gemütern sehr schwer fällt. Toni ist nicht mehr der abhängige kleine Kontrolleur beim einzigen Arbeitgeber, der Papierfabrik. Aber er ist gleichzeitig brutal aus seiner vertrauten Umgebung herausgerissen, auf der Suche nach einem neuen Personenkreis, in dem er angenommen wird.
‚Millionen-Toni’ nennen sie ihn.
Unterwegs besuche ich Helmut Hasler in seinem Hotel in Rohrmoos, um ihn das Fernschreiben über Gruber lesen zu lassen. Nach dem Studium der wenigen Zeilen ist er leichenblass und muss sich setzen.
„Wenn das alles stimmt, und daran gibt es keinen Zweifel, muss ich Konkurs anmelden. Ich habe mich vollkommen auf Gruber verlassen und habe eine schriftliche Zusage der WIFINA. Abgerechnet haben wir auch schon über seine Leistungen. Nur die Provision hat er noch nicht erhalten.“
Welche Bank das Darlehen bewilligt hat, ist ihm unbekannt.
Er will aber sofort bei seiner Hausbank nachfragen, mit der Gruber alle Verhandlungen geführt hat.
„Wenn die Auskunft negativ ausfällt, werde ich sofort Anzeige erstatten.“
Ein weiterer Abstecher führt mich in die Nähe von Salzburg, nach Annif, zur im Fernschreiben der Sicherheitsdirektion angegebenen Adresse. Auf riesigen, großzügig geschnittenen Grundstücken ruhen behäbig breit und komfortabel ausgestattete Landhäuser und Villen. Auch Karajan soll hier sein Domizil gefunden haben, wie mir die Wirtin einer Gaststätte bereitwillig mitteilt. Hier läßt es sich leben. Ein Anruf aus einer Telefonzelle in der Nähe bringt Grubers Frau an den Apparat. Gruber sei in der Bundesrepublik unterwegs und werde erst am Wochenende zurückerwartet.
Eigentlich bin ich froh darüber. Ich bin mir auch auf der Fahrt noch nicht klar geworden, ob ich Gruber von Ottos Nachforschungen berichten soll. Auf jeden Fall muss ich von Frankfurt aus alle Käufer und Kunden verständigen. Da ich nur einen Tag bleiben werde, halte ich es für beser, Gerhard telefonisch über die Person Grubers aufzuklären. Dann kann dieser bereits mit den Telefonaten beginnen.
Nach weiteren vier Stunden komme ich ziemlich mitgenommen und geschlaucht an. Leder, der Vorsitzende unserer Eigentümergemeinschaft erwartet mich. Gerhard hat ihn unterrichtet. Leder fragt, wann ich nach Österreich zurückführe.
Ich antworte: „Morgen.“ Ob er mit mir fahren könne. Ich habe nichts dagegen, obwohl ich am liebsten allein im Wagen sitze.
Eine lange Sitzung schließt sich an und es ist weit nach Mitternacht, als ich erschöpft in mein Bett sinke.
Der nächste Tag, ein Freitag, findet uns schon frühzeitig auf der Autobahn. Nach einer Stunde taut mein Fahrgast auf. Bisher war wenig gesprochen worden, obwohl ich einige Male nahe daran bin, ihm seinen „langjährigen Geschäftsfreund“ Gruber vorzuhalten, den er nach dem Schreiben der Sicherheitsdirektion nur wenige Tage nach dessen Entlassung aus dem Zuchthaus kennen gelernt haben konnte. Nur wiederum. einige Tage später hatte er ihn bei uns eingeschleust. Sicher gegen Zusage einer respektablen Provision. Nach dem Grundsatz Grubers: Leben und leben lassen und den anderen zum Komplizen machen.
„Ich möchte Ihnen ehrlich erzählen, wann und wie ich Gruber kennen gelernt habe“, beginnt er. Zwei Wochen, ehe ich Sie mit ihm zusammen in der Siedlung aufsuchte, habe ich auf eine Chiffre-Annonce einer großen deutsche Zeitung geschrieben, in der Darlehen aus der Schweiz zu besonders günstigen Konditionen angeboten wurden. Darauf hat sich eine Firma WIFINA gemeldet und einen Herrn Gruber avisiert, der sich als ihr Generalbevollmächtigter gerade in der Bundesrepublik aufhielt und einige Tage später nach telefonischer Rücksprache in meinem Büro auftauchte.
Er vermittelte mir zu einem günstigen Preis ein Appartementhaus mit 12 Einheiten im Lachtal in Österreich, nur 25 Kilometer von hier entfernt. Das Darlehen der Judenburger Bank konnte ich übernehmen. Außerdem erklärte er mir, dass der Kauf am günstigsten auf eine Schweizer Aktiengesellschaft erfolgen sollte, die er mir zufällig günstig anbieten könne. Ich zahlte für diese AG nur 50.000 DM, bin der Generalbevollmächtigte dieser AG, die aber eigentlich mir gehört. Treurat ist ein Bekannter Grubers in Zürs. Als Maklerprovision für dieses Appartementhaus berechnete mir Gruber fünf Prozent, das waren 40.000 Schweizer Franken.
Im Zusammenhang mit dieser Transaktion kam das Gespräch auf Ihre Misere in der Steiermark. Gruber erbot sich sofort, auch Ihnen zu helfen. Für mich sollte eine Provision abfallen. Da Gruber alles für mich in Vollmacht erledigt hat, muss ich nun unbedingt selbst alles überprüfen, ehe mir ein größerer Schaden entsteht. Ich kenne auch den Treurat meiner AG nicht persönlich. Er erhält von mir laut Vertrag 5.000 Schweizer Franken im Jahr.
Er vertritt meine Interessen und leitet die Post an mich weiter.“
Nach einer Weile: „Außerdem hat Gruber noch einen bankverbürgten Wechsel meiner Hausbank in den Händen, den er als Anzahlung auf eine Option für ein Grundstück in Österreich verwenden soll.“
„Wie hoch?“ frage ich.
„Fünfzigtausend Mark“, antwortet Leder.
Zwanzig Minuten vor Zwölf halten wir auf dem Parkplatz des Geldinstituts in Judenburg. Leder läßt sich beim Direktor melden und wird sofort empfangen. Nach zehn Minuten stürzt er aus der Tür, aufgeregt mit den Händen rudernd.
„Ich brauche dreißigtausend Mark Habe schon mit meiner Bank in Deutschland gesprochen. Die Summe wird telegrphisch überwiesen.“
Er ringt nach Luft.
„Um vierzehn Uhr soll mein Appartementhaus versteigert werden. Die Zinsen sind seit einem Jahr nicht mehr bezahlt worden. Alle Mahnungen wurden nicht beantwortet. Die Mieteinnahmen wurden ebenfalls nicht eingezahlt. Diesen Betrüger soll der Teufel holen! Stellen Sie sich vor, wenn ich nicht mit Ihnen gefahren wäre.“
„Das Ganze noch mal bitte“, frage ich, obwohl mir der Ablauf sonnenklar ist.
Da hat Gruber meinen Fahrgast um mindestens 140.000 DM erleichtert, wenn ich richtig mitgerechnet habe. Gegenwert gleich Null. Denn eine Schweizer AG, die lediglich aus den Aktien besteht, gleicht Makulatur. Die Anzahlung für das Grundstück wird Leder sicher auch abschreiben können.
Mir fällt ein, dass auch unser Nationalrat mit Gruber über die Beschaffung von Millionen für die Konsumgenossenschaften verhandelt hat. Hauer muss sofort instruiert werden.
Wir finden ihn in seinem Büro. Er telefoniert gerade und weist auf zwei Stühle.
„Ich habe selbst mit dem Herrn Bundespräsidenten gesprochen. Dem Herrn Hofstätter wird der Titel Ingenieur verliehen. Es kann nur noch einige Tage dauern. Man hat mir mitgeteilt, dass Hofstetter die Spende von 100.000 Schilling bereits überwiesen hat.“
Leder stößt mich in die Seite. Sepp Hauer bemerkt das, hält eine Hand vor die Sprechkapsel und erklärt uns: „Der Herr Hofstätter unterhält seit 25 Jahren einen Heizungsbaubetrieb und hat mich darum gebeten, ihm einen Ingenieurtitel zu beschaffen. Ich konnte dies mit etwas Mühe erreichen.“
Nun gibt es nach einem Dr. graz auch noch einen Ing.öst.
Dazu fallen mir weitere Kuriositäten ein.
Als Walter Kinder bei uns mit unserem Möbelhandel erst
kurz begonnen hatte, machte er mich darauf aufmerksam,
dass wir eine Konzession benötigten. Während in der Bundesrepublik dazu ein Gang zum Ordnungsamt und die Bezahlung einer Gebühr von fünf oder zwölf Mark genügt, gehen Österreichs Uhren auch hier anders. Hier muss um eine Konzession beim Bezirk nachgesucht werden. Für alles ist ein Befähigungsnachweis vonnöten Dazu sucht man die Geschäftstelle der Kammer der gewerblichen Wirtschaft auf.
Der Herr Sekretär empfängt mich überaus freundlich, und erkundigt sich nach meiner Qualifikation.
„Haben Sie einen Nachweis, dass Sie im Möbelhandel eine Lehre absolviert haben?“
Damit kann ich nicht dienen.
„Dann müssen Sie nach einem Mann Ausschau halten, der diese Voraussetzungen mitbringt und dieser muss die Konzession beantragen.“
„Das kann dann wohl unser Angestellter tun, der über zehn Jahre in einem großen Kaufhaus gearbeitet hat.“
Er verabschiedet mich, nachdem er sich nach der neuen Siedlung erkundigt und ihre Bedeutung für die heimische Wirtschaft und den Fremdenverkehr gewürdigt hat und bringt mich zur Tür.
„Oder haben Sie Matura?“
Ich verhalte den Schritt.
„Matura? Was ist das?“
„Wie heißt dös in Deutschland? Na, eben dass Sie studieren können!“
Abitur? Ja, das habe ich.“
„Warum sagen Sie das nicht gleich. Dann kann ich den Antrag befürworten. Sie werden damit eine Befreiung erlangen. Das kostet eine Gebühr, aber die Konzession ist auf Sie ausgestellt und macht Sie von Ihrem Angestellten unabhängig.“
Wenige Tage später bin ich konzessionierter Möbelhändler dank Matura.
„Das Beste wäre, wir hätten eine Maria-Theresien-Konzession“, meint Walter, der Unersättliche.
„Was bedeutet denn das?“
Und Walter erzählt folgende Story, die ich so weitergebe, wie er sie mir berichtet hat.
Die aus den Schlesischen Kriegen gegen Friedrich II. heimkehrenden österreichischen Truppen hatten viele Verwundete. Eine Pension gab es nicht. So erteilte die Kaiserin Maria-Theresia Konzessionen an ihre verletzten Soldaten, die sie nichts kostete und den Invaliden ein Auskommen ermöglichen sollte. Diese Konzessionen wurden von den Vätern auf die Nachkommen vererbt und berechtigen zum Handel jeder Art. Maria-Theresia-Konzessionen wechseln noch heute ihren Besitzer, wenn auch selten.
„Du kriegst sie nicht unter 500.000 Schillingen“, ist Walters Meinung. Niemand hat mir während meiner Zeit in Österreich eine solche Konzession angeboten. Wenn es sie wirklich gibt, sind sie kaum feil-
Auch die Zeit der Kommerzialräte ist noch lange nicht vorbei. Hansi Schreiner würde mit Freuden auf alle seine Forderungen uns gegenüber verzichten, könnten wir ihm diesen heißbegehrten Titel besorgen. Möglich wäre das wohl, aber Hansi wird der politischen Rechten zugeordnet. Da stehen seine Aktien im Österreich von 1974 schlecht. Er muss wohl warten, bis sich die politische Großwetterlage wieder ändert, oder bis die Österreicher zu der bei ihnen so beliebten Großen Koalition zurückkehren. Dann nämlich werden immer zwei Kommerzialräte ernannt, ein roter und ein schwarzer.
Sepp Hauer ist bereits vom Postenkommandant über Grubers Geschäftsgebaren unterrichtet.
„Ich habe sofort die Kripo eingeschaltet, die sich mit Euch in Verbindung setzen wird.“
Leder dringt in mich, ihn auf seiner Fahrt nach dem Fürstentum Liechtenstein zu Grubers WIFINA zu begleiten. Hier kann ich doch nichts tun, und auf die zwei Tage kommt es schon gar nicht mehr an. Wir können kaum mehr Einfluss auf den Ablauf der Gesellschaft nehmen. Der Vergleichsverwalter müsste tätig werden. Aber dazu besteht wenig Hoffnung. Geld sollen wir beschaffen. Aber wir sehen kein Licht am Ende des Tunnels.
Also beschließe ich, über Innsbruck und Gaschurn, über die Silvrettastraße Liechtenstein mit seiner Hauptstadt Vaduz anzusteuern.
Wir übernachten wieder im Hotel Engel und stehen am nächsten Morgen gegen neun Uhr vor dem Büro der WIFINA im Kaufin in Schaan. Leder wird vor der Wohnungstür allein Aufstellung beziehen, während ich mich am zweiten Eingang postiere.
Leder druckt den Daumen auf die Klingelplatte. Nichts rührt sich. Wiederholung. Da höre ich hinter meiner Tür Geräusche. Ich trete einen Schritt beiseite, um durch das Guckloch nicht gesehen zu werden. Die Tür öffnet sich. Gruber erschrickt, als er mich erkennt und wird sofort ausfallend. Wir drängen ihn zurück, setzen uns an den langen Tisch und verlangen, dass seine Treuräte Maechler und Fehr an unserem Gespräch teilnehmen. Gruber ist nach längerer Diskussion dazu bereit und greift zum Telefon.
„Sie halten mich von einer wichtigen geschäftlichen Besprechung ab, meine Herren. Ich habe nur sehr wenig Zeit. Wenn ich den Termin versäume, erleide ich großen finanziellen Schaden“. So versucht uns Gruber abzuwimmeln.
„Den finanziellen Schaden habe ich bereits erlitten“, kontert Leder, „Sie haben mich um mindestens 150.000 DM geprellt. Ich ersuche Sie, mir mein Geld zurückzugeben. Dann bin ich bereit, von einer Anzeige Abstand zu nehmen.“
Wenn er geglaubt hat, damit Gruber ins Bockshorn jagen zu können, so hat er sich gründlich getäuscht.
„Gehen Sie doch zur Gendarmerie“, fordert ihn Gruber mit hämischem Lächeln auf, „was glauben Sie, was das deutsche Finanzamt für Augen macht, wenn ihm Ihre Unterlagen auf den Tisch flattern. Steuerhinterziehung mit Hilfe einer Schweizer Aktiengesellschaft, nicht angegebener Grundbesitz in Österreich und Konten bei einer Liechtensteiner Bank. Da werden sich die Finanzbeamten aber freuen. Auf so einen fetten Brocken warten die. Das gibt Kerker, oder Zuchthaus, wie das in der Bundesrepublik heißt. Außerdem haben Sie mich doch auch nur mit Schwarzgeld bezahlt, um das Sie den deutschen Fiskus betrogen haben. Sollten Sie mir Schwierigkeiten machen, werden die Treuräte der WIFINA unsere Unterlagen Ihrem Finanzamt übergeben.“
Leder schrumpft um mehrere Zentimeter. Was soll ich dazu sagen? Anscheinend hat sich der Herr Architekt vollkommen in die Hände dieser Gauner begeben. Gruber ist besser im Bilde als ich, sitzt am längeren Hebel.
Mein Versuch, wenigstens einen Teil der Gelder zu retten, schlägt fehl. Gruber ist nicht bereit auch nur einen Franken zurückzugeben.
Für die beiden Treuräte scheint es sich um ein Allerweltsgespräch zu handeln. Sie verweisen auf Ihre Funktionen und lassen durchblicken, dass allein Gruber für die Führung der WIFINA verantwortlich zeichne.
Leder beauftragt trotzdem einen Rechtsanwalt in Vaduz mit der Wahrnehmung seiner Interessen. Nach Monaten lese ich das Ergebnis.
Fazit: Die WIFINA wurde im Handelsregister gelöscht, ehe die Untersuchungen eingeleitet werden konnten.
„In der Anlage erhalten Sie meine Honorarnote, die ich innerhalb acht Tagen zu begleichen bitte auf mein Konto bei der Bank in Liechtenstein.“ Höhe der Rechnung 8.400 DM.
Zurück in der Steiermark erwarten mich zwei Beamte der Kripo. Zuerst bitten sie um Angaben über das Geschäftsgebaren Grubers und setzen ein Protokoll aus.
Ich lege ihnen meine Unterlagen vor und erzähle der Reihe nach. Dabei fallen die Namen Hauer, Hasler, Leder und Klingenberger-
Des Nationalrats Aussage liegt ihnen vor. Sie deckt sich fast vollständig mit meiner. Ich bitte die beiden, mit Leder selbst zu sprechen, da ich die Angelegenheit nicht vollkommen kenne und deshalb nicht beurteilen könne.
Am nächsten Tag beehren mich die beiden wieder.
Nun möchten sie alles über unsere Gesellschaft wissen. Ich überreiche ihnen alle Schlüssel zu den Schränken und Schreibtischen und fordere sie auf, sich zu bedienen. Erst nach wiederholter Aufforderung sichten sie die Akten, die noch vorhanden sind. Es handelt sich dabei ausschließlich um Kopien, da der Vergleichsverwalter alle Akten und Prospekte sichergestellt hat. Am anderen Tag stellt sich heraus, es ist Dr. Lehar, der mich angezeigt hat.
Nunmehr nehme ich kein Blatt mehr vor den Mund. Das umfangreiche Protokoll schildert Dr. Frank Lehar, wie ich ihn sehe. Mehrmals versuchen die Beamten, meine Aussagen in moderatere Töne zu kleiden, aber ich bestehe auf meinen eigenen ursprünglichen Formulierungen.
In einem Beschluss teilt uns das Kreisgericht mit, dass die Frist, innerhalb der der Vergleich angenommen werden muss, um weitere drei Monate erstreckt wird. Diesen
Antrag hat Dr. Lehar gestellt.
Frankie-Boy, wie wir Lehar junior nennen, wird auch in diesen drei Monaten nichts bewegen. Der Anschlusskonkurs ist für uns alle nur noch eine Frage dieses Vierteljahres. Sollen wir noch einen Versuch unternehmen? Finanziell sind Rudolf Molle und ich ausgeblutet. Rudolf verkauft seine Münzsammlung.
„Wir geben erst auf, wenn überhaupt nichts mehr zu ändern ist“, lautet seine Devise. Aber dieser Zeitpunkt liegt schon lange hinter uns.
Die nächsten Wochenenden sehen uns beide in Graz und Neumarkt. Erneute Verhandlungen mit den Eigentümern, den Gläubigern, dem Finanzamt und der Nationalbank.
Alle Hoffnungen erweisen sich als trügerisch. Wir kommen keinen Schritt voran. Weitere Geldmittel sind nicht mehr aufzutreiben. Dr. Mennige verspricht, 14 Millionen Schilling zur Erfüllung des Ausgleichs bereitzustellen. Wenige Tage später zieht er dieses Angebot zurück. Viel später erfahren wir, dass Adalbert für diese Sinnesänderung verantwortlich ist. Er bringt es fertig, sich bei Mennige unentbehrlich zu machen. Mennige will die gesamte Siedlung in seine Hand bekommen und bietet Dr. Lehar die Erfüllung des Ausgleichs an. Sein Anwalt, Dr. Stahlberger, kann sich jedoch gegen Fleischer durchsetzen. Die Höhe der Anmeldungen verheißt kein gutes Geschäft und setzt einen langen Atem voraus.
Außerdem kennt Stahlberger die Managerqualitäten unseres Mitgeschäftsführers. Er ist wohl zum gleichen Ergebnis wie wir anderen gekommen.
Über das Vermögen der Gesellschaft wird der Konkurs eröffnet.
Ich ordere einen Möbelwagen. Innerhalb eines Tages räume ich unser Haus in der Siedlung. Wir ziehen wieder in die Bundesrepublik. Da mit eine Rückzahlung der zusätzlich von mir in die Gesellschaft eingebrachten Mittel im Konkursfall nicht gerechnet werden kann, ist diese Lösung die einzig richtige, einzig mögliche. Das Haus wird versteigert werden. Ausgerechnet einige unserer Eigentümer warten darauf wie die Geier.
Und jener Holger Kurz, dem ich vor zwei Jahren die Ausweisung aus Österreich wegen seiner Schlägerei ersparen konnte und dessen Geldbuße ich aus meiner eigenen Tasche bezahlt habe, versucht über eine Anzeige bei der Gendarmerie meine Ausreise zu verhindern. Es bestünde Fluchtverdacht und ich habe die Eigentümer und die beteiligten Firmen betrogen. Er selbst hat noch einen Rückstand von über 22.000 DM bei der Gesellschaft zu zahlen.
Nachdem der Konkurs angemeldet ist, hat die ÖNB die Einfuhr der von uns beantragten Kaufpreise genehmigt. Aber wir finden für diese Häuser in der Kürze der Zeit keine Käufer. Die Ehemaligen sind vom Kaufvertrag inzwischen zurückgetreten oder haben diesen angefochten. Die fehlerhaften Verträge unseres Notars ermöglichen ein fast müheloses Aussteigen. Ein Gutachten eines Professors der Universität Salzburg bestätigt ihr Verhalten in allen Punkten. Schadensersatzforderungen unsererseits sind wieder nur gegen den Notar möglich. Dieser aber läßt es sich in der Psychiatrischen Abteilung des Landeskrankenhauses in Graz gut gehen. Eine Verschlimmerung seines Kriegsleidens sei festgestellt worden. Er gehe in Kürze in Kur. Seinen Bungalow hat er an seinen Freund, den Rechtsanwalt Dr. Heinrich Heimer, verkauft. Die Allergie seiner Frau ausgerechnet gegen Kreide gestattet ihr, aus dem Schuldienst auszuscheiden. Sie bezieht Pension.
Ich habe Dr. Karl Boden nicht wieder gesehen. Aus einem Brief von Walter erfahre ich ein Jahr später, dass er in einem Notariat in Graz beschäftigt sei - sicher als Spezialist für Verträge mit deutschen Käufern im Zusammenhang mit Ferienhäusern.
Dr. Frank Lehar, unser Ausgleichsverwalter, kann sich die Scheunen füllen. Sein Erfolg steht im umgekehrten Verhältnis zu seinem Engagement und der für Ausgleich und Konkurs aufgewandten Zeit und Arbeitsleistung. Er tauscht das baufällige, heruntergekommene Vaterhaus auf dem Dorf gegen eine neuzeitliche komfortable Kanzlei in ei¬ner Kärntner Großstadt.
Sein aufopfernder Einsatz beim Ausgleich und Konkurs der Gesellschaft, dieser österreichischen Firma mit deutschen Gesellschaftern, geben ihm gewiss auf Jahrzehnte hinaus Gesprächsstoff im Tennis- oder Wassersportclub, in der Diskussion mit Kollegen oder im Kreise Gleichgesinnter.
Er ist der Einzige, der voll auf seine Kosten kommt.
Mehr als 100.000 DM in Schilling, zuzüglich entstandener Auslagen.
Der Finanzmakler Dr. Kleiner kann seinen Mandanten wieder in die Augen sehen und die eingelegten Darlehen zurückzahlen. Sie waren dank seines Kriegskameraden Dr. Boden erstrangig gesichert.
Auch Dr. Mennige kann 14 Grundstücke mit Ferienhäusern in den verschiedensten Ausbaustufen nun sein eigen nennen. Er verkauft mit Gewinn. Da seine Forderungen auch auf den Grundstücken der Straßen und des Wasserwerkes eingetragen sind, müssen ihm die Eigentümer von 48 Häusern jeweils 8.000 DM für deren Benutzung und die Kanal- und Wasseranschlüsse erstatten. Bei diesem guten Reibach hilft ihm unser Adalbert als sein Angestellter. Wie lange er bereits die Interessen seines Brötchengebers vertritt oder in seinen Diensten steht, bleibt ihr gemeinsames Geheimnis.
Adalbert ist von seiner deutschen Frau geschieden. Die beiden Kinder hat er ihr großzügig gelassen. Dafür schenkt ihm seine zweite Gattin, eine Österreicherin, zwei neue. Er genießt Wohnrecht in einem von Mennigs Häuschen in der Siedlung. In der Umgebung ist er der „Herr Baumeister“ geblieben.
Adolf Navratil versichert weiterhin alles und jeden. Seine Geschäftsführertätigkeit in unsere Firma hat ihm keine Nachteile gebracht. Er habe stets nur im Auftrag gehandelt, in meinem Auftrag natürlich, steht im Protokoll der Gerichtsakten.
Dr. Stahlberger vertritt die Interessen seines Mandanten Dr. Mennige im Konkurs gegen uns. Dass er immer noch Gesellschafter der im Konkurs befindlichen Gesellschaft ist, stört dabei weder ihn noch andere.
Gerhard verliert seinen Posten bei der Bank. Ein Käufer, ohne Belastung im Grundbuch, mit noch über 20,000 DM Schulden bei der Gesellschaft, beschwert sich grundlos bei seiner Hausbank. Gerhard wird aufgefordert, selbst zu kündigen. Er geht nicht ohne eine Abfindung. Er hat sich gegenüber seinem Arbeitgeber nichts zuschulden kommen lassen, aber eine Bank kann sich keinen Mitarbeiter leisten, der nebenbei als Gesellschafter und Geschäftsführer einer in Konkurs gegangenen Gesellschaft arbeitet und Anlaß zu Beschwerden von Bankkunden gibt, seien diese Beschwerden berechtigt oder nicht.
Er setzt sich von uns ab, verkauft sein Haus, baut vom Erlös ein neues, aber diesmal auf den Namen seiner Frau.
Mein Bruder Dieter kehrt in den Schoß der Familie zurück. Kurz nach meiner Rückkehr tritt er aus der gemeinsamen Elektro-Installations-Firma aus und verdingt sich für gutes Geld bei einem unserer Kunden. Seinen Entschluss gibt er mir zwei Tage vorher bekannt. Die Abwicklung auch dieser Firma überlässt er mir, zuzüglich 36.000 DM Mehrwertsteuerschulden beim Finanzamt und mehr als 40.000 DM Rückstände bei den Lieferanten.
Rudolf als Generalbevollmächtigter hat mit ähnlichen Schwierigkeiten zu kämpfen wie ich. Er hat einige größere Hypotheken und kurzfristige Darlehen aufgenommen. Kurz vor der angesetzten Zwangsversteigerung kann er sein Haus noch verkaufen und die Verluste damit eingrenzen. Eine Lohnpfändung wird somit gegenstandslos.

Meine Siedlung Murtalblick habe ich nie wieder gesehen. Jedes Jahr, wenn die Gemeindevertreter aus der grünen Steiermark ihre Partnergemeinde am Main aufsuchen, erneuern der Bürgermeister und mein Freund, der Fremdenverkehrsobmann, ihre Einladung, sie baldigst zu besuchen. Vielleicht später einmal?
Bürgermeister Otmar Hahn: „In einem hast Du recht behalten. Die Siedlung steht. Wir haben viele neue Feriengäste dadurch bekommen. Keiner wird Murtalblick mehr auslöschen können. Sogar auf der Landkarte und in Google kannst Du Deine Siedlung finden, dank der Nachkommen der Erbauergesellschaft.“
Und so endete ein „qrundsolides“ Projekt, das von der kleinen Politik initiiert worden war und durchaus wohlgelitten in die politische Landschaft gepasst hat“, wie der Vorsitzende Richter und der Staatsanwalt übereinstimmend feststellen
„Die braunen Holzhäuschen, eingebettet ins Grün, grüßen zur Bundesstraße 17 und spiegeln sich in den dunklen Wassern der Mur.“ So beginnt mein Text für die Reisebüros, den ich einmal geschrieben habe und der nie gedruckt wurde.

Nachwort
Mehr als dreißig Jahre sind seitdem vergangen. Eine lange Zeit, sollte man meinen, wenn man sie an der Dauer eines Menschenlebens misst. Und dennoch gab es kaum einen Tag, an dem meine Gedanken nicht in die grüne Steiermark, in unsere Siedlung Murtalblick eilten. Oft vermeinte ich ihren Ruf zu vernehmen, der trotz der vielen verflossenen Jahre nicht verstummt ist, vielmehr deutlicher und vernehmbarer lockt.
Ich hatte viel Muße nachzudenken.
Welche Fehler waren der Gesellschaft und hier vor allem mir selbst anzulasten? Denn Schuld ist immer Teilschuld, mehr oder weniger gleichmäßig verteilt. Dann musste ich diesen Teil der Verantwortung auf mich nehmen, so wie ich die tägliche Arbeit getragen hatte.
Gutheit ist Dummheit“, hörte ich als häufigsten Vorwurf.
Und doch! Ich würde wahrscheinlich wieder so handeln, handeln müssen.
Vor drei Jahren erreichte mich ein Weihnachtsgruß, unterzeichnet vom Nachfolger des früheren Bürgermeisters und von meinem Freund, dem Fremdenverkehrsobmann, der folgenden Zusatz enthielt: „ Die Gemeinde dankt Ihnen für Ihre erfolgreichen Bemühungen und Ihren tatkräftigen Einsatz zur Förderung des Fremdenverkehrs.“

Wir haben Spuren hinterlassen.

Personen in diesem Buch:
Adalbert Fleischer, ein Maurer- und Betonbauermeister aus einer mittleren Stadt im Rhein-Main-Gebiet, der in die Gesellschaft als Gesellschafter und Geschäftsführer einstieg, um den Bau der Siedlung zu überwachen und sich dabei wohl übernahm
Rudolf Molle, wurde zum Generalbevollmächtigten ernannt, um die Geschäftsführer etwas aus der Schußlinie zu nehmen, nahm viel Arbeit auf sich und meisterte mit einer gesunden Portion Sturheit so manche Situation.
Adolf Navratil, genannt Adi, Vertreter der größten österreichischen Versicherung, unermüdlich im Erfinden immer neuer Finanzierungsmodelle, die nur den einen Nachteil haben, sie sind erfolglos.
Hansi Schreiner, Baumeister und Teilhaber der Arge, echtes Schlitzohr.
Ludwig Mussilak, ständig beeidigter Sachverständiger für das Buchwesen, unser Steuerberater, mit Unfähigkeitsnachweis des örtlichen Finanzamtes.
Walter Kinder, unser Verkaufsgenie, immer einen 'Schmäh' in der Rückhand, unermüdlich.
Otmar Hahn, der Bürgermeister der Gemeinde, dessen Unterstützung wir immer sicher sein konnten.
Sepp Hauer, österreichischer Nationalrat, alter Parteisoldat der SPÖ, hielt Kontakte zur ÖNB und zur Regierung, war immer für uns ansprechbar.
Otto Müller, Gendarmerie-Postenkommandant und Fremdenverkehrsobmann der Gemeinde, unser bester Freund, dem wir in allen Lagen vertrauen konnten, immer hilfsbereit und dem wir viel zu verdanken haben.
Dr. Karl Boden, mit allen Salben gesalbter Notar, der aus der Psychiatrischen Abteilung wieder in ein Notariat wechselte.
Gerhard Hügel, alias James Last, ein Norddeutscher aus Stade, dem es fast gelang, Grünkohl mit Pinkel zur österreichischen Nationalspeise zu machen.
Helmut Kaiser, unser Hausverkäufer und erklärter Feind der Österreichischen Nationalbank, ein Jäger und Sammler.
Charly, der Verfasser dieser Zeilen, über den eigentlich schon viel zu viel geschrieben wurde und dem dies fast etwas peinlich ist. Weshalb er an dieser Stelle nichts über sich sagen will.

(Namen wurden verfremdet, Ähnlichkeiten sind beabsichtigt).

Mittwoch, 1. Oktober 2008

Nützliche und kostenlose Seiten

In der folgenden Übersicht zeigen wir ihnen Seiten, die ihnen, als Urlauber oder Anbieter von Ferienwohnungen sehr nützlich sein können und die sie vor allen Dingen nichts kosten.
"Haus Murtalblick" ist auf den meisten dieser Seiten ebenfalls präsent.

Reiseanbieter:

Ferienwohnungen; Ferienhäuser in Österreich - Traumunterkunft

Private Ferienwohnungen



Webkataloge:
Topliste
Hier können sie ihre Angebote kostenlos eintragen und andere Angebote finden
Boards

Top 100
Homepage eintragen - kein nofollowIQ-Kontrollbild

Kostenlose Webkataloge:
Webkatalog HTTP-LINK.de
Homepage Tools

Freeware-COM Webkatalog, Download und mehr ...

Ferienwohnung Haus Murtalblick

Webkatalog WebFee

CXHost Webkatalog

Link-Rebell.de der junge Webkatalog
Ferienwohnungen
Linkbaby.de
Linkbiene.de
Webkatalog.tv - Der Katalog und Webverzeichnis ohne Backlinkpflicht
Webkatalog - KOXO Verzeichnis und Katalog

Informationen aus der Region
Skigebiete im Umkreis von 45 km:
Lachtal
Kreischberg

Sehr günstig für Wintersportler:

Pusterwald/Oberzeiring
Skiregion Gaal (Seckauer Alpen)
Hohe Tauern
Murauer Frauenalpe
Grebenzen
Weitere Skigebiete in unserer Region Pöls/Judenburg


Freizeitmöglichkeiten:
Der Märchenwald - ein Erlebnis für Kinder und junggebliebene mit Spitzenrestaurant direkt in der Erlebniswelt.
Freizeitanlage Zechner in Kobenzen - Hier bekommen sie ihre Kinder nicht mehr weg - Riesenrutsche, Kindereisenbahn, Boote und plantschen.
AquaLux

Wellness nicht nur für die Frau, die neu errichtete AquaLux-Therme in Fohnsdorf macht ihren Urlaub zu einer echten Erholung für die nächsten 12 Monate in ihrem Berufsleben.



Zirbitzkogel
Tonnerhütte
Auf der Tonnerhütte, kurz unter dem Gipfel des westlichen Zirbitzkogels in 1600m Höhe, werden sie immer freundlich willkommen geheissen.
Beim Essen in dem gemütlichen Lokal oder im Freien erwartet sie ein einmaliger Ausblick auf die Karawanken - das Grenzgebirge zwischen Austria und Slowenien. Die Kinder erwarten viele Aktivitäten, wie Streichelzoo und Spielplatz. Ausflüge sind zu Fuß möglich oder "per Esel" buchbar. Selbstverständlich gibt es auch einen Skilift zum Zirbitzkogel für Wintersportfreunde.
Wir waren schon sehr oft dort. Panorama, Wandermöglichkeiten, Freundlichkeit des Personals und die Qualität der angebotenen Speisen sind absolut zu empfehlen.

Weitere Hütten rund um den Zirbitzkogl:
Der Zirbitzkogl, eigentlich der "Hausberg von Judenburg", bietet rundherum ein atemberaubendes Panorama und ideale Wandermöglichkeiten. Gäste werden hier immer auf das freundlichste bewirtet und das Hüttenpersonal steht mit nützlichen Tipps jederzeit zur Seite.
Ob sie sich nun für die Waldheimhütte (1.620 m), die Rohrerhütte (1.854 m, die Stoanahütte (1.730 m), die Winterleitenhütte (1.800 m)oder die Rothaidenhütte (1.836 m)als Ausflugsziel entscheiden - sie finden immer herrlische Natur und werden als Gäste freundlich willkommen geheissen.

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Gerichtsstand ist Judenburg/Steiermark

 
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